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Lockheed Martin Hercules : Brandvoll mit Wasser

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Eines der seit Jahrzehnten bewährten Hercules-Transportflugzeuge, hier mit der Bezeichnung LM-100J Fire Herc. Bild: Lockheed Martin Aeronautics Com

Lockheed Martin baut eine neue Variante seiner Hercules-Transporter gezielt für den Löscheinsatz. Im Vergleich zu solchen anderen Flugzeugen haben diese Maschinen einen klaren Vorteil.

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          Die Meldungen von verheerenden Waldbränden sind an heißen Sommertagen fast alltäglich. Sogar im regenreichen Deutschland herrscht derzeit durch das fehlende Nass in vielen Regionen erhöhte Waldbrandgefahr. In den Vereinigten Staaten und Kanada sind derartige Flächenbrände sogar feste jährlich wiederkehrende Naturschauspiele. Deshalb geht in Nordamerika ähnlich wie auch im Mittelmeerraum nichts ohne den Einsatz schwerer Löschflugzeuge. In unzugänglichen und wenig besiedelten Regionen sind diese und Hubschrauber oft die einzige Chance, einen Brandherd einzudämmen. Deshalb hat der amerikanische Hersteller Lockheed Martin jetzt eine spezielle Löschvariante seiner bereits seit Jahrzehnten bewährten Hercules-Transportflugzeuge mit der Bezeichnung LM-100J Fire Herc auf der Luftfahrtmesse im britischen Farnborough vorgestellt.

          Die viermotorige Turboprop-Maschine wird seit mehr als 60 Jahren produziert und ist in den Baureihen C-130 Hercules, Super Hercules und L-100 in rund 2500 Exemplaren im Einsatz. Wegen ihrer Robustheit dient sie auch als Hurrikan-Forschungsflugzeug. Es existieren auch mehrere nachträglich zum Löschflugzeug umgebaute Versionen. Zwar wird die Hercules vor allem als Militärtransporter eingesetzt, es gibt sie aber auch seit kurzem in einer zivilen Variante. Ein Sprecher des Unternehmens erklärte in Farnborough, dass die Zahl von Wald- und Buschbränden weltweit immer mehr zunehme. Um diese erfolgreich bekämpfen zu können, sei speziell die Version Fire Herc entwickelt worden. Das neue Flugzeug kann seine 18 000 Liter Löschmittel auf zweierlei Weise abwerfen. Entweder mit Hilfe der Schwerkraft oder durch ein Druckluftsystem. Damit sind punktgenaue Einsätze genau über dem Brandherd möglich.

          Um ihre extreme Belastungsfähigkeit zu beweisen, hat sich der langjährige Hercules-Cheftestpilot von Lockheed Martin etwas Besonderes ausgedacht: Bei der Flugschau auf der britischen Luftfahrtmesse flog er zum Erstaunen des Publikums einen Looping mit der Feuerlösch-Vorführmaschine. Dabei ist die Maschine dann natürlich leergeräumt, und auch der Treibstoffvorrat wird auf das nötige Minimum reduziert, um die Maschine möglichst leicht zu halten. Dennoch ist es für ein viermotoriges Transportflugzeug, dessen konzeptionellen Ursprünge in den frühen fünfziger Jahren liegen und das seit mehr als 60 Jahren ununterbrochen gebaut wird, eine beeindruckende Leistung.

          Zudem soll die FireHerc-Version künftig ein Alleinstellungsmerkmal unter allen Löschflugzeugen erhalten: Sie soll auch nachts einsetzbar sein. Das ermöglicht eine besondere Avionik, die den Piloten die Landschaft auch bei Dunkelheit virtuell in dreidimensionaler Form darstellt. So können sie sich besser orientieren. Dazu kommen Head-up-Displays. Die Piloten schauen also nicht mehr immer wieder nach unten auf die Instrumente, sondern sie bekommen alle relevanten Informationen wie Speed, Höhe, Steigen/Sinken und Kurs sowie Position auf eine durchsichtige Scheibe genau ins Sichtfeld gespiegelt. Das sorgt für mehr Sicherheit bei diesen höchst anspruchsvollen Einsätzen. Bisher war es wegen den äußerst schwierigen Sichtverhältnissen bei Löschflügen nur möglich, diese bei Tageslicht vorzunehmen, aber nie bei Nacht.

          Es gibt indessen noch größere Löschflugzeuge als die neue Hercules LM-100J. So wurden drei Boeing 747 Jumbo-Jet und andere außer Dienst gestellte Airliner zu Löschflugzeugen umgebaut. Derartig modifizierte ehemalige Passagier- oder Frachtjets haben aber zwei große Nachteile. Erstens müssen sie konstruktionsbedingt deutlich schneller fliegen als eine Turboprop-Maschine. Deshalb ist ihre Zielgenauigkeit beim Löscheinsatz geringer. Und der zweite Nachteil wiegt noch schwerer: Diese Lösch-Airliner benötigen die Infrastruktur eines richtigen Flugplatzes mit einer langen und betonierten Runway zum Starten und Landen.

          Hier spielt die Hercules LM-100J ihre Vorteile aus: Das extrem robuste Flugzeug kann auf Gras, Schotter und anderen unbefestigten Pisten innerhalb von knapp 1000 Metern aufsetzen und abheben. Videos zeigen sogar eine Hercules, die an einem Meeresstrand im Sand landet und später ohne Probleme wieder startet. Dadurch kann dieser Typ näher am Brandherd ohne Flughafenanbindung operieren, und die zeitraubenden An- oder Abflüge werden deutlich verkürzt.

          In Zukunft wird die neue Viermotorige von Lockheed-Martin wohl auch kleinere Amphibien-Löschflugboote ergänzen oder zum Teil ersetzen können, wie sie vor allem am Mittelmeer und in Nordamerika im Einsatz sind. Denn in Regionen mit großen Seen oder am Meer sind vor allem Flugzeuge vom Typ Canadair 415 des kanadischen Herstellers Viking Air im Einsatz. Diese früher von Bombardier gebauten Flugboote werden von zwei Propellerturbinen mit einer Leistung von jeweils 2380 PS angetrieben. Die Canadair 415 ist das einzige Flugzeug der westlichen Welt, das eigens zur Feuerbekämpfung aus der Luft hin konstruiert wurde. Durch das Amphibienfahrgestell kann die Maschine sowohl auf Land als auch auf Wasser starten und landen. Ihr großer Vorteil ist die extrem schnelle Aufnahme von Löschwasser. Im Meer oder auf einem See reichen etwa zehn Sekunden Aufsetzen auf dem Wasser, dann sind die Tanks voll, und die Canadair 415 hebt wieder ab. Damit kann kein landgestütztes Löschflugzeug mithalten.

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