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Matula und der Alfa Romeo : Ein Fall für zwei

Einen Tag vor Drehbeginn noch ohne Auto: „Nehmen wir doch meins“, sagte Claus Theo Gärtner 1980 Bild: Eilmes, Wolfgang

Dreihundert Folgen lang löste ein geniales Duo Kriminalfälle im ZDF: Detektiv Matula und sein Alfa Romeo. Am Freitag ist Schluss. Leider. Eine Beweisaufnahme mit gefälschten Kennzeichen, Schrotflinten und einer weisen Mutter.

          Wer mit der Polizei keinen Ärger haben möchte, sollte nicht vierzig falsche Nummernschilder im Kofferraum liegen haben. Und zwei abgesägte Schrotflinten wirken auch nicht gerade deeskalierend auf die Ordnungshüter. Dreiunddreißig Jahre ist die Szene her, sie ist nie auf den Fernsehschirmen zu sehen gewesen.

          Holger  Appel

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.

          Wäre die Sache schiefgegangen, würde heute niemand über den Privatdetektiv Josef Matula, seinen Alfa Romeo und dreihundert Folgen der beliebten Krimiserie „Ein Fall für zwei“ reden. Heute sitzt Claus Theo Gärtner alias Matula entspannt und erdverbunden in seinem charmanten Lieblingsrestaurant im weitestgehend als Sozialwohnung fungierenden Palast Hotel in Wiesbaden.

          Schrotflinten im Kofferraum

          Er trägt schwarze Lederjacke, Jeans, Hut und erzählt die Episode mit einem Schmunzeln. „Wir drehten mitten in der Nacht in Frankfurt. Ich war abgedreht, konnte also schon ins Basislager am Main fahren. Ich nahm unseren Toningenieur mit, am Hauptbahnhof haben wir einen Zwischenstopp an der Imbissbude eingelegt.  Als ich mit Hamburgern in der Hand wieder rauskomme, steht der Mann breitbeinig, die Hände aufs Dach gelegt, an unserem Auto.“

          „Zwei Polizisten mit Waffen hinter ihm. Da fiel es mir plötzlich ein: Wir hatten noch die gefälschten Nummernschilder vom Drehort drauf. Alle in der Serie fahrenden Autos bekommen Frankfurter Nummern, damit nicht auffällt, wenn wir mal in Groß-Gerau oder sonst wo drehen. Wir trugen also Parkas, hatten lange Haare, die falschen Nummernschilder, es war morgens um 3 Uhr. Die haben uns für Terroristen von Baader-Meinhof gehalten.“

          Einsatz in Mainhatten: Matula und sein Alfa, immer in hellen Farben

          Gärtner rief ihnen zu: „Das ist ein Filmauto“, woraufhin ihn der Polizist mit gezogener Waffe aufforderte, den Kofferraum zu öffnen. Darin: vierzig gefälschte Nummernschilder und zwei abgesägte Schrotflinten, die der Requisiteur dort zwischengelagert hatte. Nach einigen hektischen Erklärungen stellt sich die Wahrheit heraus, der Polizist verabschiedet Gärtner mit den Worten: „Ich wusste nicht, ob ich Sie vom Fahndungsplakat oder aus dem Fernsehen kenne.“

          1981 erschien die erste Folge. Sechs Stück sollten es werden. Ein Jahr lang warb der damalige Produzent Georg Althammer um die Zusage des Theaterschauspielers Gärtner, bis dieser schließlich auf einen Zettel kritzelte: „100 Folgen, ok. CTG.“ Am kommenden Freitag erscheint der dreihundertste und letzte Fall für zwei, eine Institution des ZDF-Freitagabendkrimis verschwindet.

          Matula fährt immer Alfa Romeo

          Über all die Jahre haben die Rechtsanwälte des kongenialen Duos gewechselt, die Sekretärin wurde getauscht, Wohnungen und Büros sehen anders aus, nur zwei Dinge sind so wie immer: Der Privatdetektiv ist Josef Matula, gespielt von Claus Theo Gärtner. Und Matula fährt Alfa Romeo. „Im Drehbuch“, erzählt Gärtner, „im Drehbuch stand: Der Detektiv fährt mit dem Auto über die Brücke. Irgendwann fragte einer aus der Filmcrew: Was für ein Auto soll das denn eigentlich sein? Niemand hatte eine Antwort, also überlegten wir. Einen Volkswagen.“

          Claus Theo Gärtner fährt seine Stunts selbst

          „Da sagten alle: O Mann, wie langweilig. Einen Porsche. Da sagten alle: Den kann sich ein armer Polizist, der zum Privatdetektiv wird, nicht leisten. Mini Cooper? Da sagte der Kameramann: Da passe ich mit meiner Ausrüstung nicht rein. Also vertagten wir das Thema.“ Einen Tag vor Drehbeginn war immer noch kein Auto gefunden, was gewissen Druck auslöste. Jemand schlug vor, man könne irgendeinen Mietwagen besorgen.

          Woraufhin Gärtner auf seine private Alfa Romeo Giulia, mit der er gerade samt Gepäck aus seiner Geburtsstadt Berlin an den Main umgezogen war, deutete und sagte: „Dann nehmen wir doch einfach den, bis wir einen anderen haben.“ Product-Placement? Daran hat damals keiner gedacht. Avancen anderer Marken gab es immer mal wieder. Ford kam ins Spiel, daraus wurde nichts.

          Gangster fahren Mercedes-Benz

          Opel war dabei und verschwand wieder. Rechtsanwalt oder Gangster fahren Mercedes-Benz, in Ordnung. Aber der Detektiv bleibt seiner Marke treu. „Der Alfa gehört zur Beständigkeit von Matula“, sagt Gärtner. „Die anderen“ waren denn auch allesamt Alfa Romeo. Es folgten eine Giulia Nuova Super, ein T-Spark, der 156 und zuletzt der 159. Privat hatte er damals noch einen GTV Veloce in seiner Garage in Berlin stehen, heute nennt er sich stolzer Eigner des letzten Spider.

          Eines Tages, als eine aus zweiter Hand erworbene Nuova Super im Einsatz war, wurde der italienische Autohersteller auf die Sendung aufmerksam und fragte an, ob sich statt der gebrauchten nicht neue Autos einsetzen ließen, „schließlich wollen wir Neuwagen verkaufen“. Es ließ sich einrichten, seither stellt Alfa Romeo Matulas Dienstwagen. „Wann immer Alfa ein neues Modell herausgebracht hat, haben wir getauscht. Das war ja nicht allzu häufig“, grinst Gärtner. Wobei er den Wechsel der ersten Giulia zur Nuova Super nicht ganz freiwillig unternahm.

          15 Jahre Rennsport. Gärtner: „Mit Alfa 1a Haltungsnoten, null Erfolg“

          „Wir haben in Frankfurt auf der damals noch vorhandenen Müllhalde eine Verfolgungsjagd gedreht. Ich musste hinter einem Saab her, der erstens Frontantrieb und zweitens ein paar PS mehr hatte. Der Regisseur sagte, wir müssten dichter hintereinander her fahren, also gaben wir richtig Gas. Dann kam ich in der Kurve quer und dachte, o, toll, da fahre ich jetzt quer durch.“

          Die Stunts macht Gärtner selbst

          „Und das ging auch super bis zu dem Begrenzungsstein, den ich übersehen habe. An dem bin ich mit der Vorderachse hängengeblieben, das Auto hat sich überschlagen und blieb auf dem Dach liegen. Ich hing kopfüber im Gurt, mir war nichts geschehen. Der Kameramann schrie: Keiner läuft ins Bild. Die anderen schrien „Mörder“ zurück und rannten mir zu Hilfe. Die Szene konnten wir dann nicht ohne Schnitt zeigen.“

          Es war der einzige größere Unfall, den Gärtner unkontrolliert erlebt hat. Seine Stunts, berichtet er, fährt er alle selbst. Dass er mit Autos umgehen kann, hat er als Rallyepilot im A-Kadett-Werkswagen bewiesen, auf der Rundstrecke, während 24-Stunden-Rennen und als Pilot im Porsche Supercup. Heute fährt er, kaum zu glauben, Alfa 159 Diesel. Und schmiedet Pläne.

          Die letzte Folge am 29.März 2013: Josef Matula und Rechtsanwalt Markus Lessing

          Mit seinem zum Wohnmobil umgebauten Mercedes-Benz-12,5-Tonner-Lastwagen waren er und seine Frau gerade vier Monate in Afrika, im kommenden Sommer will er damit auf die Seidenstraße gen China. Es sei denn, es kommt ein Projekt dazwischen. Gärtner hat eine Idee: Matula ist zum Camper mutiert, zieht mit seinem Wohnmobil durch die Gegend. Unterwegs übernimmt er ein paar Kriminalfälle.

          Sechs Folgen und den Auftritt des neuen Alfa 4C kann er sich vorstellen. So fing „Ein Fall für zwei“ ja auch mal an. Dessen letzte Folge endet übrigens nicht in einer Katastrophe, sondern so, dass es „einfach weitergehen könnte“, verspricht Gärtner. Dann wäre auch seine 92 Jahre alte Mutter versöhnt. Die hat das von ihrem Sohn initiierte Ende der Krimiserie als „Verrat“ bezeichnet. Welch eine weise Frau.

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