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Mercedes-Benz A 150 : Das blaue Wunder findet nicht statt

  • -Aktualisiert am

Die A-Klasse von Mercedes-Benz wirkt noch immer so, als sei sie ihrer Zeit weit voraus Bild: Hersteller

Kraftstoff sparen heißt heute die Devise. Die Mittel dafür sind eigentlich bekannt, und nicht alle sind billig. Bei Daimler finden sich solche zunächst nur in den kleineren Baureihen. Beim Mercedes-Benz A 150 macht es sich der Hersteller aber gar zu leicht.

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          Blaue Leistungsfähigkeit, nein, das klingt wirklich nicht so gut (und so professionell) wie Blue Efficiency. 1:0 für die englische Sprache. Doch wer die Umwelt retten will, muss in allen Zungen reden, und so kann man sich auch damit abfinden, dass Daimlers Beitrag zur Gattung Öko-Auto einen nicht-deutschen Beinamen trägt. Wie ähnlich phantasievolle Bezeichnungen bei anderen Herstellern soll er die Modellversionen herausheben, auf die besondere Mühe für einen geringen Kraftstoffverbrauch verwandt worden ist. Bei Daimler finden sich solche zunächst nur in den kleineren Baureihen - vielleicht will man sich nicht mit einer R-Klasse oder einem GL mit Blue-Efficiency-Siegel lächerlich machen -, und zwar sowohl in den jeweiligen Diesel- wie Ottomotor-Fraktionen.

          So auch in der A-Klasse, der kleinsten im Programm, wo es als Benziner die 150 und 170 und als Diesel (zunächst nur als Coupé, lies Zweitürer) den 160 Blue Efficiency gibt. Alle drei unterscheiden sich in der Motorleistung nicht von den bisherigen Normalversionen, die als Benziner weiterhin zu haben sind. Der Sparsamkeit gefrönt wird auf andere Weise: durch eine Start-Stopp-Funktion, Reifen mit geringerem Rollwiderstand, ein „intelligentes“ Generator-Management und eine Schaltanzeige im Fahrer-Blickfeld. Nur beim Diesel optimierte man darüber hinaus an Motor und Aerodynamik und sorgte für ein bisschen Abspecken. Angesichts des begrenzten Aufwands ist der Mehrpreis von 298 Euro bei den Benzinern gerade noch erträglich.

          Statt ökologischer Ermunterung erlebten wir unser blaues Wunder

          Wir fuhren den A 150 Blue Efficiency, den mit 70 kW (95 PS) aus 1,5 Liter Hubraum schwächsten Benziner der Baureihe. Auf dem Papier wird ihm ein Sparpotential von 6,5 Prozent gegenüber dem normalen A 150 attestiert - Normverbrauch 5,8 statt 6,2 Liter Super je 100 Kilometer. Dass die Wirklichkeit anders aussieht, hat viele Gründe: die ohnehin wenig überzeugende Leistungscharakteristik des Vierzylinders, die durchzughemmend lang übersetzten Getriebegänge, das für ein nicht einmal 3,90 Meter langes Auto recht hohe Gewicht und nicht zuletzt den hier eher halbherzig gewählten Inhalt des Blue-Efficiency-Pakets. So hat man von der Start-Stopp-Funktion - die astrein arbeitet - nur dort etwas, wo die Ampeln sprießen oder Bahnübergänge den Weg versperren: nützlich, wenn die A-Klasse als Stadtauto gekauft wird, aber das muss ja nicht so sein. Das Generator-Management und die Leichtlaufreifen tun gewiss, was sie sollen, doch auch das bringt wohl nicht den großen Sparerfolg.

          Für ein nicht einmal 3,90 Meter langes Auto ein recht hohes Gewicht

          Und schließlich die Schaltanzeige: Sie ist wirklich zu simpel gestrickt. So fordert sie beim kleinsten Gaswegnehmen zum Hochschalten auf, auch wenn es gerade bergauf geht und das Manöver keinerlei Sinn hätte. Statt ökologischer Ermunterung erlebten wir daher unser blaues Wunder: Der Durchschnittsverbrauch blieb, bei ganz normalem gemischtem Betrieb, mit 8,1 Liter weit von den normierten 5,8 entfernt. Das genügt zwar immer noch für eine Reichweite von rund 600 Kilometer, doch ein Öko-Auto haben wir uns anders vorgestellt. Immerhin blieben die Fahrleistungen auf dem (allerdings bescheidenen) Niveau des normalen A150: Höchstgeschwindigkeit 175 km/h, 13,6 Sekunden aus dem Stand auf 100 km/h und 17,7 Sekunden von 50 auf 100 im 4. Gang; im 5. versucht man es besser gar nicht erst, weil dann 26,6 Sekunden ins Land gehen. Das Fünfganggetriebe schaltet sich leicht, die stufenlose Automatik ist für die Blue-Efficiency-Modelle nicht zu haben.

          Das Fahrverhalten ist ohne Tadel

          Vom Sparpaket unbeeinflusst bleiben andere Qualitäten der A-Klasse. So ist ihr Nutzraum für ihre Länge weiterhin bewundernswert, 435 Liter Grundvolumen des Kofferraums sind ebenso vorbildlich wie die Freiheitsgrade für die Insassen - auch im Fond, den Mittelplatz ausgenommen. Die hohe Sitzposition und der ungehinderte Einstieg gefällt vor allem älteren Herrschaften, ebenso die überaus leichtgängige und befriedigend exakte Lenkung, weniger der zu große Wendekreis. Der Federungskomfort ist guter Durchschnitt, das Fahrverhalten ohne Tadel - das serienmäßige, nicht übereifrige ESP ist nicht abschaltbar -, die Bremsen etwas stumpf in ihrer Wirkung, aber zuverlässig.

          Das alles samt der in der Basisversion Classic schon ansehnlichen Serienausstattung ist jedoch nicht billig. Eine A-Klasse-Limousine unter 20.000 Euro gibt es nicht mehr, und unser Exemplar im Avantgarde-Trimm (Aufpreis ebenso wie für die Elegance-Ausführung 1785 Euro) plus einigen weiteren Extras - darunter als teuerste das Command-APS-System für Navigation, Unterhaltung und Kommunikation für 3760, die Einparkautomatik für 797 und das Bi-Xenon-Licht für 982 Euro - kam dann gleich auf deutlich über 30.000 Euro. Wer sich mit der Avantgarde-Grundausstattung für 22.913 Euro oder gar dem Classic für 20.617 Euro begnügt, schont seinen Geldbeutel ohne allzu schmerzhafte Entbehrungen. Blue Efficiency aber muss das Sparen, das wirkliche Sparen, erst noch lernen.

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