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Die „Quax-Flieger“ übernehmen : Lufthansa-Ju52 ist in Paderborn

  • -Aktualisiert am

Am Wochenende traf die Tante Ju nun zerlegt auf fünf Lkw verteilt im neuen Zuhause ein. Bild: Martin Sauer

Die legendäre Lufthansa-Ju 52 ist im neuen Zuhause angekommen. Am Wochenende traf die Tante Ju am Flughafen Paderborn ein.

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          Ihre Fans halten sie für unsterblich – die legendäre Junkers Ju52 der Lufthansa Berlin Stiftung. Bereits 1936 gebaut flog sie seit 1986 mehr als 250.000 Rundfluggäste über Deutschland. Die Lufthansa gab allerdings im April 2019 überraschend bekannt, dass der Oldtimer ins Museum kommt. Am Wochenende traf die Tante Ju nun zerlegt auf fünf Lkw verteilt im neuen Zuhause ein: Das ist der Verein „Quax-Flieger“ am Flughafen Paderborn.

          Hier ist die berühmte Junkers mit dem historischen Kennzeichen D-AQUI künftig in einem Hangar zu sehen, sobald sie wieder komplett montiert ist. Zudem strebt der Verein wohl an, die Ju52 zumindest rollfähig zu halten. Die Maschine ist aber nur an den Quax-Verein ausgeliehen, Eigentümerin bleibt die Lufthansa Berlin Stiftung. Die Quax-Vereinsmitglieder betreiben an mehreren Flugplätzen in Deutschland zahlreiche Oldtimerflugzeuge und gehen regelmäßig mit ihnen in die Luft. Die Ju52 wird aber nicht mehr fliegen.

          Bereits ab der Mitte der Flugsaison 2015 war die Ju52 für längere Zeit wegen eines Mittelholmbruchs gegroundet gewesen. Dieser musste aufwändig repariert werden. 2018 hob der Oldie mit 16 Passagierplätzen wieder ab, der bis heute mehr als 11.000 Flugstunden für die Lufthansa Berlin Stiftung absolvierte. Vermutlich beeinflusst vom Absturz einer schweizerischen Ju52 im August 2018 in den Alpen mit 20 Todesopfern entschloss sich die Lufthansa aber 2019, ihren bislang üblichen finanziellen Zuschuss zum Betrieb der Maschine an die Stiftung einzustellen. Damit war der Flugbetrieb der Ju52 nicht mehr möglich. Der zerlegte Oldtimer war bis jetzt in einer Halle in Bremen eingelagert.

          Die D-AQUI – gebaut bei den Junkers Werken in Dessau – hatte aber auch früher schon bewegte Zeiten und gleich mehrere Wiedergeburten. Bilderstrecke
          Lufthansa-Ju52 : Angekommen in Paderborn

          Die D-AQUI – gebaut bei den Junkers Werken in Dessau ­– hatte aber auch früher schon bewegte Zeiten und gleich mehrere Wiedergeburten. Anfangs als Wasserflugzeug auf Schwimmern bei der damaligen Luft Hansa eingesetzt, ging die Ju schon nach zwei Monaten Einsatz nach Norwegen zur dortigen Fluggesellschaft DNL. 1940 dann die Rückkehr zur Luft Hansa, um nach Kriegesende abermals bei der DNL in Skandinavien eingesetzt zu werden. Durch den strapaziösen Einsatz als Frachtflugzeug im Salzwasser der Nordsee wurde es notwendig, den Rumpf der D-AQUI gegen den einer besser erhaltenen Junkers auszutauschen. An diesen wurden dann Flächen und Leitwerksteile des Originals montiert.

          Bereits 1956 drohte der damals gerade 20 Jahre alten Maschine zum ersten Mal der Zwangsruhestand. Der wurde glücklicherweise abgewendet. Denn ein südamerikanisches Luftfahrtunternehmen hatte Bedarf für ein robustes Frachtflugzeug, die Paradedisziplin einer Ju52. Anstelle der Schwimmer bekam die Ju im ecuadorianischen Quito wieder Räder montiert und flog so im Amazonasgebiet. Ende der 1960jahre wurde die Ju 52 in die Vereinigten Staaten verkauft. Dort flog sie später unter dem Namen „Iron Annie“ in einer imaginären deutschen Luftwaffen-Lackierung auf Airshows. Verantwortliche der Lufthansa holten die Maschine in den 1980erjahren zurück nach Deutschland. In der Hamburger Werft der Kranich-Linie folgte anschließend eine Totalüberholung. Passend zum 50. Geburtstag der D-AQUI und 60 Jahre nach dem ersten Linienflug der alten Luft Hansa war die Maschine 1986 wieder flugtüchtig.

          Sie besaß aber keine originalen BMW-Motoren mehr, sondern einfacher zu wartende und gebräuchlichere Pratt&Whitney-Triebwerke aus den Vereinigten Staaten. Dreiblattpropeller machten die D-AQUI auch etwas leiser. Dennoch wurde sie überall sofort am charakteristischen Fluggeräusch erkannt.

          Für die Piloten, Flugingenieure und Kabinenbesatzung der Lufthansa war es immer ein besonderes Privileg, die D-AQUI fliegen zu dürfen. Denn hier gab es weder Computer noch Autopilot an Bord. Lediglich moderne Satellitennavigation unterstützte die zweiköpfige Pilotencrew im reinen Sichtflugbetrieb. Zwischen den Piloten saß auch immer ein Flugingenieur, der genau wie früher zum Betrieb der Ju52 vorgeschrieben und vor allem mit der Bedienung der drei Kolbenmotoren beschäftigt war. Die Wartezeit für einen Piloten, bis er die D-AQUI fliegen durfte, betrug oft sieben Jahre oder noch länger. Zudem zählte dafür Airbus- oder Boeing-Erfahrung nicht das Geringste. Stattdessen musste der Kandidat oder die Kandidatin nachweisen, fit im Steuern von altmodischen Spornradflugzeugen und im Sichtflug zu sein. Nur dann gab es überhaupt eine Chance auf den begehrten Cockpitplatz in der Ju52.

          Von mehr als 4800 gebauten Maschinen einschließlich Lizenzbauten ist derzeit nur noch eine Ju52 des fliegenden Museums La Ferté Alais in Frankreich flugfähig. Die Chancen stehen aber nicht schlecht, relativ bald wieder eine Ju52 in Mitteleuropa am Himmel erleben zu können. Eine der drei nach dem Absturz noch verbliebenen Ju52 der schweizerischen Ju-Air wechselte vor kurzem den Eigentümer. Sie wird gerade am schweizerischen Flughafen Altenrhein am Bodensee für die Junkers Flugzeugwerke AG restauriert, modernisiert und auf generalüberholte Sternmotoren vom Typ Pratt&Whitney Wasp umgebaut, wie sie auch in der D-AQUI eingesetzt waren. Diese Maschine wird als erste Ju52 überhaupt einen modernen Autopiloten erhalten und ein Anti-Kollisions-Warnsysem an Bord haben. Läuft alles nach Plan, könnte diese Junkers bereits in etwa zwei Jahren wieder in der Schweiz abheben und dann auch in Deutschland fliegen.

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