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Los Angeles Autoshow : Audi stiehlt allen die Show

Grillmeister: Audi zeigt seine Zukunft. Außen selbstbewusst, innen pure Linien wie ein iPhone. So sieht der nächste A8 aus. Und ein Coupé A9 wird es auch geben. Bild: Holger Appel

In Los Angeles erfinden sich die Ringe neu. Dabei lohnt auch ein Blick auf Maybach, BMW, Porsche und den ewig jungen amerikanischen Traum. Ein Rundgang.

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          Die letzten Tage im Jahr nutzt die Autoindustrie gern, um in Kalifornien noch rasch ein paar Sonnenstrahlen für die nächste Saison einzufangen. Das surfende Paradies im November werde das siechende Detroit im Januar alsbald in seiner Bedeutung ablösen, wird immer wieder kolportiert. Doch das scheint nichts zu werden, Amerikas Autostadt hat zu Messezeit eindeutig mehr zu bieten. Für einige Glanzlichter ist die Ausstellung in Los Angeles indes allemal gut.

          Holger  Appel

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.

          Audi etwa hat diesmal gar Wegweisendes angekündigt. Die ertragsstärkste Marke der VW-Familie ist dieser Tage gut für gewisse Verwirrung. Ihren Designchef haben die Ingolstädter wegbefördert und den neuen Mann aus Wolfsburg geholt, womit ein Weg, ach was, ein Ruck aus der vermeintlich festgefahrenen Formensprache gelingen soll. Großes wurde avisiert, und das ist das Konzeptfahrzeug auch tatsächlich geworden - in Länge (5,10 Meter) und Breite (1,95 Meter) und Felgendimension (22 Zoll). Wer auf mehr Zurückhaltung gehofft hatte, wird vom Gegenteil überrascht. Selbstbewusstsein strömt aus allen Poren der Aluminiumhaut.

          Der Plakettengrill duckt sich noch tiefer und greift nun fast um die Kotflügel herum, die Scheinwerfer sind Laserpunkte, darunter saugen plastisch modellierte Einlässe Luft und Konkurrenten ein, und am Heck läuft über die gesamte Breite eine LED-Fackel. Fein geknickte Kanten setzen Zeichen hoher Fertigungskunst. Das sieht nicht mal übel aus, nur ist es noch immer Audi. Warum auch nicht? Aber warum dann die Aufregung?

          Jedenfalls ist, was hier zu sehen, der neue A8 und sein Coupé A9, die in rund zwei Jahren auf den Markt kommen werden. Künftige A6 und A7 werden ähnliche Merkmale tragen, sie seien von der neuen Designtruppe vollständig überarbeitet worden, heißt es aus den Tiefen der Studios. Entwicklungsvorstand Ulrich Hackenberg nennt die Studie ein Urmeter, mit dem die Gene von Audi perfekt in Szene gesetzt würden. Angetrieben wird das Modell von einem 4-Liter-Benzindirekteinspritzer, der bis zu 605 PS und 750 Nm Drehmoment aufbietet. Als Finesse ist Allradlenkung an Bord, die Hinterräder schlagen bis zu 5 Grad mit ein, was sowohl der Handlichkeit als auch der Dynamik zugutekommen soll.

          Ohne Zweifel Revolutionäres tut sich im Innenraum, der wie ein iPad wirkt, keinerlei Knöpfe mehr am Armaturenbrett trägt und auf voller Breite mehrere Bildschirmoberflächen bereithält, die abgeschaltet schwarz glänzen. Der ausfahrbare Bildschirm ist Vergangenheit. Die Mittelkonsole mit ihrem Durchbruch vermittelt Leichtigkeit. Sehr schick, das Ganze. Das Gute an Audis Weg: Das Angebot in der deutschen Klasse gehobener Fortbewegung bedient klar unterschiedliche Geschmäcker.

          Mercedes-Benz geht einen anderen, ruhigeren Weg, wie der neue Maybach zeigt. Die mondäne Langfassung der S-Klasse mit dem doppelten M als Markenzeichen soll ab Frühjahr 2015 all jene ansprechen, die gern vorn spielen und hinten sitzen. Dort ist reichlich Freiheit vorhanden, 20 Zentimeter mehr als in der Version für normal sterbliche Direktoren. Warum es dafür den Zusatz Maybach braucht? So ganz klar wird das nicht, die schon einmal gescheiterte Reanimation der traditionsreichen, aber in Vergessenheit geratenen Marke wird in Stuttgart offenbar nicht als Belastung gesehen, ein zweites Standbein oben verspricht womöglich noch erquicklichere Margen.

          Dieter Zetsche weiß bestimmt, was er tut, schließlich war er damals und ist heute entscheidend dabei. Chinesen und Amerikaner mögen die zugriffsfreudige Kundschaft sein, die für die Basisversion nicht mal 200.000 Euro übrig haben müssen. Wem das ebenso zu wenig ist wie die Länge von 5,45 Meter, überbrückt ein paar Monate und greift dann zum Mercedes S 600 Maybach Pullman. Der wird erfreulicherweise fast sechs Meter messen, da passt dann wenigstens ohne Quetschen der Namenszug auf die Seite.

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          Zu den Eigenarten in Los Angeles zählt, dass Mazda sein kleinstes Geländefahrzeug vorstellt. Das passt vor der Halle gleich zweimal in jede Parklücke, siedelt im Juni aber auch nach Europa über, wo es sich vermutlich pudelwohl fühlen wird. Der CX-3 fügt sich nahtlos in den Lauf, den die Japaner derzeit haben. Er ist technisch auf der Höhe, bietet eine Fülle an Antrieben und Ausstattungsmöglichkeiten, sieht gut aus und wird mit etwa 18.000 Euro für 120 PS und Frontantrieb den Einstieg nicht allzu schwer machen.

          Apropos Eigenarten: Kalifornien ist die Heimat von Tesla. Was liegt da näher, als Auskunft zu begehren über den doch merkwürdig anmutenden Zufall, dass Daimler und Toyota fast gleichzeitig ihre Beteiligungen an dem umtriebigen Elektroautobauer abgestoßen haben. Warum, vermögen beide nicht schlüssig zu erklären. Im deutsch-japanischen Untergrund wird rhetorisch gemunkelt: Wird Tesla jemals Gewinn erzielen? Die Frage lässt sich mangels Stand nicht weiterreichen. Tesla hat die Messe offenbar nicht nötig. Oder andere Sorgen.

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