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Marktbetrachtung : VW hilft Seat, Fiat muß sich selbst helfen

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Seat hat sich jetzt gänzlich dem Sport verschrieben, sogar beim Minivan Altea Bild:

Den deutschen Neuwagenmarkt dominieren die einheimischen Hersteller - zu zwei Drittel. Das andere Drittel bleibt für die Importeure, dort wieder führen die französischen und japanischen Anbieter, 4,6 Prozent des Marktes entfielen 2003 aber auf den Fiat-Konzern sowie Seat .

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          Den deutschen Neuwagenmarkt dominieren die einheimischen Hersteller - zu zwei Drittel. Das andere Drittel bleibt für die Importeure, dort wieder führen die französischen und japanischen Anbieter, 4,6 Prozent des Marktes entfielen 2003 aber auf den Fiat-Konzern sowie Seat - die Marken aus dem Süden Europas, die auch gemeinsame Wurzeln haben (Seat begann 1953 die Automobilfertigung mit Fiat-Lizenzbauten, 1981 beendete Fiat sein Engagement in Spanien). Fiat und Seat stehen schon ihrer Herkunft wegen für südländisches Temperament und Lebensfreude. Nach wie vor - oder besser: endlich wieder - verheißen insbesondere die Namen der italienischen Marken wieder jene Emotionalität, die das Image von Ferrari, Lamborghini, Alfa Romeo und Lancia begründet hat. Mit dem Erscheinen des Alfa 156 besannen sich die Italiener Ende der neunziger Jahre wieder auf ihre Kardinaltugenden: Design und Motorenbau. Der Fiat-Konzern verfügt über eine mutige Designabteilung und Vorstände, die nichts gegen innovative Formen haben. Alfa GT, Lancia Y und Thesis, Fiat Multipla - alles Fahrzeuge mit herausragendem, wenn auch nicht unumstrittenem Design.

          Dennoch muß festgehalten werden, daß sich der große Erfolg dieser Marken nicht mehr einstellen will. Lancia kämpft um sein Leben, bei Alfa Romeo sieht es besser, aber nicht wirklich gut aus. Inwieweit sich das neue und teure Sportcoupé Alfa GT durchsetzen vermag, bleibt zur Zeit noch dahingestellt. Sportlimousinen wie der Alfa 166 und 156 sind zwar facegeliftet, aber dennoch am Ende des Produktlebenszyklus angelangt. Und last, but not least fehlt für diese emotionale Marke ein richtiger Konkurrent zum BMW Z4 und Nissan 350 Z.

          Fiat hat eigentlich in fast allen Segmenten und Nischen ein Fahrzeug am Start. Dennoch fehlt - selbst im Heimatland - der Schwung. Der Konzern kämpft immer noch mit dem Image eines Herstellers, der billige, aber auch qualitativ schlechtere Produkte als die Konkurrenz anbietet. Lancia zeigt die Kehrseite der Medaille, die für das innovativste und kreativste Design steht: so kreativ und avangardistisch, daß sich wie im Falle des Thesis kaum jemand dafür zu interessieren scheint.

          Die spanische Marke Seat gehört seit geraumer Zeit zum Volkswagen-Konzern, und damit greifen jene Plattformstrategien, über die Konzernlenker Ferdinand Piëch einst so ins Schwärmen geriet. Das sportive Pendant zu Alfa Romeo will Seat sein. Insbesondere das aktuelle "Gesicht" der Marke zeugt von diesen Ambitionen, ist es doch nicht so brav gehalten wie das der Konzerngeschwister Skoda und VW. Ein weiterer Vorzug ist, die preiswerte Alternative zu Volkswagen-Produkten zu sein, ohne auf VW-Technik zu verzichten. Eine Unzahl von Komponenten ist baugleich und gibt somit der früheren Exotenmarke eine solide Basis.

          Zur Zeit rollen mehr als 45 Millionen Personenwagen auf Deutschlands Straßen, davon stammen mehr als 2,1 Millionen aus italienischer und spanischer Produktion. Hier können die Italiener noch aus früheren besseren Zeiten mehr als 1,4 Millionen Einheiten für sich verbuchen, und die Spanier haben einen Anteil von rund 731 000 Exemplaren. Die Nummer eins aus diesen Herstellerländern ist der Fiat Punto mit einer Bestandszahl von rund 426 000 Fahrzeugen. Rang zwei beansprucht die Seat/Ibiza-Baureihe (338 496 Einheiten) für sich, gefolgt von Seat Toledo und León mit rund 185 000 Exemplaren. Bei den Neuzulassungen sieht die Reihenfolge ähnlich aus. Im vergangenen Jahr wurden insgesamt fast 90 000 Personenwagen mit italienischer Herkunft und rund 60 500 Exemplare aus Spanien in Deutschland neu auf den Markt gebracht (siehe auch Tabelle). Fairerweise muß man noch sagen, daß Seat nicht nur in Spanien gebaut werden, sondern auch in Belgien und Portugal - der Fiat Panda kommt aus Polen.

          Schaut man auf die Marktentwicklung der vergangenen Jahre für beide Konzerne und fragt nach der künftigen Wertstabilität der einzelnen Modelle, zeigt sich - prozentual gesehen - der brandeue Seat Altea mit der 102-PS-Motorisierung in Topform. Nach drei Jahren soll er lediglich 34 Prozent seines ehemaligen Neupreises verlieren. Platz zwei mit einer Wertverlust-Prognose von 36 Prozent belegt der Seat Ibiza, gefolgt vom Seat León mit einem Wertverlust von 37,5 Prozent. Verändert man jedoch die Betrachtungsweise und zieht den tatsächlichen monetären Verlust in Betracht, ist der Fiat Panda 1.1 mit einem Neupreis von 8850 Euro und einem Verlust nach drei Jahren von 3500 Euro (39,5 Prozent) der Beste. Der prozentuale Sieger Seat Altea verliert nach drei Jahren mehr als 5700 Euro, bedingt durch den hohen Neupreis von 16 890 Euro.

          Sowohl die italienischen Marken als auch Seat sind und bleiben Alternativen für den deutschen Käufer, besonders die Italiener müssen aber weiter an ihrem Image arbeiten, und die Qualität der Fahrzeuge muß stimmen. Aber daß man mit schludrig zusammengebauten Autos heutzutage nicht mehr die Spur einer Chance auf einem hartumkämpften Markt hat, sollte sich auch bis Turin herumgesprochen haben.

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