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Mein Porsche : 911 statt Lebensversicherung

Selbst fahren macht glücklich. Im Coupé, im Cabriolet und natürlich auch im Targa in diesem wunderbaren Blau Bild: Hersteller

Jetzt ist es genug. Oder, besser gesagt, zu wenig. Der letzte Brief von der Lebensversicherung ist der berühmte Tropfen. Jetzt wird der Jugendtraum auf Rädern erfüllt.

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          Jetzt ist es genug. Oder, besser gesagt, zu wenig. Der letzte Brief von der Lebensversicherung ist der berühmte Tropfen. Leider entsteht eine Deckungslücke, leider kann die in Aussicht gestellte Überschussbeteiligung nicht gehalten werden, leider sinkt der Zinssatz bis auf den Garantiewert, leider sinkt auch der Garantiezins - leider ist es höchste Zeit, sich nach Alternativen umzusehen. Das Festgeldkonto ist keine, sind die Erträge dank Nullzinskonjunkturpolitik der Europäischen Zentralbank doch niedriger als die Inflation.

          Boris Schmidt
          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Unters Kopfkissen legen ist auch keine Lösung. Aktien vielleicht? Eine Immobilie? Beides schon ziemlich gelaufen, wie das an den Märkten so heißt, teuer also, und gewisse Erfahrung wäre mit dem einen wie dem anderen hilfreich. Die Entscheidung fällt: Jetzt wird der Jugendtraum auf Rädern erfüllt. Das Leben ist zu kurz für langweilige Autos, und die erste Auszahlung einer „kleinen“ Lebensversicherung ist schon eine große Hilfe. Es kommt schon ein wenig zusammen, wenn man 27 lange Jahre Monat für Monat rund 100 DM und später dann 50 Euro beiseitelegt.

          Warum es unbedingt ein 911 sein muss, ist schwer und doch wieder leicht erklärt. Dieser Traum war einfach schon immer da. Schon in den sechziger Jahren im Auto-Quartett, später in den Siebzigern, als der Medizinstudent, der bei den Eltern unterm Dach wohnte, einen Elfer fuhr. Clark aus Norwegen hat einen gelegentlich mitgenommen. Im Targa, das fühlt sich an wie ein Cabrio. Es ist nur viel sicherer (siehe unten). Schon damals faszinierten der Sound aus dem Heckmotor und die betörenden Formen, die bis heute erhalten geblieben sind. Es gibt wohl keinen genialeren Sportwagen-Entwurf, keinen, der sich jetzt seit mehr als 50 Jahren gehalten hat und aktueller denn je ist.

          Obwohl Porsche längst nicht mehr nur aus dem 911 besteht - daran wäre das Unternehmen fast zugrunde gegangenen. Der Elfer ist Kern der Marke und wird es immer bleiben. Trotz des Vorgängers 356 und der Neulinge Boxster, Cayenne, Panamera, Cayman, Macan, die in den vergangenen zwanzig Jahren die Bühne betraten. Die Ära der Frontmotor-Coupés 924/944/928/968 ist schon fast vergessen. Sie dauerte von 1976 bis Mitte der neunziger Jahre.

          Sich den Traum zu erfüllen war noch nie einfach

          Geradezu verehrt wird bis heute nur der 911er. In jeder Couleur. Modelle aus den sechziger und frühen siebziger Jahren und die Turbos erzielen schwindelerregende Preise. Selbst der 912, das Modell mit Vierzylinder-Motor (1965 bis 1969), ist teuer, wenn es in gutem Zustand ist. Dennoch ist ein alter Elfer kein Auto, das Neid erregt. Er wird akzeptiert, vielleicht, weil fast jeder gern einen hätte und weil er so bekannt ist wie sonst nur der VW Käfer. Er war eben schon immer da, zumindest für alle, die jünger als 60 sind. Sich den Traum vom 911 zu erfüllen war noch nie einfach. 21 900 DM waren im September 1964 ein echter Batzen Geld, und heute beginnt die Preisliste bei 90 417 Euro.

          Damals wie heute ist das ein Jahresgehalt eines sehr gut verdienenden Angestellten, brutto selbstverständlich. Immerhin sind aus 130 inzwischen 350 PS geworden, und der Sechszylinder-Boxer hat jetzt 3,4 statt 2,0 Liter Hubraum. Das Gewicht hat nur maßvoll zugelegt: 1400 statt 1100 Kilogramm.

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