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Mercedes-Benz S-Klasse Coupé : Noch nie war der Verzicht auf zwei Türen eleganter

Wenn S weniger sein soll: Mercedes-Benz S 500 Coupé. Bild: Wolfgang Peters

Sportliches Fahrwerk, elegantes Design und bestmöglicher Komfort: Eine erste Probefahrt mit dem Mercedes-Benz S 500 Coupé.

          Der Verzicht adelt und vergnügt den Verzichtenden. Jedenfalls dann, wenn er die viertürige und repräsentative Limousine der Mercedes-Benz S-Klasse samt ihrer Bequemlichkeiten verschmäht und sich für das neue S-Klasse Coupé entscheidet. Die Bezeichnung CL für das zweitürige Spitzenprodukt der Stern-Marke landete auf dem Friedhof der Typentiere, und der große Zweitürer rückt wieder an die vor etwa einem Jahr erneuerte Limousine heran. Vorerst kommt der klassisch geschnittene Mercedes ausschließlich mit 4Matic-Allradantrieb und aufgeladenem V8-Triebwerk als S 500 Coupé für 125.962 Euro und als noch potenteres S 63 AMG Coupé zum Preis von 170.587 Euro. Das sind gegenüber der größeren und geräumigeren Limousine rund 15.000 Euro mehr.

          Wolfgang Peters

          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Wir sammelten erste Fahreindrücke mit dem S 500 und könnten ihn ohne weitere Extras in unsere Eigenheim-Garage integrieren, wenn es denn mit der Länge passte. Denn an der Wand parkt schon eine geklappte Tischtennisplatte, und das Coupé bringt immerhin satte 5,03 Meter ein. Das sind im Vergleich zu dem seit 2006 gebauten CL zwar rund 17 Zentimeter weniger, ist aber im automobilen Durchschnittsumfeld noch immer eine respektable Größe.

          Exzellente Spurtreue und Ruhe im Innenraum

          Beim Fahren sind weder die Dimensionen noch die 2,1 Tonnen Leergewicht zu spüren. Denn das neu abgestimmte Fahrwerk mit dem im Vergleich zur Limousine um 90 Millimeter auf 2,95 Meter verkürzten Radstand liefert bestmöglichen Komfort, exzellente Spurtreue und sorgt selbst auf rauhem Asphalt für die erwartete, große Ruhe im Innenraum. Wer noch mehr vom neuen S-Coupé fordert, muss sich allerdings gedulden. Denn die Weltneuheit des Fahrwerksystems mit Neigetechnik (Magic Body Control) wird erst später geliefert, in Verbindung mit den hinterradgetriebenen Versionen. Damit legt sich das Coupé wie ein Motorradfahrer in die Kurve, was die Wirkung der Querbeschleunigungskräfte auf die Passagiere reduziert.

          Für die Agilität ist der Biturbo-V8 mit 455 PS (335 kW) und einem maximalen Drehmoment von 700 Newtonmeter zuständig. In Verbindung mit der sehr aufmerksamen Automatik 7G-Tronic Plus und einem mitleidlosen Gasfuß kommt das Coupé aus dem Stand nach Werksangaben in 4,6 Sekunden auf 100 km/h, es wird bei 250 km/h elektronisch eingebremst. Das gilt auch für die AMG-Version, die aber mit 585 PS (430 kW) aus 5,5 Liter Hubraum und einem Drehmoment von 900 Nm den Standardsprint in herzflimmernden 3,9 Sekunden absolvieren soll.

          Unaufgeregte Flüstermaschine

          Allerdings liegt die Vermutung nahe, dass den meisten Kunden andere Werte wichtiger sind. Dazu zählt das markante und gleichzeitig elegante, im Heck mit etwas zu weichem Dachabschluss in verschwenderischer Harmonie schwelgende, am Bug mit entschlossenen Kanten und leicht aggressiven Scheinwerfern gezeichnete Design. Das S-Coupé taugt gut als Gleiter zwischen den Welten des seidigen Coupés und einer transpirationsfreien Sportlichkeit. Schon die S-Limousine zeigte, dass Mercedes-Benz-Designchef Gorden Wagener mit seinen dynamischeren Stilmitteln der flotteren Flanken durchaus zwischen A-/B-Klasse und den souveränen Auftritten der größeren Limousinen zu unterscheiden weiß.

          Für einen kräftigen Hauch Sportlichkeit sorgen die Klänge aus der Abgasanlage. Bei Streicheleinheiten für das Fahrpedal im ruhiger definierten E-Fahrprogramm arbeitet der V8 wie eine unaufgeregte Flüstermaschine. Das S-Programm aktiviert die Tätigkeit von Klappen im Abgasstrang, die den heißen Gasen jene Wege durch die Schalldämpfer weisen, auf denen das große Soundkino mit Pauken, Trompeten und dem Ruf des paarungsbereiten Bisons im Frühling kreiert wird.

          Vorne sitzt sich's besser

          Im Innenraum herrschen die gewohnte Marken-Gediegenheit sowie eine Mischung aus tradierten Elementen und Hightech-Instrumenten. Ein gutes Dutzend Assistenzsysteme kümmert sich um Sicherheit und Wohlbefinden der Passagiere, die natürlich vorn besser logieren als hinten. Trotz der beim Klappen der Sitzlehne automatisch nach vorn fahrenden Vordersitze ist der Zugang zu den hinteren Sitzgelegenheiten eher beschwerlich. In schmalen Parkbuchten könnten auch die sehr breiten Türen mit einem kleinen Öffnungswinkel hinderlich sein.

          Die Entscheidung, mehr Geld für etwas weniger Auto auszugeben, muss künftig keine Frage des Verzichts sein. Denn bei AMG wird an einem verbesserten Zwölfzylinder ebenso gearbeitet wie an einer asketischeren GT-Version des Coupés. Diese soll noch leichter werden, auf Wunsch höhere Leistung aufweisen und auf manche Chromeinheit der zivileren Versionen verzichten.

          Natürlich erfüllen die S 500 und S 63 die Abgasnormen der Euro 6. Danach werden 9,4 bis 9,9 Liter Superbenzin für 100 Kilometer verbraucht, die AMG-Version liegt bei 10,3 Liter. Im Alltag der stauenden Stopp-and-Go-Realität sieht das sicher anders aus.

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