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Motorradmesse Eicma : Die volle Ladung

  • -Aktualisiert am

Hondas Supersportler Fireblade kommt mit der Ansage von 217 PS und setzt sich damit an die Spitze des Wahnsinns. Alles neu, Elektronikpaket und Moto-GP-Aerodynamik mitsamt Flügelchen inklusive. Die Japaner waren es wohl leid, sich wegen ihrer vernunftgesteuerten Zurückhaltung im Markt der Rennmaschinen mit Straßenzulassung jahrelang von anderen auf der Nase herumtanzen zu lassen. Schluss mit lustig, signalisiert die vollgetankt nur 201 Kilo wiegende Fireblade.

Tiefgreifender Umbruch in Gang gesetzt

Die Elektronisierung schreitet unaufhaltsam voran, auch in günstigeren Fahrzeugklassen. Der kompakte Straßensportler Aprilia RS 660 mit 100-PS-Zweizylinder-Reihenmotor beispielsweise wird mit einer breiten Palette von Assistenzsystemen ausgestattet. Basis ist stets, nicht nur bei Aprilia, eine miniaturisierte Sechs-Achsen-Sensoreinheit, der kein Zucken am Gasgriff, kein Grad Schräglage, keine Berührung des Bremshebels entgeht. IMU, Inertial Measurement Unit, heißt die Zauberbox, die es inzwischen selbst in die amerikanischen Schwermetall-Tourer aus Milwaukee geschafft hat.

Dort geht es gerade übrigens besonders spannend zu. Wem bisher entgangen war, welch tiefgreifenden Umbruch Harley-Davidson in Gang gesetzt hat und welche Risiken das Unternehmen auf der Suche nach Wachstumschancen und neuer Kundschaft eingeht, dem wird das auf der Eicma klar. Die Amerikaner zeigen die Prototypen der Bronx und der Pan America, die eine ein Streetfighter, die andere eine Reiseenduro. Mit den Serienmaschinen wollen sie schon Ende 2020 in stark umkämpften Segmenten als Neuling ohne Erfahrung ihr Glück versuchen. Dass das gelingt, gilt nicht jedem als sicher.

BMW gelingt zurzeit einiges, aber nicht alles. Dieses Jahr hat man den voluminösen Messestand zum Amphitheater umgestaltet und zeigt fast nichts außer den Neuheiten. Bestehende Modelle können nicht besichtigt werden. Eine rätselhafte Strategie, ein riskantes Unterfangen, denn um die wenigen ausgestellten Motorräder herrscht ein ärgerliches Gedränge, man kommt kaum hin. Dabei sind der neue Roadster F 900 R und die beiden neuen Sport-Adventure-Schwestern F 900 XR (ebenfalls mit 900-Kubik-Reihentwin, 105 PS) und S 1000 XR (Reihenvierzylinder, 1000 Kubik, 165 PS) das Probesitzen allemal wert. Prominent dargeboten wird die futuristische Concept DC Roadster, wohl ein Hinweis auf die – Achtung! – bevorstehende Premiere eines BMW-Elektromotorrads.

Noch ist Harley-Davidsons Livewire, die in diesen Wochen nach Deutschland kommt, das einzige Modell eines altbekannten Herstellers, das schon ein E-Kennzeichen tragen darf. Aber BMW, dafür gibt es jetzt konkrete Hinweise, dürfte bald folgen. „Bei 200 Kilometer Reichweite wird es interessant“, sagt der neue BMW-Entwicklungschef Christof Lischka. Interessant wird auch sein, ob sich die tapferen Elektro-Pioniere Energica und Zero behaupten können, wenn die Großen tatsächlich aufkreuzen. Energica aus Modena berichtet von erheblichen Fortschritten in der Akkutechnik. Dank der Erfahrungen in der Moto-E-Weltmeisterschaft sei es gelungen, die Batterie-Kapazität bei identischer Baugröße von bisher 13,5 auf 21,5 kWh zu steigern, zugleich das Gewicht der Motorräder zu senken und das Fahrverhalten zu verbessern. Und beim kalifornischen Unternehmen Zero erzählt man, das Geschäft komme in Schwung, seitdem die 82 kW starke Zero SR/F im Programm sei. Die Nachfrage übertreffe die Erwartungen, die Produktionskapazitäten müssten gesteigert werden. Der Grund: Die SR/F sieht aus wie ein richtiges Motorrad und nicht mehr so vegan wie bisherige Zeros. Nur einen Auspuff zum Hineinkriechen hat sie nicht.

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