https://www.faz.net/-gy9-zilx

Leichtkrafträder : Ritterschlag und Reifeprüfung

Die Lady Gaga unter den 125ern

Was sie nicht auslöst, ist der Wirbel, den die KTM entfacht. Das ist die Lady Gaga unter den 125ern. Wenn David in diesen Tagen die brandneue Duke morgens vorm Gymnasium parkt - das sind die Momente, in denen ein Leichtkraftrad seine Reifeprüfung zu bestehen hat -, verursacht er Spontanzusammenkünfte von Mitschülern. Das Design elektrisiert, die Verarbeitung enttäuscht nicht, wenngleich KTM dieses Modell aus Kostengründen bei Bajaj in Indien fertigen lässt.

Im Gegenteil, die Duke kommt mit mächtiger 43-Millimeter-Gabel, 150er-Hinterreifen, einem einzigartig umfangreichen Digitalcockpit einschließlich Gang- und Verbrauchsanzeige sowie - Achtung, festhalten - beleuchteten Schaltern an den Lenkerarmaturen. Das gibt's sonst nirgends. Bremsen, Rahmen, Federung und Dämpfung strahlen Souveränität aus, künden von Reserven, die die Duke in der Tat hat: Vom nächsten Jahr an soll diese Maschine zusätzlich in einer 350-Kubik-Version mit rund 40 PS bei fast unverändert geringem Gewicht von etwa 135 Kilo angeboten werden. Leider vibriert die KTM am stärksten, rennt unangenehm abrupt in den 80-km/h-Begrenzer, hat einen relativ großen Wendekreis. Und ihr Display spiegelt im Sonnenlicht. Dafür passt die Sitzposition für kleinere Figuren wie für 1,87-Meter-Kerle gleichermaßen, so dass bei jeder Pause mit Fahrzeugtausch eine besonders gern gegriffen wird: die KTM.

Mit einem Hang zu Übermut

Und die Husqvarna? Ein Fall für Individualisten. Spitz konzipiert im Supermotostil, im Prinzip eine Enduro mit Straßenbereifung auf 17-Zoll-Speichenrädern, mit langen Federwegen, mordsbreiter Lenkstange, Sitzbalken in großer Höh', kräftig zuschnappenden Bremsen, attraktiv gemacht. Die Drosselung erfolgt nicht wie bei den anderen durch Drehzahlbegrenzung (Vorteil: voller Schub bis 80 km/h), sondern ein Kappen der Leistung auf 8 kW (11 PS), mit der Folge, dass sie am Berg als Erste schwächelt. Auf einer 125er sehen erwachsene Männer meistens aus wie John Wayne auf einem Pony. Nicht so auf der Husqvarna, dagegen machen Kleinere instinktiv einen weiten Bogen um das hohe Ross. Dadurch entgeht ihnen das Erlebnis extremer Agilität und spielerischer Kontrolle mit einem Hang zu Übermut. Und der unglaubliche Klang: Der Einzylinder - der Einzige in diesem Feld mit Vergaser statt Einspritzung, mit Choke und Benzinhahn -, brüllt aus dem Ansaugtrakt und trompetet aus dem Endrohr. Beim Anhalten bellt er mit erhöhter Drehzahl nach, während der Fahrer mit dem indiskutablen Seitenständer kämpft, der sich verbissen dagegen wehrt, ausgeklappt zu werden.

Na gut, dann fahren wir halt weiter. Am Spritvorrat nippen die vier 125er nur zaghaft, sie lassen auch sonst wenig vermissen, außer: ABS. Kein einziger Anbieter hat das bisher im Programm, vermutlich, weil das nicht in Kostenkalkulationen passt. Eine Schande. Denn schließlich handelt es sich hier um die Einsteigerklasse schlechthin.

Weitere Themen

Der Rede wert

Schlusslicht : Der Rede wert

Manchmal sind wir Rechthaber. Das macht nicht immer Spaß, aber wenn es halt so ist?

Topmeldungen

Brexit-Reaktionen in Brüssel : Demonstrative Gelassenheit

Das nächste Brexit-Chaos in London? In Brüssel gibt EU-Ratspräsident Donald Tusk einen gelassenen Ton vor. Bis zur Entscheidung über das Verlängerungsschreiben werden wohl noch einige Tage vergehen.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.