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Lastwagen mit LNG : Iveco und Scania geben Gas

Ist Iveco ein Vorreiter in Sachen LNG, tritt nun auch Scania auf den Plan. Die VW-Tochter (und MAN-Schwester) aus Schweden bezeichnet ihren ebenfalls brandneuen 12,7-Liter-Motor als den „Durchbruch für Gasmotoren im Fernverkehr“. Hier werden 410 PS und 2000 Newtonmeter Drehmoment geboten. Reichweiten bis zu 1100 Kilometer sollen möglich sein. Als Dritter im Bunde kommt Volvo ins Spiel. In der vergangenen Woche hat das Unternehmen in Spanien einen LNG-Motor vorgestellt, der im Gegensatz zu denen von Iveco und Scania als Selbstzünder arbeitet. Technisch gesehen ist das eine Art Zwitter, da mit Diesel gezündet wird, bevor Gas eingedüst wird. Ein reiner Dieselbetrieb ist für den Notfall möglich. Die Zugmaschine allein kann sich mit Diesel bewegen, aber nur langsam, es verbleiben nur 50 PS.

Hintergrund der verstärkten Bemühungen sind Aktivitäten der EU, die jetzt auch für den Schwerverkehr strengere Vorgaben ankündigt. Da hat LNG per se einen Riesenvorteil, und wenn das Methan (Erdgas besteht zu mehr als 90 Prozent aus Methan) klimaneutral künstlich hergestellt wird (durch Sonne oder Wind) erst recht.

Allerdings: Auch Designer-Diesel, ein Treibstoff aus der zeitgeistig „E-Fuels“ genannten Familie der flüssigen Energieträger auf nichtfossiler Basis, kann da mithalten. Sein Vorteil: Man muss ihn für mobile Einsätze nicht dauerhaft tiefkühlen.

Außerdem seien viele Fragen noch offen

Der Daimler-Konzern, der mit seiner Marke Mercedes-Benz bei den Trucks in Europa Marktführer ist, übt sich noch in Zurückhaltung, was das Thema Erdgas-Antrieb für den Fernverkehr angeht, habe das Thema aber selbstverständlich im Blick. Man bleibe grundsätzlich beim Einsatz aller Arten von alternativen Antrieben am Ball, wird auf Anfrage mitgeteilt. Marktseitig gebe es aktuell keine signifikanten Bewegungen vom heute schon sehr effizienten Dieselantrieb hin zum Erdgasantrieb. Außerdem seien viele Fragen noch offen, wie beispielsweise zur Infrastruktur. Hierzu sei auch die Politik gefordert. Sollte sich aber LNG durchsetzen, könne auch Daimler seinen „hocheffizienten“ Dieselmotor zügig auf Erdgas umstellen.

Dass Daimler die Frage nach der Infrastruktur stellt, ist recht und billig. Denn um im Schwerverkehr in Deutschland mit LNG in Konkurrenz zu Diesel treten zu können, sind in einer ersten Ausbaustufe mindestens 40 Tankstellen nötig. Nur, wer bezahlt die? Es tut sich ähnlich wie der Brennstoffzellen-Technik für Autos das Henne-Ei-Problem auf. Übrigens gilt LNG für Autos als untauglich, weil das kalte Gas bei längeren Standzeiten den Aggregatzustand wechselt und ins Freie diffundiert. Die Lastwagentanks haben entsprechende Ventile.

Der größte Konkurrent von LNG unter den Alternativen ist aber nicht der Wasserstoff für die Brennstoffzelle (in Amerika gibt es auch Lastwagen-Prototypen, die auf diese Technik setzen), sondern das CNG. Die Motorentechnik ist praktisch dieselbe – nur wird das LNG über einen Wärmetauscher vor dem Verbrennen auf 30 Grad „erhitzt“ und ist längst wieder gasförmig.

In einer Studie der Ludwig-Bölkow-Systemtechnik aus Ottobrunn, an der mehrere Wissenschaftler mitgewirkt haben, wird CNG der Vorzug gegeben. Sowohl CNG als auch LNG seien kostengünstiger als Diesel (selbst ohne Steuervorteile), sauberer in der Verbrennung, und es bestehe die Möglichkeit, mit künstlich erzeugtem Gas praktisch klimaneutral zu fahren. Für CNG spricht der Studie zufolge ein Kraftstoffkostenvorteil, außerdem sei entgegen bisheriger Meinung das Gewicht von CNG-Tanksystemen nicht höher, zudem sei eine Erdgas-Verteilinfrastruktur verfügbar.

In der Studie wird argumentiert, das Tanksystemvolumen sei nur etwa doppelt so groß, die CNG-Tanks ließen sich hinter dem Fahrerhaus plazieren. Das erhöhe jedoch die Gesamtlänge, und die sei in Europa nun mal streng reglementiert. Das sei der größte Nachteil von CNG. Und CNG-Tankstellen (für Lastwagen) müssten wie jene für LNG erst noch errichtet werden.

Papier ist geduldig, gefragt sind jetzt Macher, die vorangehen. Sonst sind wir in weiteren vier Jahren im Herbst des Jahres 2021 wieder nicht weiter.

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