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Lufthansa und die Boeing 737 : Bobby geht von Bord

Der frühe Vogel: Im Februar 1968 kam die Boeing 737-100 Kempten in die Familie der Lufthansa. Die Maschinen der ersten Stunden haben noch dünne Triebwerke. Bild: Picture-Alliance

Die Lufthansa harmonisiert ihre Flotte. Zum Opfer fallen der Maßnahme aus der Chefetage die Boeing-Modelle. Europas größte Fluggesellschaft setzt nun auf das Konkurrenzprodukt.

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          Flottenharmonisierung. Welch gefühlskalter Begriff aus der Welt der Vorstandsetagen. Dort ist entschieden worden, dass der Kranich kurze Hüpfer und mittlere Reisen nur noch mit Airbussen zurücklegen soll. Eine Modellfamilie rund um den A320 mit seinen frischen Neo-Triebwerken, sie spart Kosten, die Piloten sind universell einsetzbar und können homogen geschult werden, die Wartung kann sich konzentrieren – die ganze logische Litanei der Betriebswirtschaft eben. Die Stewardess, angesprochen auf ihre Gefühle an Bord der, ihrer 737, ist aber Mensch, sie kriegt kein Wort heraus und verdrückt eine Träne.

          Holger  Appel

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.

          Kurz vor knapp sei man vor eineinhalb Jahren gewesen, an Boeing einen größeren Auftrag zu erteilen für die modernisierte Form der 737, die sie Max nennen, sagt Flottenchef Ulrich Pade. Doch an Max konstruieren die Amerikaner noch immer herum, und die Lufthansa hat sich dann sowieso anders entschieden. Deswegen ist nun das Ende nahe. Am kommenden Samstag, dem 29.Oktober 2016, wird der letzte Linienflug einer Boeing 737 im Dienste der Lufthansa stattfinden. Bobby geht von Bord.

          Zeichen einer vergangenen Zeit: Heute herrscht Rauchverbot. Bilderstrecke

          Seit 48 Jahren steht der robuste Jet, der seinen Passagieren stets den Eindruck vermittelt, unverwüstlich zu sein, in Diensten der Lufthansa. Am 19. Februar 1965 wurde sie Erstkunde und bestellte 22 Maschinen vom Typ 737-100. 148 Flugzeuge dieses Typs und der Nachfolgemodelle nannte die deutsche Fluggesellschaft ihr Eigen. 6 Stück sind jetzt noch übrig. Rund 250 Millionen Menschen sind in all den Jahren in ihnen aufgestiegen, und einmal tastete sich die Crew an technische Grenzen heran: Ihre weiteste Reise führte über 3200 Kilometer von Frankfurt nach Las Palmas. Ein schwerwiegender Unfall hat sich nie ereignet.

          Piloten sind auf Airbus umgeschult

          Pade berichtet von Vogelschlag in Istanbul, als während des Starts Seemöwen einschlugen, die Maschine leicht verbeult aber trotzdem sicher nach München gelangte. Und von Wehmut beim Gedanken an Paris, wo er beim Abheben Richtung Westen die gerade untergegangene Sonne wieder aufgehen lassen kann.

          Nun wird die 737 aus dem Markt gedrängt. Auch die Fluggesellschaft Air Berlin, die mit der knackigen Boeing groß geworden ist, wendet sich immer stärker den Modellen von Airbus zu. Die Lufthansa fliegt ihre letzten Maschinen, die technisch alle auf dem neuesten Stand sind, mit zwei Zwischenstopps nach Florida. Von dort werden sie weiterverkauft und wohl noch zehn oder zwanzig Jahre Dienst verrichten.

          Die meisten Piloten sind umgeschult auf Airbus. Flottenchef Pade wechselt auf die Boeing 747, den Jumbo. Und Bobby, der seinen Spitznamen in den 1960er Jahren nach dem Kinderbuch „Bobby-Boeing earns his wings“ erhielt, wird nur noch eine Träne der Erinnerung sein.

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