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Mächtige SUV : Vom Schreck und Charme des großen Wagens

BMW X7 Bild: Hersteller

Q7, X7, GLS. Hinter diesen Kürzeln stecken die mächtigsten SUV, die Audi, BMW und Mercedes-Benz zu bieten haben. Sie haben für die Welt zwischen L.A. und N.Y. gerade die richtige Größe. Nicht zu vergessen, auch die Chinesen lieben den großen Wagen.

          6 Min.

          Body Positivity ist eines der neuen Schlagworte unserer Zeit. Gemeint ist, dass man, meistens frau, sich nicht seines Körpers schämen, sondern ihn akzeptieren soll, so wie er ist. Das führt uns mit etwas gedanklichen Dehnungsübungen zu dicken Geländewagen. Sie werden mit Kritik überschüttet, als Stadtpanzer gebrandmarkt, mit dem Schmähpreis „Goldener Geier“ geschmückt. Aber gekauft. Von denen, die still genießen, statt laut zu krakeelen. Die mit den Füßen abstimmen. Was soll auch schlecht sein an üppigen Platzverhältnissen für bis zu sieben Passagiere und Gepäck, souveräner Motorleistung, Sicherheitsreserven durch den Allradantrieb, guter Übersicht und einem wunderbaren Burg-Gefühl? Mehr als fünf Meter Auto werden dafür aufgeboten, 2,5 Tonnen schwer, das ist natürlich kein Massenprodukt. Aber in der Nische und als attraktives Substitut der aus der Mode gekommenen Minivans finden die Riesen ihre Daseinsberechtigung. Ganz abgesehen davon, dass der Kauf dem Staat und damit allen Bürgern ordentlich Steuern in die Kasse spült. Schämen? Früher war auch öffentlich stolz, wer sich ein Auto von Format leisten konnte.

          Holger  Appel

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.

          Boris Schmidt

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Im Ausland, vor allem in Nordamerika, schaut man ohnehin mit Unverständnis auf solche urdeutsche Diskussionen. Unser Trio Q7, X7 und GLS hat für die Welt zwischen L.A. und N.Y. gerade die richtige Größe. Nicht zu vergessen, auch die Chinesen lieben den großen Wagen. In diesen Ländern wird auch der größte Teil abgesetzt.

          Der Audi Q7 misst 5,07 Meter in der Länge und wiegt mit 4-Liter-V8-Dieselmotor 2,4 Tonnen. So befeuert, wird er zum SQ7 TDI und ist dank 435 PS erstaunlich fix. In weniger als fünf Sekunden kann von 0 auf 100 km/h beschleunigt werden, die Höchstgeschwindigkeit beträgt 250 km/h. Kein Wunder, bei einem maximalen Drehmoment von bärigen 900 Newtonmeter, das schon knapp oberhalb des Leerlaufs bei 1250 Umdrehungen in der Minute anliegt.

          Sind solche Riesen eigentlich teuer? Alles ist relativ. Schon mit 66.900 Euro beginnt die Q7-Welt für den 45 TDI Quattro, dann aber mit einem Liter Hubraum, zwei Zylindern und 204 PS weniger. 94.900 Euro beträgt der Grundpreis für den SQ7 TDI Quattro, und der Wagen, der in der Redaktion zu Gast war, hatte ziemlich viele Extras an Bord. Heftige 139 750 Euro standen letztlich unter dem Strich. Man muss nicht alles haben, aber wer es sportlich mag, sollte im Audi-Zentrum unbedingt am Punkt „Fahrwerkspaket advanced“ ein Kreuzchen machen. Danach fliegt der mächtige Audi mit Wankstabilisierung und mitlenkender Hinterachse geradezu um die Kurven. 5950 Euro kostet das zusätzlich. Es lohnt sich, denn damit ist der SQ7 TDI trotz seines hohen Gewichts erstaunlich leichtfüßig.

          Mercedes-Benz GLS Bilderstrecke
          Mächtigte SUV : Vom Schreck und Charme des großen Wagens

          Audi hat im Herbst 2019 den Q7 überarbeitet, den Innenraum durchweht eine neue Moderne, die nicht jedermanns Sache ist. Gleich drei Bildschirme informieren den Fahrer, die Front ähnelt mehr dem Q8, eine dicke Chromspange an der Heckklappe unterscheidet den neuen Q7 vom alten. Übrigens: Der Q8 ist eine Art Q7-Coupé, er ist nicht größer, sondern sieben Zentimeter kürzer, und es gibt für ihn keine dritte Sitzreihe. Am vorzüglichen Platzangebot im SQ7 hat sich natürlich nichts geändert, und 805 Liter passen rechnerisch hinter die elektrisch bewegte Heckklappe. Wer die Rückbanklehnen umlegt, verfügt über ein Ladevolumen von knapp 2000 Liter. Beachtlich. Und jetzt die schlechte Nachricht: Leider verschwindet der formidable V8-Motor, der trotz der bewegten Masse mit im Durchschnitt 10,6 Liter Diesel auf 100 Kilometer zufrieden war und auch schon im Bentley Bentayga und im Audi A8 zum Einsatz kam, zum Jahreswechsel aus dem Programm. Er schafft dann die abermals verschärften Abgasgrenzwerte nicht mehr. Ganz knapp zwar, aber der Aufwand lohnt offenbar nicht mehr.

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