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Mercedes-Benz Vision Van : Mit Joystick in der Hand und Drohne auf dem Dach

  • -Aktualisiert am

Designstudie von Mercedes: der Vision Van Bild: Daimler AG

Digital, automatisch und voll vernetzt: Mercedes-Benz hat eine Idee, wie die Zukunft des Transporters und des Lieferverkehrs aussehen könnte.

          2 Min.

          Die Zeitung wurde heute Morgen aller Wahrscheinlichkeit von einem Austräger ins Rohr oder in den Briefkasten gesteckt. Aber zum Träger ist sie per Lieferwagen gekommen. So wie neulich die Büchersendung oder das Müsli vom Internet-Reformhaus. Immer mehr Waren werden direkt nach Hause geliefert. Elektroartikel, Kleidung, Lebensmittel - alles Mögliche wird online bestellt und auf Achse herangeschafft. Was hierzulande noch in den Anfängen steckt, erlebt in den Vereinigten Staaten gerade eine rasante Entwicklung. Dort werden Prognosen zufolge in vier Jahren mehr als 80 Prozent der Verbraucher sich ihre Waren nicht mehr im Supermarkt beschaffen, sondern an die Haustür bringen lassen.

          Das heißt, der Lieferverkehr nimmt drastisch zu, die Nachfrage nach Transportern ebenso. Noch ist das Beladen der Fahrzeuge bei Lieferdiensten wie UPS, DHL, Hermes und anderen zeitaufwendig. Bis zu drei Stunden bestückt der Fahrer den Wagen vor einer Tour. Das sollen Roboter übernehmen, die im Lager automatisch Frachtregale befüllen, die dann wie mit einem Gabelstapler komplett in den Laderaum des Transporters geschoben werden können. Kisten und Kästen sind schon in der richtigen Reihenfolge sortiert, der Fahrer entlädt sie den Lieferstopps entsprechend einfach der Reihe nach.

          Die Ladung wird vollautomatisiert... Bilderstrecke
          Die Ladung wird vollautomatisiert... :

          Entwickler im kalifornischen Silicon Valley haben ein Regalsystem für Vans entwickelt, das sich mit Computerhilfe merkt, welche Ware wo abgelegt wurde. Ein farbiges Lichtsystem zeigt dem Fahrer an, wo er die Päckchen nach dem Erreichen des Lieferziels wiederfindet. Der Rechner in der Zentrale, per Smartphone und App mit den Fahrern verbunden, übernimmt nicht nur die Zielführung zum Besteller, sondern gibt auch die Information weiter, wo das Paket abgegeben oder hinterlegt werden soll, wenn der Empfänger nicht anwesend ist. Oder dass der Fahrer nicht klingeln soll, weil das Baby schläft.

          Dabei überwacht das System den Fahrer auch während der Fahrt und gibt Hilfestellungen für ökonomischeres Fahren oder mahnt bei riskanten Fahrmanövern. Zeigt sich der Mensch am Lenkrad nicht einsichtig, kann sein Arbeitgeber Erziehungsmaßnahmen ergreifen, etwa einen zusätzlichen Wochenenddienst verhängen, so die Gedankenspiele. Wer dagegen defensiv unterwegs ist und den Treibstoff optimal nutzt, wird mit einem zusätzlichen freien Tag belohnt.

          Elektrik und Elektronik sind nicht nur die unverzichtbaren Logistikhelfer, sie sollen auch den Antrieb des Lieferwagens übernehmen. Bei Daimler sieht man in der Elektromobilität gerade im Transportergewerbe und beim Lieferverkehr große Chancen. Wenn ein Lieferfahrzeug mit elektrischem Antrieb nahezu lautlos unterwegs ist, könnten Lieferungen in Wohnbereichen oder Fußgängerzonen auch nachts erfolgen. Das Reichweitenproblem stellt sich nicht. Die meisten Lieferdienste folgen gängigen und bekannten Routen, deren Länge kaum variiert, so dass der Energievorrat an Bord stets ausreichend bemessen werden kann.

          Außerdem ergibt sich mehr Laderaum, wenn der voluminöse Verbrennungsmotors durch eine kleine Elektromaschine ersetzt wird. Die Batterien sollen platzsparend im Unterboden verschwinden. E-Transporter finden in Zukunft auch dort Zufahrt, wo Städte die Umweltkriterien für den Lieferverkehr verschärfen.

          Ganz futuristisch mutet schließlich der kombinierte Einsatz von Vans und Drohnen an, den Mercedes-Benz für aussichtsreich hält. Eilige Lieferungen, etwa für einen Handwerker, dem eine Diamant-Schleifscheibe am Werkzeug zerbricht und der auf schnellen Ersatz angewiesen ist, wären möglich. Als Landeplatz des Fluggeräts dient das Dach des Vans. Es kann Stauungen ignorieren, den direkten Weg über die Häuserschluchten nehmen und das tun, was im Speditionsgewerbe jede Entscheidung und Handlung bedingt - Zeit sparen. All diese Zukunftsaussichten hat Mercedes-Benz im „Vision Van“ zusammengefasst, der überdies nicht per Lenkrad und Pedale, sondern mit einem Joystick gesteuert wird. Das soll mehr Beinfreiheit verschaffen, um das Ausliefern an die Haustür schneller erledigen zu können.

          Vermutlich werden nicht alle Ideen des Konzeptfahrzeugs mit der nächsten Lieferwagen-Generation von Mercedes verwirklicht werden können. Aber das eine oder andere erscheint möglich.

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