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Mercedes CLA 250e : Schicke Schale mit Minimotor

Fast ein Coupé: CLA 250e Bild: Boris Schmidt

Mit steigenden Benzinpreisen werden Plug-in-Hybride interessanter. Der Mercedes CLA 250e schafft rein elektrisch 60 Kilometer und sieht auch noch schick aus.

          2 Min.

          Autos mit Verbrennermotor und Stecker sind in Verruf geraten. Sie würden nur wegen der Steuervorteile gekauft und das Ladekabel liege meist ungenutzt im Kofferraum herum, wird gern kolportiert. Doch das muss nicht so sein, vor allem die davongaloppierenden Benzinpreise machen das elektrische Fahren immer interessanter.

          Boris Schmidt
          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Im Mercedes-Benz CLA 250 e ist es zudem in ein schickes Kleid gesteckt, die coupéartige, viertürige Limousine gefällt vielen, oft bekamen wir einen erhobenen Daumen gezeigt. Technisch gehört der CLA zur A-Klasse, aber der verbaute Benzinmotor lässt einen erst einmal stutzen: nur 1,33 Liter Hubraum, aber wenigstens vier Zylinder. 160 PS werden geboten, 102 PS bringt die Elektromaschine, die ebenfalls noch vorn unter der Motorhaube steckt. Im Team kommen beide auf 218 PS und ein feines Drehmoment von 450 Newtonmetern. Doch auch allein treibt der Elektromotor den CLA mit befriedigender Leistung an, eine lahme Ente ist er im Solobetrieb nicht. Weil die Batterie brutto 15,6 kWh fasst, sind der Norm nach Reichweiten von knapp 80 Kilometern zu erwarten.

          Tatsächlich schafften wir einmal 61, als die Tage dann kälter wurden, waren es nur noch um die 50. Somit verbraucht der CLA rein elektrisch minimal rund 21 kWh auf 100 Kilometer. Wird zu Hause für 30 Cent je Einheit geladen, kosten 100 Kilometer dann 6,30 Euro. Um da mitzuhalten, dürfte ein Verbrenner nicht mehr als vier Liter verbrauchen. Niedriger als 5,6 Liter auf 100 Kilometer konnten wir den Verbrauch im CLA jedoch nicht drücken. Der Durchschnitt – stets gefahren mit leerer Batterie – lag bei 6,8 Liter, was in Anbetracht der Motorleistung gut erscheint. Geladen ist die Batterie an der Haushaltssteckdose in rund sechs Stunden, 12,8 kWh netto kann sie aufnehmen.

          Der 4,69 Meter lange CLA ist eher hart gefedert. Bilderstrecke
          Geprüft : Mercedes CLA 250e

          Genug der Rechenspiele, und Strom wird wohl auch teurer werden. Im Übrigen wirft der CLA alles in die Waagschale, was 2021 einen modernen Mercedes ausmacht, das hervorragende MBUX-Multimediasystem, das moderne Cockpit mit dem breiten TFT-Flachbildschirm, die sehr gute Verarbeitung und die vielen intelligenten Assistenzsysteme. Diese fordern allerdings oft Aufgeld, und Sonderangebote waren die Sternenträger noch nie. Der Listenpreis des Testwagens in Mattgrau lag bei 42.453 Euro, für mehr als 17.400 Euro kamen noch Extras hinzu.

          Dafür gibt es die hübsche, aber vor allem im Fond eng geschnittene Limousine, deren Kofferraum zudem durch die Batterien im Heck etwas eingeschränkt ist. Nur 395 Liter beträgt das Volumen. Der 4,69 Meter lange CLA ist eher hart gefedert, er fährt präzise, hat aber mitunter Mühe, das hohe Drehmoment direkt auf die Straße zu bringen, der Frontantrieb lässt grüßen. Das größte Manko ist jedoch der mitunter lärmende 1,3-Liter-Motor, wenn dieser gefordert wird. Das passt nicht zu einem Mercedes.

          Wer will, kann in 6,8 Sekunden von 0 auf 100 km/h beschleunigen, die Höchstgeschwindigkeit beträgt 240 km/h. Rein elektrisch sind es nur 140 km/h. Ungewohnt fühlt es sich an, dass im E-Modus die Schaltpunkte der Achtgang-Automatik zu spüren sind. Mit den Schaltpaddeln kann der Grad der Rekuperation eingestellt werden wie bei vielen reinen Elektroautos. Gut ist, dass man den Füllstand der Batterie halten kann, wenn man nach einer langen Strecke mit Strom in die Stadt will.

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