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Leichtkrafträder : Ritterschlag und Reifeprüfung

Der kritische Blick: Eine Meute frischer 125er und die Sinnfrage, die David schon für sich beantwortet hat Bild: Walter Wille

Sicherheitsbedenken, teurer Führerschein, andere Interessen: Leichtkrafträder haben es heute schwer, die Jugend zu begeistern. Dabei waren die 125er noch nie so attraktiv. Eine Tour mit der Yamaha YZF-R125 und drei neuen Konkurrentinnen.

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          Nach einer halben Stunde der Ritterschlag. Eine Gold Wing grüßt! Bis dahin hatten schon eine dicke RT von BMW, eine japanische 1000er, ein paar Harleys, diverse Cruiser und Sportmaschinen mit kurz vom Lenker genommener linker Hand von der Gegenfahrbahn herüber gegrüßt. Darauf waren wir nicht gefasst. Wir sind irritiert: Leute, seht ihr denn nicht, dass wir hier bloß auf Leichtkrafträdern herumjuckeln?

          Walter Wille

          Redaktion „Technik und Motor“

          Und dann sogar die Gold Wing, eine halbe Tonne Motorrad, Inbegriff der schweren Maschine. In diesem Moment ist klar: Man darf sich dazugehörig fühlen. Obwohl fast jedes „richtige“ Motorrad, das uns an diesem Tag begegnet, mehr Hubraum hat als unsere vier zusammen. Viermal 125 Kubik, maximal 11 kW (15 PS), gedrosselt auf 80 km/h, wie vom Gesetzgeber für sechzehn- und siebzehnjährige Führerscheinneulinge gefordert. Das bedeutet: Gashahn oft am Anschlag, vor allem bergauf, Drängler im Rückspiegel. Aber dennoch: ein Riesenspaß.

          Nicht nur für David. Der ist mit 16 der jüngste und wichtigste Testfahrer unter uns, A1-Führerscheininhaber seit ein paar Monaten. Für ihn ist eine 125er das Maximum, für die drei älteren Herren der Generation Kreidler dagegen das absolute Minimum und die Taunustour an sich eine Art Rückblende in die eigene, verschwommene Jugendzeit. Wenn es so etwas damals schon gegeben hätte! Was waren das früher für Möhren im Vergleich zur Honda CBR 125R, Husqvarna SMS 4, KTM 125 Duke, Yamaha YZF-R125. Welcher dieser vier die Anerkennung mittels Grußhand hauptsächlich gilt, ist nicht eindeutig. Jede macht mit offensichtlichem Erfolg auf erwachsen, mit klar erkennbarem Markengesicht nach dem Vorbild größerer Schwestermodelle. Und so haben Honda, Husqvarna, KTM und Yamaha die erste Aufgabe - ernst genommen zu werden - auf Anhieb gemeistert. Note „Eins“.

          Platz eins der 125er-Verkaufsstatistik

          Wo's wirklich zählt, ist natürlich aufm Schulhof. Aber weil drei von uns aus diesem Alter lange heraus sind, steuern wir lieber das Feldbergplateau an, Frankfurts höchsten Bikertreffpunkt, wo sich die Generation Kreidler zu versammeln pflegt, die heute 15.000-Euro-Reiseenduro, nagelneue 170-PS-Granate oder irgendeinen treuen Hobel bewegt, mit dem er gemeinsam älter geworden ist. Vereinzelt auch Gold Wing, wie man sieht. Deren Sechszylinder-Boxer schiebt in allen Lagen wie ein Bulle, unsere kleinen Einzylinder reißen untenherum nichts. Null. Untertourig heißt mindestens 4000 Umdrehungen, gerade genug, um im Stadtverkehr mitzuschwimmen. Auf der Landstraße allerdings geht es nur mit höchsten Drehzahlen, mit häufigem Kuppeln und Schalten flott voran. Mit sattem Röhren statt schwächlichem Keuchen immerhin, und siehe da: Im futuristischen Cockpit der KTM flackert bei gut 10.000/min sogar ein Schaltblitz. Die Österreicher wissen, womit man die Jugend beeindruckt.

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