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Leichtkrafträder : Ritterschlag und Reifeprüfung

Yamaha weiß es schon länger. Das war der erste Hersteller, der begriffen hat, was heute jene Jugendlichen, die noch fürs motorisierte Zweirad zu interessieren sind, haben wollen: was Wahres. Keinen schmalbrüstigen Abklatsch, keinen billigen Blender, keine kreischende Peinlichkeit. 2008 brachten die Japaner die seinerzeit sensationelle YZF-R125 heraus, die den 600- und 1000-Kubik-Supersportlern des Hauses auf erstaunliche Weise ähnelte, viele Konkurrentinnen alt aussehen ließ, Platz eins der 125er-Verkaufsstatistik erstürmte und dauerhaft besetzte.

Reinster Jugendstil

Dank Jungs wie David zum Beispiel. Der hat eine, in Schwarz, sie steht daheim. Nach zwölf Fahrstunden und ein paar Monaten Praxis ist er schon ein bemerkenswert routiniert wirkender Fahrer ohne Scheu vor der Schräglage, einer von denen, auf die die heftig um Nachwuchs bemühte Motorradindustrie ihre Hoffnungen setzt. David weiß, was er an seiner Yamaha hat. Aber schwer zu denken gibt ihm die KTM. Von der trennt er sich an diesem Kurventag im Taunus nur ungern.

An der etablierten Yamaha, als Probeexemplar in frischem Weiß anwesend, müssen sich die Neuen messen lassen. Die YZF-R125 sieht nicht nur sportlich aus, sie fühlt sich auch so an: stabiles, vertrauenerweckendes Fahrwerk, direktes Einlenkverhalten, wirkungsvolle, bestens dosierbare Vorderradbremse mit feinem Druckpunkt, knurriger Klang, präzise arbeitendes Getriebe mit nicht zu wabbeligem Gefühl am Kupplungshebel und nicht zuletzt eine zum Vorderrad orientierte Racing-Sitzposition mit Last auf den Handgelenken, engem Hüft- und Kniewinkel. Das ist reinster Jugendstil - so sortiert man Kreidler-Veteranen aus.

„Fast schon etwas langweilig“

Die Honda ist mehr Allrounder. Die neue CBR 125R soll zurückgewinnen, was ihre biedere Vorgängerin, einstmals Nummer eins auf dem Markt, an die Yamaha verloren hatte. Als Mini-Fireblade ist sie hübsch gemacht, zieht in Sachen Reifenbreite (130er hinten) gleich. Doch an die rassige YZF-R125 kommt sie nicht heran, was Design und Prestige betrifft. „Fast schon etwas langweilig“, lautet Davids hartes Urteil. Die Yamaha punktet mit edler wirkenden Armaturen, Fußrasten, Brems- und Schalthebeln. Schwinge, Auspuff, Sitzpolster machen mehr her. Aber die solide Honda hat einen dicken Trumpf in der Hand: Der Preis liegt glatte 600 Euro unter dem von Yamaha, KTM und Husqvarna, für die jeweils knapp 4000 Euro verlangt werden. Allein für diese 600 Euro muss, wer nicht die passende Oma hat, im Rewe viele Stunden Regale einsortieren.

Hinzu kommt: Auf der Honda ist man entspannter unterwegs, der Knieschluss ist besser, die Sicht in den Rückspiegeln und der Soziuskomfort auch, der Wendekreis kleiner, das Fahrwerk komfortabel abgestimmt, die Sitzhöhe geringer, so dass auch Kleingewachsene gut zurechtkommen. Die Bremse agiert stumpf. Trotzdem: Auf der CBR fühlt man sich wohl, und wer sich wohlfühlt, fährt auch sicher. Wenn man sich eine unserer Kandidatinnen als Transportmittel auch für ältere Herrschaften vorstellen kann, dann diese ausgewogene Honda. Dass sie mit 9,6 kW (13 PS) Nennleistung nicht ans 15-PS-Limit geht, fällt im Fahrbetrieb nicht auf. Die CBR kam als Einzige ungedrosselt in die Redaktion, rannte in der Ebene laut Tacho 120, bergab 135 und ließ somit spüren, wie viel Fahrfreude solch ein Achtelliterchen auslösen kann.

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