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Liegedreiräder : Nicht nur Kettcar für Erwachsene

  • -Aktualisiert am

Das Klimax von Hase Spezialräder Bild: Hersteller

Hase „Klimax“, HP Velotechnik „Gecko“ und ICE „Sprint“: Drei aktuelle Modelle einer Fahrrad-Spezies, die auf der Straße noch immer höchst exotisch wirkt. Eines vorneweg: Diese Dinger machen einen Heidenspaß.

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          Zunächst mal nur dies: Diese Dinger machen einen Heidenspaß. Man steigt nicht auf, man setzt sich - im Rückwärtsgang, eben wie auf einen niedrigen Hocker - und findet neben seinem Sitz die Lenkergriffe mit Brems- und Schalthebeln und vor sich, nicht unter sich die Pedale. Man sitzt entspannt, muss nicht balancieren, man kann so langsam oder schnell anfahren, wie man möchte, weil man das Ding nicht mit ein, zwei Kurbelumdrehungen auf den ersten Metern stabilisieren muss wie einspurige Fahr- und Liegeräder. Gesetzt, man hat nicht versucht, mit der größten Übersetzung loszutreten, gewinnt das Ding rasch an Fahrt, wird sehr schnell überraschend flott und läuft mühelos geradeaus.

          Man tritt aus Po und Schenkeln heraus schiebend in die Pedale und merkt bald, dass sich dabei nicht nur das Körpergewicht einsetzen lässt, dass auch ganz andere Muskelpartien der Beine und des Oberkörpers in Anspruch genommen werden, als auf einem üblichen Fahrrad. Und spätestens wenn man mit ordentlicher Querbeschleunigung in die erste Kurve geht, wenn das Ding driftet und seitwärts über die schmalen Reifen schiebt, begreift man: Dieses Ding, solch ein Liegedreirad hat jenseits aller vernünftigen Kategorien einen derart enorm hohen Spaß-Faktor, dass er allein als Existenzberechtigung genügen würde.

          Dass uns Liegeräder im Allgemeinen und speziell Liegedreiräder als exotisch vorkommen, dass wir sie als „das Ding“ bezeichnen, weil die korrekten Namen der Typen nicht gleich zur Hand sind, dass kaum ein Unterschied gemacht wird zwischen verschiedenen Bauformen, kurz, dass sie uns so fremd sind, das hat man dem internationalen Radsportverband UCI zu verdanken. Der hat um die Mitte der dreißiger Jahre des vergangenen Jahrhunderts - offiziell um Vergleichbarkeit der Wettbewerbsleistungen zu erreichen - definiert, was als Fahrrad an Wettbewerben teilnehmen dürfe und was nicht: nämlich jene flachen Bauformen, mit denen wegen ihrer günstigeren Aerodynamik etliche Rekorde aufgestellt worden waren, die erst nach Jahren mit klassischen Rennrädern erreicht und übertroffen werden konnten.

          Elektrische Antriebshilfe und Stoff-Karosserie
          Elektrische Antriebshilfe und Stoff-Karosserie : Bild: Hersteller

          Spinnerei für technophile Sonderlinge

          Für die Liegeräder hatte das zur Folge, dass sie nach und nach verschwanden und nach dem Zweiten Weltkrieg bis zum Ende der siebziger Jahre als eine Spinnerei für technophile Sonderlinge galten. Erst danach setzte eine Renaissance des Liegerads ein: erst kamen die Bastler, dann die Konstrukteure. Mit ihnen und in den letzten Jahren haben sich die noch aufwendigeren Liegedreiräder als feste Größe im Markt etablieren können. Der deutsche Marktführer HP Velotechnik aus Kriftel am Taunus liefert ein Gutteil seiner Manufaktur-Produktion (die bei diesen Rädern die Regel ist) in die ganze Welt.

          Und wenn sich im April in Germersheim zur „Spezi“ die internationale Szene der Anbieter und Liebhaber von Spezialrädern in geradezu familiärem Rahmen trifft, gehört das traditionell vor allem mit Rädern von Hase und HP bestrittene Trike-Rennen zu den Höhepunkten der Veranstaltung. Da kann auch der bloß Zuschauende in der Staubwolke über dem Parcours die sportlichen Qualitäten dieser Fahrzeuge hautnah erleben: hohes Tempo, Power Slides, wie man sie nur von Motorfahrzeugen zu kennen glaubt, und bei Spurwechseln eine Wendigkeit, die der Laie diesen Exoten nicht anzusehen vermag.

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