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Marktbetrachtung: Obere Mittelklasse : Am großen E müssen sich alle messen

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Immer schön in Schwung bleiben: Die Mercedes-Benz E-Klasse ist dominiert das Segment Bild:

Im vergangenen Jahr wurden in Deutschland mehr als eine Viertelmillion Fahrzeuge der oberen Mittelklasse neu zugelassen. In dieses Segment gehören Modelle wie der Audi A6, die BMW 5er-Reihe, die Mercedes-Benz E-Klasse, aber auch Importautos.

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          Im vergangenen Jahr wurden in Deutschland mehr als eine Viertelmillion Fahrzeuge der oberen Mittelklasse neu zugelassen. In dieses Segment gehören Modelle wie der Audi A6, die BMW 5er-Reihe, die Mercedes-Benz E-Klasse, aber auch Importautos wie der Jaguar S-Type oder der Saab 9-5. Insgesamt rollen hierzulande rund 3,2 Millionen Fahrzeuge dieses Segments auf den Straßen. Der Klassiker und Marktführer im Segment ist eben die E-Klasse mit einem Bestand von mehr als 974 000 Exemplaren. Aber auch von der Münchner 5er-Reihe sind noch rund 691 000 Fahrzeuge und vom Audi A6 mehr als 568 000 Autos auf Deutschlands Straßen unterwegs. Auch in Sachen Neuzulassungen hatte die Marke mit dem Stern in den vergangenen Jahren stets die Nase vorn (siehe Tabelle). 2003 wurden hierzulande gut 104 000 neue E-Klassen verkauft. Von der BMW 5er-Reihe wurden nur knapp die Hälfte - 53 447 Einheiten - abgesetzt, und Audi brachte nicht ganz 45 000 Wagen in die Statistik.

          Die obere Mittelklasse war und ist hart umkämpft. Mercedes-Benz liegt vorn, und BMW und Audi buhlen um den zweiten Platz. Selbst beide zusammen kamen im vergangenen Jahr nicht an die Verkaufszahlen des Mercedes heran. Obwohl beide deutlich aufgeholt haben, scheint das große E unantastbar. So sieht es auch in diesem Jahr wieder aus: "Die E-Klasse liegt in den Zulassungen deutlich vor dem 5er-BMW, der im kommenden Jahr richtig beweisen muß, wie gut er beim Publikum ankommt, nachdem alle BMW-Enthusiasten ihren alten Wagen umgetauscht haben", kommentiert Dieter Fess, Geschäftsführer des Marktforschungsunternehmens "Bähr & Fess Forecasts", die aktuelle Lage.

          Manchmal hat es den Anschein, das Segment bestehe nur aus deutschen Autos, deren Vorherrschaft stark mit der Beliebtheit als Dienst- und Geschäftswagen in der höheren deutschen Arbeitswelt zu tun hat. Doch es gibt auch andere. Das sind Volvo, Saab, Jaguar, Peugeot, Renault, Lexus. Jede Marke, die auf sich hält, ist in der oberen Mittelklasse aktiv, es gibt mehr Geld pro Fahrzeug zu verdienen, und es geht um Prestige und Image. Dieses schlägt sich wiederum unmittelbar auf den Wert des einstmals neuen Fahrzeuges nieder. Hier halten die deutschen in ihrem Heimatmarkt eine Spitzenposition, aber die anderen holen auf.

          Insbesondere der Volvo V70 (Kombi) glänzt durch sehr gute Restwerte, die von der Limousine, dem S70, nicht annähernd erreicht werden. Volvo ist aus seinem Dornröschenschlaf spätestens seit der Vorstellung des S60 aufgewacht und stellt sich zur Zeit in beinahe allen Segmenten auf. Dagegen sind und bleiben der Saab 9-5 sowie der Alfa 166 Individualistenautos, ja Individualistenmarken. Wobei Alfa Romeo in Deutschland vor allem in den unteren Fahrzeugklassen durchaus auf gewisse Stückzahlen kommt. Daß Alfa Romeo wirklich schöne Autos baut, ist unbestritten, aber in der Zulassungsstatistik schlägt sich dies beim 166 nicht nieder. Saab könnte aus seinem Image wesentlich mehr herausholen, macht allerdings den Eindruck, als ob man sich nicht so recht traut und statt dessen eher leichte Modelländerungen ins Auge faßt, als einen mutigen, neuen Entwurf zu wagen. Der 9-5 ist nun schon seit fast sieben Jahren auf dem Markt. Es bleibt abzuwarten, wie sich das Verhältnis Saab-Opel unter dem Dach der großen Mutter General Motors entwickelt. Als Opel-Anhängsel haben die Schweden sicher keine großen Überlebenschancen, Eigenständigkeit ist gefragt.

          Wie man eine Tochter erfolgreich an der langen Leine führen kann, zeigt Ford mit Jaguar. Unlängst hat man den X-Type Estate vorgestellt, einen Kombi. Vor nicht allzu langer Zeit hätte das im Hause Jaguar sicher noch als Sakrileg gegolten. Der anfänglich kritisch betrachtete S-Type, der seit kurzem auch mit Dieselmotor angeboten wird, ist im Markt schon lange angekommen, zumindest verkauft er sich auf ähnlichem Niveau wie der Renault Vel Satis und der Peugeot 607. Die französischen Marken tun sich in dieser Klasse in Deutschland sehr schwer, auf Stückzahlen kommen Peugeot, Renault (und Citroën) in ihrem Heimatland. Dort gilt in der Geschäftswelt das, was hier für Audi, Benz und BMW gilt, auch wenn das französische Trio zu Hause nicht so stark ist wie das deutsche hierzulande.

          Schaut man heute vom deutschen Markt in die Zukunft und fragt nach den Restwerten, erwartet "Bähr & Fess" Mercedes-Benz nach wie vor ganz vorne. Die E-Klasse weist einen prognostizierten Wertverlust von 38,5 Prozent nach drei Jahren auf (bei einer Laufleistung von 20 000 Kilometer im Jahr). Der Mercedes ist auch nach fünf Jahren mehr wert als andere (siehe Tabelle). Da Leasing von Gebrauchtwagen als Geschäftsfahrzeug immer noch in den Kinderschuhen steckt, schlägt jetzt die Stunde der Privatkäufer. Weil eben die deutschen Marken so gefragt sind, bleiben die Preise relativ weit oben. Wer es individueller mag, kauft günstiger ein. Anglophile schauen vor allem auf den S-Type von Jaguar: formschön, elegant, solide und technisch auf neuestem Stand. Er überrascht mit kontinuierlichen, auf gutem Niveau befindlichen Restwerten. Nach fünf Jahren hat er einen Wertverlust von 56 Prozent. Da ist er gleichauf mit dem Saab, der Volvo ist schlechter (58). Und Alfa-Fans sollten dann zuschlagen: den 166 von heute (3.2 V6) gibt es dann für 15 160 Euro statt 37 900. Zum Vergleich: Ein E 320 (neu 45 066) kostet dann rund 21 630 Euro.

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