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Maybach GLS : Ein Leben ohne Limit

  • -Aktualisiert am

Der Mercedes Maybach GLS 600 soll gegen Autos wie den Rolls-Royce Cullinan und den Bentley Bentayga punkten. Bild: Hersteller

Wenn das Beste nicht mehr genug ist, kommt bei Mercedes Maybach ins Spiel. Versprochen wird mit dem GLS 600 nicht weniger als eine neue Art von Luxus.

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          Das Beste oder nichts. Dieser Mercedes-Slogan lässt nach oben eigentlich nicht viel Spielraum. Doch weil die Schwaben offenbar ihrem Marketing-Versprechen selbst nicht trauen, haben sie vor vier Jahren das Comeback des Maybach gefeiert und die S-Klasse zum Stern mit einem doppelten M geadelt – und damit offenbar den richtigen Nerv getroffen. Denn auch wenn die S-Klasse im Smoking kein eigenständiges Modell ist wie die Maybach-Modelle 57 und 62, mit denen Mercedes die feine Marke um die Jahrtausendwende schon einmal wiederbelebt und ziemlich erfolglos gegen Rolls-Royce und Bentley aufgestellt hatte, kommt sie diesmal besser an: Seit 2015 wurden rund 45.000 Maybach S-Klassen verkauft, im vergangenen Jahr war jede siebte S-Klasse eine von oben.

          Nach ein paar limitierten Kleinseren wagen die Schwaben jetzt den nächsten Schritt und stecken auch den neuen GLS in einen feinen Zwirn. Als Mercedes Maybach GLS 600 soll er gegen Autos wie den Rolls-Royce Cullinan und den Bentley Bentayga punkten und den BMW X7 in den Schatten stellen. Weil so etwas in unseren Breiten gerade wenig opportun ist, hat Mercedes ihn dort enthüllt, wo man sich seines Reichtums nicht schämt und Energieverschwendung und der staatlich verordnete Schwenk zur Elektromobilität in wenig Widerspruch stehen: In China. Dort hat Vorstandschef Ola Kallänius bei seinem ersten Auftritt auf dem wichtigsten Markt der Marke zur Motorshow in Guangzhou das Tuch von dem 5,21 Meter großen Koloss gezogen, der in der zweiten Hälfte nächsten Jahres zu Preisen weit nördlich von 100.000 Euro an den Start gehen soll. Versprochen wird nicht weniger als eine neue Art von Luxus.

          Die bietet der Maybach GLS ganz unbenommen. Nicht nur, weil er eine neue Form und ein neues Format hat, sondern weil er den Insassen auch ein völlig neues Fahrerlebnis verspricht. Maybach schweben buchstäblich über den Dingen und sind der Welt entrückt. Wo man sich in der S-Klasse noch auf einem Niveau mit dem gewöhnlichen Volk bewegt, bietet der Maybach-GLS eine deutlich erhabenere Sitzposition. Die ist so hoch, dass sie für den Zustieg riesige Trittbretter unter den Wagen geschraubt haben, die sich in einem imposanten Schauspiel aus Licht und Bewegung entfalten, sobald die Türen geöffnet werden. Wer so aufsteigt in den Fond des Maybach, kommt in seiner eigenen Welt an, lehnt sich auf einem ledernen Liegesessel zurück und lässt sich von gummigelagerten und deshalb geräuschfreien Gebläsemotoren ein Parfum aus Osmanthusblüten, zarten Ledernoten und würzigem Tee um die Nase wehen. Fingerdickes Isolierglas sperrt unliebsame Geräusche aus.  

          2,8 Tonnen Leergewicht Bilderstrecke

          Während Maybach innen einen eigenen Weg geht, sind die Änderungen außen, von den Trittbrettern abgesehen, eher kosmetischer Natur. Aber sie verfehlen ihre Wirkung nicht. Der riesige Grill, das schillernde Lametta vor den Lufteinlässen, der Chromrahmen um die Seitenscheiben und die Zweifarblackierung – schüchtern sollte nicht sein, wer diesen Maybach fahren will

          In Auftritt und Ambiente steht der Maybach seinen Konkurrenten in nichts nach, doch beim Antrieb fehlt es Mercedes an der letzten Konsequenz. Mit Blick auf die CO2-Ziele hat offenbar das Gewissen gesiegt. Anders als die S-Klasse und vor allem als Bentley und Rolls-Royce und anders als es die 600 auf dem Heckdeckel verspricht, gibt es den Maybach GLS eben nicht mit einem Zwölfzylinder. Der gemeine Milliardär muss sich mit einem speziell programmierten V8-Benziner begnügen. Wobei das Verzicht auf hohem Niveau sein dürfte. Schon ohne den elektrischen Booster des 22 PS starken Mild-Hybrids leistet der 558 PS und sorgt mit 730 Nm für gediegenen Vortrieb, der auch von 2,8 Tonnen Leergewicht kaum geschmälert wird. Trotz eines Sprintwerts von 4,9 Sekunden und eines Spitzentempos von 250 km/h geht es schließlich nicht um Rasen, sondern um Reisen. Nicht umsonst gibt es für das vorausschauende Luftfederfahrwerk mit 48 Volt-Wankstabilisierung eigenes ein Maybach-Programm mit wattebauschiger Wolkenweichheit. 

          Mit dem GLS mag sich Maybach zwar wieder ein bisschen mehr von Mercedes emanzipieren. Doch bis Maybach wieder eine eigenständige Marke wird und sich einen wahrhaften Gegner für Cullinan & Co leisten darf, wie es die vor Jahresfrist vorgestellte Studie Vision Ultimate Luxury hätte werden können, ist es noch ein weiter Weg. Die Absatzzahlen der Maybach S-Klasse machen indes deutlich, dass dieser Weg sich lohnen könnte. Und der Blick auf AMG mit gleich zwei eigenständigen Modellen beweist, dass der ans Ziel führen kann. Dass es dafür Geduld braucht und vielleicht auch ein paar Steine auf diesem Weg liegen, wird zumindest im Maybach GLS niemand stören. Viel komfortabler kann man eine abenteuerliche Reise kaum absolvieren.  

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