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Markentausch : Bald kommen Chevrolets aus Südkorea

  • -Aktualisiert am

Flaggenwechsel: Das Daewoo-Logo verschwindet und wird im kommenden Jahr durch das Chevrolet-Emblem ersetzt Bild:

Es ist noch nicht amtlich, aber längst beschlossene Sache: Ab 2005 erhalten sämtliche in Europa verkauften Modelle der koreanischen Automarke Daewoo ein anderes Markenlogo.

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          Es ist noch nicht amtlich, aber längst beschlossene Sache: Ab 2005 erhalten sämtliche in Europa verkauften Modelle der koreanischen Automarke Daewoo ein anderes Markenlogo. Wirklich verschwinden werden die Autos aber nicht aus unserem Straßenbild: Ohne technische Änderungen werden sie nämlich unter der Flagge des amerikanischen Automobilherstellers Chevrolet angeboten. Die neue Strategie soll von der Europazentrale von General Motors (GM) auf dem Pariser Automobilsalon Ende September offiziell verkündet werden. Der amerikanische Konzern ist seit knapp zwei Jahren Daewoo-Mehrheitseigner.

          Hintergrund für diese Entscheidung ist die Harmonisierung der europäischen Märkte: In elf Ländern, wie Estland, Kroatien, Lettland, Polen, Rumänien oder der Türkei, tragen Daewoo-Modelle bereits das Chevrolet-Zeichen, weil sich amerikanische Autos dort angeblich besser absetzen lassen als koreanische Wagen. In sechzehn anderen Ländern, wie beispielsweise Deutschland, Slowakei, Tschechien oder Ungarn, laufen die koreanischen Discount-Fahrzeuge dagegen unter eigenem Namen. Die einheitliche Vermarktung soll nun die chronisch leeren Kassen des Mutterkonzerns General Motors schonen: Aktuell sucht der größte Automobilhersteller der Welt keine neuen Nischen, sondern vor allem Einsparpotential. Man müsse die Kosten innerhalb der Organisation weiter verringern, betont GM Europa-Chef Fritz Henderson. Dabei muß es freilich nicht bleiben: Langfristig sind gemeinsam entwickelte Modelle oder technisch identische Komponenten denkbar.

          Die Daewoo Motor Company besteht seit 1978. Das Unternehmen ging aus der im Jahre 1965 gegründeten Shinjin Motor Company hervor - dem ersten koreanischen Automobilproduzenten. Bereits sechs Jahre früher, 1972, hatte General Motors mit Shinjin ein Joint-venture gebildet. Doch von 1992 an fuhren die Koreaner wieder allein - bis zum Konkurs im Jahre 2000. Nach turbulenten Verhandlungen, unter anderem mit Ford, übernahm GM im Oktober 2002 genau 44,6 Prozent der neu gegründeten "GM Daewoo Auto and Technology Company" (GMDAT). Das Unternehmen "GM Daewoo Europe", das ihren Sitz in Zürich hat, ist wiederum eine hundertprozentige Tochter von GMDAT.

          Die Umstellung von Daewoo auf Chevrolet beginnt mit der Markteinführung des Chevrolet Niva: Dieser von Lada in Togliatti (Rußland) gebaute Geländewagen soll im Frühjahr 2005 und mit Opel-Motoren bei den europäischen Daewoo-Filialen stehen. In einer Übergangsphase werden die bereits vorhandenen Daewoo-Baureihen "umgebadged", wie das Tauschen von Markenlogos in Fachkreisen genannt wird. Anschließend dürfte es aber mindestens ein Jahr dauern, bis alle alten Daewoo-Bestände abgewickelt sind. Parallel erfolgt die Umbenennung der Händler und Landesvertretungen. Die neue Europa-Bezeichnung steht noch nicht fest, dürfte aber schlicht Chevrolet Europe lauten.

          Nun sind national unterschiedliche Namen und Markenbezeichnungen für ein und das gleiche Modell in der Autoindustrie nichts Ungewöhnliches, sondern gängige Praxis. Im Fall Daewoo nehmen sich die GM-Chefstrategen offensichtlich Nordamerika zum Vorbild. In Kanada ergänzen Daewoo-Baureihen bereits das Händlerangebot - natürlich mit Chevy-Emblem. Ob die für Europa getroffene Entscheidung zugunsten von Chevrolet richtig ist, wird von Experten jedoch bezweifelt: "Chevrolet hat in Deutschland ein sehr schlechtes Image", sagt Professor Ferdinand Dudenhöffer vom Center of Automotive Research in Gelsenkirchen und verweist auf die Verkaufszahlen der letzten fünf Jahre.

          Tatsächlich hatten die Amerikaner bei der Chevy-Vermarktung kein gutes Händchen: Nach der defizitären Kooperation mit einem Importeur sollte die hauseigene, 1988 ins Leben gerufene Abteilung "General Motors Europe North American Vehicles" den amerikanischen Modellen zu mehr Popularität verhelfen - ohne nennenswerten Erfolg. Seit Oktober 2003 kümmert sich nun der holländische Importeur Kroymans neben Cadillac auch um den Europaverkauf der Chevrolet-Modelle Corvette, TransSport, TrailBlazer und Tahoe. Doch bis auf die neue Corvette laufen alle bis 2006 ersatzlos aus - und damit auch der Kroymans-Vertragsanspruch auf den Chevrolet-Vertrieb. Statt dessen dürften bald neue echte Chevrolets den "falschen" zur Seite gestellt werden. Markenliebhabern und Besitzern, die künftig zu zwei verschiedenen Werkstätten gehen müssen, wird diese Tatsache allerdings schwer zu vermitteln sein. Erhard Spranger, Chef von GM Daewoo Europe, hält sich bedeckt: "Zur Marktpolitik von GM Nordamerika kann ich mich nicht äußern."

          Der Europa-Auftritt von Daewoo war konsequenter. 1995 wurde der Billiganbieter hier mit hohem finanziellen Aufwand eingeführt; allein die deutsche Kampagne ("Daewoo und Du") wird auf 50 Millionen Euro geschätzt. Das wirkte: Der Bekanntheitsgrad liegt bei 70 Prozent. Nach dem Konkurs vor vier Jahren stieg auch der Absatz wieder an - 2003 um 157 Prozent auf 12800 Einheiten und 0,4 Prozent Marktanteil. 2003 gelang Daewoo in Europa ein Importplus von über 20 Prozent. Mittelfristig will man 200000 Autos verkaufen. Dabei wird das Markenemblem - es symbolisiert die sieben Weltmeere und die Kontinente - ad absurdum geführt: Als Automarke wird es Daewoo (die deutsche Übersetzung lautet "allumfassendes Universum") künftig nur noch in Asien geben.

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