https://www.faz.net/-gy9-9ac2v

Unterwegs mit dem Luftschiff : Zeppelin auf Ecstasy

  • -Aktualisiert am

Der Zeppelin NT mit einer Hülle aus Aluminium und Kohlenstofffaser. Bild: dpa

Von wegen langsam und behäbig: Im Extremflug zeigt sich das Luftschiff wendig wie nie. Der Pilot hat dabei alle Hände voll zu tun.

          4 Min.

          Er gilt in der Aviatik als gemütlichstes Fortbewegungsmittel nach dem Heißluftballon. Der Zeppelin vom Bodensee steht für vieles, aber nicht gerade für unglaubliche Rasanz, atemberaubende Steigflüge oder Adrenalin ausschüttende Manöver. Das ist die eine Seite. Denn so, wie aus Dr. Jekyll auch ein Mr. Hyde werden kann, sitzen beim Zeppelin und seinen Piloten ebenfalls zwei Seelen in der Brust. Die eine ist sanft, ruhig, vernünftig, die andere lässt auch mal die Sau raus.

          Genauer gesagt an vier Terminen im Jahr, entweder im April oder Oktober, dürfen es die Piloten so richtig krachen lassen. Dann finden Extrem-Sonderflüge für abenteuerlustige Passagiere statt. Das Ganze geschieht natürlich innerhalb der zugelassenen Betriebsparameter des Luftschiffs – nur kommt man bei einem normalen Passagierflug eben nicht einmal ansatzweise in die Nähe dieser Grenzen.

          Dass der Zeppelin von anderen Fliegern manchmal ein bisschen belächelt wird ob seiner Trägheit, war seinen Piloten vielleicht auch etwas ein Dorn im Auge. Denn dass ihre fliegende Zigarre weit mehr kann, als im täglichen Rundflugbetrieb gefordert ist, wissen sie natürlich. Womöglich entstand deshalb die Idee, auf wenigen Sonderflügen im Jahr für Interessierte einmal zu zeigen, was wirklich im Zeppelin NT steckt, schließlich steht das NT für Neue Technologie. Dass er erstaunlich wendig ist, wissen Profis längst. Denn mit Hilfe seiner modernen Steuerung kann er rascher als gedacht Richtungsänderungen ausführen.

          Blick ins Cockpit des Zeppelin, besetzt mit zwei Berufspiloten.

          Um die Passagiere, die anders als bei normalen Rundflügen die ganze Zeit über angeschnallt sein müssen, auf das vorzubereiten, was an Manövern kommt, ist beim Extremflug ein zweiter Pilot mit an Bord. Er oder die Flugbegleiterin informieren jeweils, was als Nächstes passieren wird, damit sich die Gäste mental darauf einstellen können. Nach dem Abheben vom Boden geht es übers Wasser des Bodensees. Nun wird es rasant, denn jetzt beginnt ein extremer Steigflug. In steilem 30-Grad-Winkel rauscht der Zeppelin auf fast 1500 Meter Höhe. Das ist immerhin gut fünfmal so hoch wie die normale Reiseflughöhe des Zeppelin NT.

          Nach kurzem Horizontalflug geht es genauso steil wieder abwärts. Die üppige Stirnfläche des Luftschiffs bremst und verhindert, dass die Geschwindigkeit wie bei einem Flugzeug im steilen Sinkflug stark zunimmt. Dennoch ist es ungewohnt, dass beim Blick nach vorn durch die Cockpitscheibe nur blaues Wasser zu sehen ist. Die Passagiere sind nun froh, dass sie angeschnallt sind. Wieder auf normaler Reiseflughöhe, folgt eine Pirouette auf der Stelle. Pilot Oliver Jäger legt los, hantiert virtuos mit den Bedienhebeln – und seine Fluggäste sind von diesem Wendemanöver ohne Vorwärtsfahrt beeindruckt. Das hätte dem fliegenden Riesen niemand zugetraut.

          Was ist das Geheimnis hinter dieser unerwarteten Beweglichkeit? Beim Zeppelin NT geschehen Richtungs- oder Lageänderungen mit seiner Schubvektorsteuerung. Mit deren Hilfe erhöhen zwei Propeller am Heck die Manövrierbarkeit. Zwar wird der Zeppelin NT bei seinem normalen Reisetempo von 70 km/h ähnlich wie ein Flugzeug durch Seiten- und Höhenruder im Heck gesteuert. Diese lassen aber bei Geschwindigkeiten unter 45 Kilometer je Stunde deutlich in ihrer Wirkung nach. Durch Schwenken eines Heckpropellers nach unten kann die Nickbewegung des Luftschiffs verstärkt oder verringert werden, ein zweiter dort angebrachter Propeller wirkt ähnlich wie der Heckrotor eines Helikopters in seitlicher Richtung.

          Weitere Themen

          Künstliche Geräusche für Elektroautos Video-Seite öffnen

          Sounddesigner tüfteln : Künstliche Geräusche für Elektroautos

          Elektroautos klingen nicht nach echtem Auto, erzeugen keine Emotionen, sagen Autonarren. Sie sind zu leise und deshalb gefährlich im Straßenverkehr, sagt die EU. Deshalb müssen neue Modelle nun bei geringem Tempo lauter werden. Mit künstlichem Sound!

          Topmeldungen

          5:0 gegen Schalke : Die Bayern blasen zur Jagd auf Leipzig

          Die Münchner erteilen Schalke eine Lehrstunde und kommen Spitzenreiter Leipzig, der sein Spiel in Frankfurt verliert, nah. Die Bayern indes siegen imposant – auch weil der Torwart der Königsblauen zwei Mal patzt.
          Demonstranten in Leipzig

          Sechs Polizisten verletzt : Wieder Krawall in Leipzig

          Etwa 1300 Menschen demonstrieren in Leipzig gegen das Verbot einer linksextremen Online-Plattform. Zunächst bleibt der Protest friedlich, dann fliegen Steine. Die Polizei kesselt die Demonstranten ein, sechs Beamte werden verletzt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.