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Lohnt der Autokauf in den Vereinigten Staaten? : Das Schnäppchen kostet viel Lauferei, Zeit und Geld

  • -Aktualisiert am

In Arizona kosten neue Käfer zwischen 16 905 und 27 545 Dollar Bild:

Lange Zeit war der Dollar nicht so günstig wie jetzt. Ist es nicht Zeit, jetzt dort günstig einen Neuwagen zu kaufen?

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          Lange Zeit war der Dollar nicht so günstig wie jetzt. Bei dem niedrigen Kurs richten sich die Blicke beinahe automatisch nach Amerika, der Urlaub in dem faszinierenden Land wird wieder richtig billig, und vielleicht sollte man sich nebenbei noch ein neues Auto gönnen?

          Schon prognostizieren Experten wie Professor Ferdinand Dudenhöffer von der B&D-Forecast eine Welle von Importen aus den Vereinigten Staaten, das berge insbesondere für deutsche Hersteller eine große Gefahr. Die Preisdifferenzen sind auch auf den ersten Blick erheblich. Es müssen nicht gleich die 85000 Euro sein, die ein Rolls-Royce hierzulande billiger ist als jenseits des großen Teichs. Auch bei erschwinglicheren Fahrzeugmodellen von Audi, BMW, Mercedes-Benz, Porsche und Volkswagen sind zunächst Preisvorteile von über einigen tausend Euro keine Seltenheit (siehe Tabelle).

          So sind in Amerika ein Mercedes-Benz ML 500 mehr als 19380 Euro, ein Porsche 911 Turbo Cabrio gut 24000 und ein VW Phaeton W12 knapp 30000 Euro billiger als hier. Bei den gängigeren, preislich günstigeren Modellen wie dem 3,0-Liter-Audi A6 werden die Unterschiede allerdings geringer. Die Listenpreis-Differenz beträgt nur 6800 Euro.

          Aber Achtung: Der Preisvorteil kann durchaus noch höher sein, da insbesondere in den Staaten der Listenpreis nur auf dem Papier steht. Dort wird schon seit längerem von eigentlich jedem Händler jeder Marke mit vierstelligen Dollar-Preisnachlässen und/oder zinslosen Krediten gearbeitet.

          Das Kaufen in Amerika ist, sofern man selbst vor Ort ist, kein Problem. Es gibt keinerlei Restriktionen seitens der deutschen Hersteller, nicht an deutsche Kunden für den Reimport zu verkaufen. Im Land der unbegrenzten Möglichkeiten und mit wirklich starken Händlergruppen ist das auch nicht zu erwarten. Wer bar bezahlen kann, bekommt ein Auto, und fast immer kann er es auch gleich mitnehmen, das ist auch bei Neuwagen in Amerika gang und gäbe. Ein Händler in Arizona kann mehrere neue VW Phaeton, neun Porsche Cayenne und fünf Porsche Boxster S sofort liefern.

          Doch obwohl die Vorteile bei manchen deutschen Autos zur Zeit offensichtlich sind, ist ein Kauf nicht unbedingt ein lohnendes Geschäft, und erst recht kein einfaches. Abgesehen von den Reisekosten und der Zeit, die benötigt wird, entstehen natürlich Transport- und Import-kosten in nicht unbeträchtlicher Höhe.

          Dabei ist der Aufwand, einen Wagen zu finden, dank Internet gar nicht so hoch. Ist man sich mit dem amerikanischen Händler einig, wird ein spezieller Kaufvertrag benötigt. Hier muß folgendes enthalten sein: Käufer, Verkäufer, Fahrzeughersteller, Fahrzeugtyp, Fahrgestellnummer, Baujahr, Preis, Kaufdatum, Unterschrift.

          Für Gebrauchtwagen muß ein sogenanntes "Certificate of title" und bei Neuwagen ein "Manufacturer Statement of Origin" vorhanden sein, sonst sind Schwierigkeiten programmiert, wenn man später einen deutschen Fahrzeugbrief braucht. Natürlich wird der Kaufvertrag nach amerikanischem Recht abgeschlossen, und er kann auch nur dort geltend gemacht werden. Nach dem Kauf folgt die Verschiffung.

          Somit ist die Ostküste als Kaufort per se günstiger. Den neuen Wagen kann man auch selbst zum Hafen fahren. Voraussetzung ist eine amerikanische Zulassung - was wiederum Aufwand bedeutet. Wer nicht vor Ort ist oder keine Zeit dafür hat, muß den Transport organisieren, der Händler ist sicher behilflich. Die Zollbehörden im Hafen brauchen alle Originalpapiere, eine Transportversicherung sollte abgeschlossen sein. In Deutschland kommen die Schiffe in aller Regel in Bremerhaven an, und jetzt geht die Bürokratie erst richtig los. Gebühren fallen an für die Hafenabfertigung, die Zollabwicklung, gegebenenfalls eine Container-Entladung, es gibt Einfuhrzölle, die Einfuhrumsatzsteuer in Höhe von 16 Prozent des Kaufpreises, und auch der Inlandstransport von Norddeutschland zum Bestimmungsort verursacht Kosten.

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