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Motorradmesse Eicma : Die volle Ladung

  • -Aktualisiert am

Königlich: Kawasaki ruft mit der dritten Variante seiner W 800 die sechziger Jahre in Erinnerung. Mit einzigartigem Königswellenmotor. Bild: Böhringer

Auf der Mailänder Eicma wimmelt es plötzlich von Elektrofahrzeugen aller Art. Umlagert aber sind die starken Motorräder. Jetzt mit 200 PS und mehr.

          5 Min.

          Mailands Internationale Fahrrad- und Motorradmesse, kurz Eicma genannt, ist ein Faszinosum: Schon an den ersten beiden Tagen, die offiziell Fachbesuchern und Presse vorbehalten sind, brodelt es vor Begeisterung in den acht riesigen Hallen. Über 700 000 Besucher sollen im vergangenen Jahr die Drehkreuze der Fiera Milano passiert haben, mehr als dreimal so viele, wie üblicherweise auf der Kölner Intermot gezählt werden. Und anscheinend kennt in Italien jeder jemanden, der jemanden kennt, der schon für die Fachbesuchertage Tickets besorgen kann.

          Walter Wille

          Redaktion „Technik und Motor“

          Nicht nur die Tradition des fröhlichen Gewühls mit Kind und Kegel bleibt auf der 77. Eicma, die an diesem Sonntag zu Ende geht, gewahrt. Eine weitere Mailänder Konstante: das Garnieren der ausgestellten Fahrzeuge mit Models im sexy Dress. Schon deswegen hat sich für viele der herumstreunenden Männergruppen die Erfindung des Fotohandys gelohnt. Die Models übrigens werden immer jünger, wenn der Eindruck nicht täuscht. Oder liegt es daran, dass unsereins in der Rolle des langgedienten Berichterstatters doch allmählich älter wird?

          Altgediente reiben sich dieses Jahr die Augen nicht zuletzt deshalb, weil die 77. Eicma drastisch den sich anbahnenden Wandel in der Mobilität veranschaulicht. Elektrofahrzeuge überall. Elektroroller, Elektromotorräder, E-Bikes noch und nöcher. Dutzende Hersteller sind zur Stelle – einige, deren Namen einem inzwischen geläufig sind, ganz viele, von denen in hiesigen Gefilden bisher niemand etwas gehört hat. Es herrscht offensichtlich Goldgräberstimmung, besonders, aber nicht nur in Fernost. Bloß die etablierten Motorradhersteller geben sich, mit Ausnahme von Harley-Davidson, weiterhin reserviert.

          Showtime: Gedränge rund um die Ducati Streetfighter V4S, vom Publikum zur schönsten Messeneuheit des Jahres gewählt. Diese Abstimmung pflegt in Italien stets ein italienisches Motorrad zu gewinnen. Bilderstrecke

          Die elektrische Welle spült zum Teil lächerlichen Murks herüber, aber auch Wegweisendes. Längst gibt es nicht mehr nur Billigchinesen und Kopierchinesen. Am Stand von Niu beispielsweise, dem an der Nasdaq gelisteten Unternehmen aus Peking, sah man Ducati-Boss Domenicali, wie er in Begleitung der Niu-Führungsmannschaft die handlichen Elektroscooter der Chinesen sorgfältigst begutachtete. Wenn Niu-Vorstandschef Yan Li lässig sein Smartphone zückt, kann er sich per App in Echtzeit anzeigen lassen, wie die Anzahl der zurückgelegten Kilometer der ungefähr 820 000 verkauften Nius wächst – gut 3,9 Milliarden momentan. 76 Prozent des Umsatzes macht Niu derzeit in der Heimat, 320 000 Einheiten wurden Yan Li zufolge voriges Jahr in China verkauft, knapp 20 000 waren es in Europa, mit Deutschland als größtem Abnehmer.

          „Der Markt wächst schnell“, sagt Yan Li, der auf der Eicma wieder einige Roller-Neuheiten vorstellte und die Erweiterung des Programms um Elektrofahrräder verkündete. E-Bikes stehen an jeder zweiten Ecke. Man sieht plötzlich Fahrräder mit Markennamen wie Benelli, Ducati, Husqvarna, Harley-Davidson, Kawasaki, die sich die Motorradhersteller offenbar irgendwo fertigen lassen, um rasch dabei sein zu können.

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