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Assistenzsysteme für Lastwagen : Wie mit 400 km/h gegen die Wand

Ein neuer Mercedes-Benz Actros mit Mirrorcam Bild: Daimler AG/Matthias Aletsee

Mercedes-Benz Trucks wird von Januar 2020 an europaweit in jedem neuen Actros-Lastwagen die fünfte Generation des aktiven Bremsassistenten (ABA 5) serienmäßig anbieten.

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          Ohne ihn läuft nichts. Der schwere Lastwagen ist unabdingbarer Teil der Lieferkette, und die Zunahme des Schwerverkehrs kann jeder beobachten. Bei 40 bewegten Tonnen gilt es umso mehr, Unfälle zu vermeiden, weil sie verheerende Folgen haben können: Schlägt ein 40-Tonner mit 80 km/h irgendwo ein, ist das ungefähr so, als führe ein Personenwagen mit 400 km/h gegen eine Wand.

          Boris Schmidt

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Mercedes-Benz Trucks fühlt sich der aktiven und passiven Sicherheit natürlich verpflichtet und kündigt an, von Januar 2020 an europaweit in jedem neuen Actros-Lastwagen die fünfte Generation des aktiven Bremsassistenten (ABA 5) serienmäßig anzubieten. Zudem kann der Abbiegeassistent, der seit 2016 auf dem Markt ist, nun nachgerüstet werden, sofern das Fahrzeug nicht älter als zwei Jahre ist.

          ABA 5 arbeitet erstmals mit einer Kombination aus Radar- und Kamerasystemen. Jetzt reagiert das System auch auf sich bewegende Personen und kann bis zu einer Geschwindigkeit von 50 km/h eine Vollbremsung einleiten. Das konnte das 2016 eingeführte ABA 4 nicht. Hauptaufgabe des Bremsassistenten bleibt aber die Überwachung des Längsverkehrs auf der Autobahn oder der Landstraße, also der Fahrzeuge, die vorausfahren. Detektiert werden jedoch zusätzlich ruhende Hindernisse oder eben Personen, die queren, entgegenkommen oder auf der Spur stehen.

          Jederzeit die volle Verantwortung

          Der Fahrer wird zunächst optisch und akustisch gewarnt, dann erfolgt eine Bremsung mit halber Kraft, danach eine Vollbremsung. Ist diese eingeleitet, kann der Trucker sie nicht stoppen, zuvor kann er jederzeit eingreifen. Mercedes-Benz belässt den Fahrer nach wie vor jederzeit in der vollen Verantwortung, selbst während des teilautomatisierten Fahrens mit ADA, dem aktiven Fahr- oder Drive-Assistenten.

          Das für den Stadtverkehr wichtigste Sicherheitsmerkmal ist der abermals verbesserte Abbiegeassistent, der auf Fußgänger und Radfahrer auf 3,75 Meter Breite rechts neben dem Lastwagen achtet. Schließlich kamen im vergangenen Jahr nach Angaben des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs in Deutschland 34 Menschen bei solchen Unfällen ums Leben. Die Hälfte solcher Tragödien ließe sich mit entsprechenden Systemen vermeiden, sagen Forscher. Mercedes-Benz ist nach wie vor der einzige Hersteller, der einen voll in die Fahrzeugarchitektur integrierten Abbiegeassistenten anbietet – und das seit 2016.

          Überwacht wird per Radar die gesamte Länge des Lastzugs plus zwei Meter nach vorn und einen Meter nach hinten. Jedoch muss der Fahrer selbst eingreifen, er wird nur gewarnt. Jeder zweite Kunde bestellt das System, das rund 2500 Euro kostet. Nachrüsten wird vom Bundesamt für den Güterverkehr mit bis zu 1500 Euro bezuschusst. Pflicht wird der Abbiegeassistent in der EU erst von 2022 an.

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