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Megayacht : Selbst ist der Mann

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James Bond ist nicht an Bord: die legendäre Yacht „Octopussy” Bild: Böhringer

Die „Octopussy“ ist eine der schnellsten Yachten der Welt. Ein deutscher Fabrikant gönnt sich den Luxus, die legendäre Megayacht eigenhändig zu steuern. Dank modernster Technik ist das kein Problem. Einen Bleifuß leistet sich der Schwabe dennoch nur selten - aus gutem Grund.

          „Wer weiß, wo sich die ,Octopussy' momentan befindet? Wer kennt den derzeitigen Eigner der von 1988 bis 1992 schnellsten Megayacht der Welt?“ Auf Fragen wie diese stößt, wer im Internet nach der legendären „Octopussy“ googelt, die damals die Rekordgeschwindigkeit von 53,17 Knoten erreichte, immerhin gut 98 km/h. Ziemlich viel für eine 40 Meter (132 Fuß) lange Motoryacht. Seit ihrem fast 20 Jahre zurückliegenden Stapellauf in den Niederlanden hat die „Octopussy“ nicht nur an Länge und Gewicht zugelegt und deshalb an Höchstgeschwindigkeit eingebüßt, sondern auch zweimal den Besitzer gewechselt. Ihre Spur ist nicht leicht zu finden. Schon einige Jahre ist ein ehemaliger deutscher Fabrikant Eigner des pfeilschnellen Schiffs; der fast Einundachtzigjährige ist ein passionierter Freund der Meere. Doch nicht nur das: Er ist sein eigener Kapitän, navigiert und fährt die „Octopussy“ selbst.

          Hans Behr ist zurückhaltend, aber nicht gänzlich öffentlichkeitsscheu. Man kann den Millionär, der in der Nachkriegszeit in der Region Stuttgart aus dem Nichts eine Firma für Lackieranlagen aufgebaut und zum Erfolg geführt hat, ab und zu in der Öffentlichkeit treffen. Beispielsweise, wenn er aus seinem geräumigen Haus in Florida über die Straße geht, wo sein Schiff längsseits am Dock des Intracoastal Waterway festgemacht ist. Oder im exklusiven Club „Mar-a-Lago“ in Palm Beach; ihn steuert er in seinem Maybach an. Der alte gebürtige Schwabe ist zweifellos vermögend, aber nicht uneingeschränkt glücklich. Denn er ist schlecht zu Fuß; mehrfach musste er am Rückgrat operiert werden. Nur mit Hilfe eines Stocks kann er kurze Distanzen selbst bewältigen.

          Ein vergängliches Gefühl

          Hat Hans Behr aber erst einmal die Gangway auf sein Schiff bewältigt, ist er ein anderer Mensch. Dort ist, so scheint es, sein Jungbrunnen. Jedes technische Detail der „Octopussy“ hat er im Kopf, jeden Handgriff kennt er, der fürs Navigieren, Steuern oder Festmachen der inzwischen 143 Fuß (43,6 m) langen Yacht nötig ist. „Sie hat mich von der ersten Sekunde an fasziniert“, erzählt der Mann, der im Nachkriegs-Deutschland eine typische Selfmade-Karriere gemacht hat. Er entwickelte Lackierroboter, erfand das elektrostatische Lackierverfahren und rüstete jahrzehntelang so gut wie alle Autofabriken dieser Welt mit seinen Lackieranlagen aus. 1989 setzte er sich zur Ruhe, baute sein lange geplantes Haus in Florida. Als Besonderheit weist es zwei Swimmingpools auf, einen auf der Ost-, einen auf der Westseite. „So kann man fast immer schwimmen. Wenn es vom Atlantik her bläst, dann geht man halt auf die andere Seite“, freut sich Behr über seine vorausschauende Planung. Ehefrau Traudel, inzwischen 87, würde bei Windstärke 6 sonst sicherlich nicht mehr baden gehen.

          High-tech an Bord

          Auf die „Octopussy“ wurde Behr im Jahr 2000 aufmerksam. Abraham „Abe“ Gosmann, in Palm Beach ansässiger Geschäftsmann, war in finanzielle Schwierigkeiten geraten. Er hatte die Yacht im Charterbetrieb laufen, zum Wochenpreis von 90.000 Dollar. Der Besitzer sah sich genötigt zu verkaufen, 7,8 Millionen Dollar sollte das Schiff im Oktober 2000 kosten. Hans Behr machte dabei noch seinen Deal. „Gosmann hatte noch gültige Charterverträge, und die habe ich halt mit übernommen“, sagt er schmunzelnd. Auf diese Weise kam ein hübscher siebenstelliger Betrag in seine Kasse und vermittelte ihm das angenehme Gefühl, dass „Octopussy“ nicht ausschließlich Kosten verursacht. Ein vergängliches Gefühl, wie sich schon bald zeigen sollte.

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