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Mailänder Motorradmesse : Italien und die Lust am Unkonventionellen

Schnell geschaltet: Automatikmotorrad Aprilia 850 Mana Bild: Hersteller

Vor allem der Piaggio-Konzern trumpft auf der Mailänder Motorradmesse mit neuen Ideen auf. Dabei reicht die Spanne vom Automatik-Motorrad von Aprilia hin zu zwillingsbereiften Dreirädern von Piaggio. Aber auch Yamaha und Ducati zeigen kompromißlose Neuheiten.

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          Die Karawane zog weiter: nach Mailand, wo sich wenige Wochen nach der Intermot in Köln die Motorrad- und Rollerbranche aufs neue versammelte, um ihre Modelle des Jahrgangs 2007 zu zeigen. Der Grund für den abermaligen Aufmarsch: Die italienischen Messemacher haben auf einen jährlichen Turnus umgestellt, zum Verdruß der deutschen Konkurrenz. Nachdem die meisten Hersteller ihre Neuigkeiten schon auf der Intermot vorgeführt hatten, schlug vergangene Woche nun die Stunde des Piaggio-Konzerns mit seinen Marken Aprilia, Moto Guzzi, Gilera und Vespa. Die hatten Köln die kalte Schulter gezeigt.

          Walter Wille
          Redaktion „Technik und Motor“

          In Mailand trumpften sie auf. Italien steht zur Zeit für Ideen und den Mut, Unkonventionelles zu verwirklichen. Beispiel Aprilia: Mit der NA 850 Mana (55 kW/75 PS) präsentieren die Mannen aus Noale ein V2-Motorrad mit Automatikgetriebe in drei Einstellungen (Touring, Sport, Regen). Wahlweise kann der Fahrer mit einer manuellen Siebenstufen-Schaltung die Gänge wechseln, und zwar ohne zu kuppeln entweder über Knopfdruck am Lenker oder mit Fußpedal. Wie ein Roller hat die Mana Stauraum (allerdings unter der Tankattrappe, angeblich sogar für einen Integralhelm, der Tank befindet sich unter dem Sitz), sie sieht gleichwohl aus wie ein echtes, bulliges Allroundmotorrad. Mit der 750 Shiver stellte Aprilia ein leichtes, agiles Naked Bike vor, in dem ein neuentwickelter V2 mit 90 Grad Zylinderwinkel eingesetzt wird; er leistet 70 kW (95 PS). Für ein kommendes Superbike haben die Italiener einen V-Vierzylindermotor entwickelt, der zu einer geradezu aberwitzig anmutenden Spitzenleistung von mehr als 155 kW (210 PS) fähig sein soll.

          Roller mit Zwillingsrädern

          Gilera kreiert eine neue Gattung Roller, den „Megascooter“, der Suzukis Burgman 650 als Dickmann Nummer eins ablösen soll. Der mächtige GP 800 ist der erste Roller überhaupt mit V2-Motor (55 kW/75 PS, 76 Nm), überdies mit großen Rädern (16 und 15 Zoll), dicken Reifen, hohem Durchstieg, einer Stromlinienkarosse, die von vorn kaum von der eines Tourenmotorrads zu unterscheiden ist. Weiter war die Verschmelzung von Motorrad und Roller nie fortgeschritten. Das Ziel lautet: die Dynamik des einen mit dem Nutzwert des anderen vereinen.

          Es kommt noch doller: Dreiradroller Fuoco 500 von Gilera
          Es kommt noch doller: Dreiradroller Fuoco 500 von Gilera : Bild: Hersteller

          Piaggio verfolgt das Konzept des dreirädrigen Rollers MP3 mit Zwillingsrädern vorn konsequent weiter. Wir haben darüber schon berichtet, zur Zeit bewegen wir solch ein Fahrzeug, das vor allem ein Plus an Fahrsicherheit mitbringen soll, im Testbetrieb und werden das in Kürze ausführlich im Motorteil der Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung beschreiben. Die Hubraum-Varianten 125 Kubik (11 kW/15 PS) und 250 Kubik (17 kW/23 PS) kommen gerade auf den Markt, ein 400er (25 kW/34 PS) wird nicht mehr lange auf sich warten lassen. Konzerntochter Gilera darf sogar eine 500er-Abenteuerversion des Dreirads herausbringen, mit einem grimmigen Gesicht, verkleinerter Verkleidung und martialischem Stahlrohr-Stoßfänger. Fuoco 500 ie. heißt das schräge Ding, das von einem 28 kW (40 PS) starken Einzylinder-Viertakter auf mehr als 150 km/h beschleunigt werden soll.

          „Leistungsstärkstes Serien-Zweizylindermotorrad“

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