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Lotus Evora und Elise : Quadratur des Kreises und Luxus des Komforts

  • -Aktualisiert am

Schon beim Einsteigen wird ein Mehr an Komfort spürbar. Es geht dank breiterer Türöffnung, schmalerem Seitenschweller und einer höheren Sitzposition fast ohne Verrenkungen vonstatten - dennoch ist der Evora ein nahe dem Asphalt gebauter Sportwagen. Sein Innenraum ist wohnlich, Leder und Teppichboden verhüllen das bei den anderen Lotus-Typen nackte Aluminiumchassis. Sogar ein Touchscreen ist in die Armaturentafel eingebaut - er stammt von Alpine und bietet nicht nur Entertainment, sondern auch Navigation sowie das Bild der Rückfahrkamera, zu der wir uns schon auf den ersten Metern beglückwünschen. Sie führen rückwärts aus der Parklücke.

Evora mit Kompressormotor und sattem Leistungsplus

Doch dann geht es lotusgewohnt vorwärts. Rund 1380 Kilogramm wiegt der Evora, er hat ein leichtes und steifes Chassis und wiederum in Mittelposition einen Toyota-Motor - diesmal jedoch ist es ein V6 mit 3,5 Liter Hubraum und einer Leistung von 280 PS (206 kW). Er hat ein einfaches Spiel mit dem Auto, und der Fahrer spielt gern mit. Die Lenkung mit Servounterstützung, eine Premiere der Marke, ist reaktiv und setzt das Fahrzeug präzise auf Linie, die Sechsgangschaltung erfreut mit Exaktheit und kurzen Wegen, das Gaspedal spricht den Motor unverzüglich an. Und wieder wieseln wir durch die Kehren, freuen uns nach jeder auf die nächste, sind flott unterwegs. Doch das Mehr an Masse und Größe im Vergleich zur Elise ist spürbar - der Evora ist eben ein Bequemsportler, während die Markenbrüder einen starken bis überbordenden Hang zum Wettkampf haben. Aber genau so soll es ja sein. Mit dieser Sichtweise nehmen wir es als gute Botschaft, dass der Evora eine Geschwindigkeitsregelanlage bietet und es für ihn ein Automatikgetriebe und auch das elektronische Stabilitätsprogramm ESP geben soll. Und er hat eine bessere Langstreckentauglichkeit, was sich etwa über einen weniger nervösen Lauf und ein geringeres Geräuschniveau im Innenraum äußert. Der Fahrer hat am Volant dennoch genug getan, was Freude bringt, und er steigt zufrieden aus.

Der Evora kostet 59.990 Euro. Bereits angekündigt ist der Evora mit Kompressormotor und sattem Leistungsplus, er wird im kommenden Jahr vorgestellt. Eine offene Variante ist denkbar, das rigide Chassis verträgt sie problemlos. Der Evora ist eine komplette Neuentwicklung - und der Aufbruch der Marke in eine neue Zukunft. Denn mit dem breiteren Modellportfolio erhofft man sich größere Stückzahlen über Neukunden, denen das bisherige Angebot zu kompromisslos war, und über Liebhaber der Marke, die sich den viersitzigen Lotus zusätzlich in die Garage stellen. Derzeit wird im Lotus-Werk in Hethel, Ostengland, die Fertigungskapazität für 2000 Evora jährlich aufgebaut - fast eine Verdoppelung der Autoproduktion dort, denn von den bisherigen Typen wurden jedes Jahr zusammen 2500 Stück hergestellt. Viel Handarbeit ist im Spiel, notwendig ist sie unter anderem wegen der zahlreichen Individualisierungsmöglichkeiten für einen Lotus. Für den Evora sind allein schon 25 Außenfarben erhältlich, aber auch dem Innenraum kann man über vielerlei Zutaten seine persönliche Note mitgeben. Aber genau das wollen die Kunden: Einen alltagstauglichen Sportwagen, der zwar Großserientechnik hat, aber ansonsten abseits der Großserie fährt. Willkommen bei Lotus.

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