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Land Rover : Was aus einer Verlegenheit alles werden kann

Dauerbrenner: Den Land Rover gibt es seit 1948, die vierte Baureihe (Defender) schon seit 1983 Bild: Land Rover

2012 wird der Land Rover 65 Jahre alt. Die Marke um den knorrigen Geländewagen ist kräftiger denn je. Zugpferd ist der neue Evoque.

          Der Land Rover ist eine der wenigen Erfolgsgeschichten der britischen Automobilgeschichte. 1947 begann man bei Rover eher aus Verlegenheit mit der Planung eines kleinen Geländewagens, der als Arbeitstier für den Farmer gedacht war und nicht für die Schlachtfelder dieser Welt. Als Vorbild nahm man den Jeep, und noch 1948 wurden die ersten 1748 Fahrzeuge an Kunden ausgeliefert. Von solch kurzen Entwicklungszeiten träumt man heute.

          Boris Schmidt

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Der kleine Hüpfer, der zunächst nur einen Radstand von 80 Inch hatte (2,03 Meter), wühlte sich bald durch die Felder und Steppen dieser Welt und machte nebenbei dann doch als Militärfahrzeug Karriere. Genau 10 Jahre lief die erste Serie des Land Rover vom Band, 1958 kam die äußerlich kaum veränderte Serie II, und vor genau 50 Jahren dachte man zum ersten Mal konkret über ein weiteres Modell nach. Weil der Rover-Geländewagen trotz einer Version mit längerem Radstand (seit 1954) in seiner Ladekapazität doch beschränkt war, entstanden sechs Prototypen eines kleinen Lastwagens, intern Modell 129 genannt.

          Frontantrieb genügt: Der neue Range Rover Evoque ist von 2012 an auch als 2-WD-Version erhältlich

          Diesen 129 (Radstand 3,29 Meter) erprobte man erstmals im weitläufigen Gelände um Eastnor Castle, dem Landsitz der Familie Hervey-Bathhurst. Zwar hatte (und hat) man auf dem Firmengelände in Solihull den berühmten "Dschungel", der 1948 eigens für die Erprobung des Geländewagens angelegt worden war, doch für umfangreichere Tests war dieses Gelände schlicht zu klein. Die Latifundien um das Castle im Nordosten Englands in der Nähe der Grenze zu Wales sind bis heute weitläufig genug für Erprobungfahrten.

          Die letzte wahre Großtat

          Das Eastnor Castle ist seit den Tests im Herbst 1961 mit dem 129 eng mit der Firmengeschichte von Land Rover verwoben. Fünf Jahre später kamen Ingenieure von Rover mit einer Auswahl von Fremdfabrikaten wie einem Ford Bronco, einem Jeep Wagoneer und einem Toyota Land Cruiser nach Eastnor, was im Zusammenhang mit dem 100-Inch-Station-Projekt stand. Während der 129 nicht über das Prototypen-Stadium hinauskam, wurde aus dem Modell 100 der nächste Welterfolg: der Range Rover, der 1970 auf den Markt kam.

          Land Rover auf der IAA in Frankfurt 2011

          Er ist die letzte wahre Großtat einer eigenständigen britischen Autoindustrie. Rover war 1968 in der British Leyland Motor Corporation aufgegangen, in der alle britischen Marken vereint waren. Danach ging es bergab. 1975 ist Leyland pleite, wird verstaatlicht und 1979 von Maggie Thatcher wieder entstaatlicht. Das Konglomerat wird in seine Einzelteile zerlegt, für 150 Millionen Pfund kauft die British Aerospace (BA) Rover, Land Rover und Mini; zudem beteiligt sich Honda mit 20 Prozent. Im Januar 1994 taucht dann überraschend BMW als Käufer auf und zahlt 800 Millionen Pfund - ein Riesengeschäft für die BA.

          Genau zur richtigen Zeit

          Um die neue Marke kennenzulernen, wurden alle leitenden BMW-Manager nach Eastnor Castle eingeladen. Und wie es heißt, haben die Bajuwaren mächtig gestaunt ob der Künste der Land Rover. Fünf Jahre zuvor hatte Rover dem Dauerbrenner Land Rover, der inzwischen (seit 1983, vorgestellt in Eastnor) in seiner vierten Auflage die Furchen zieht, den Discovery an die Seite gestellt - sozusagen als Bindeglied zwischen dem Arbeiter und dem feinen Lord, dem Range Rover. Der wurde im BMW-Jahr nach einer unglaublichen Laufzeit von 24 Jahren von der zweiten Generation abgelöst, die aber nur bis 2001 Bestand hatte, weil vor allem der damalige BMW-Technik-Chef Reitzle einen ganz neuen Range Rover wollte.

          Doch Reitzle hatte nichts mehr zu sagen, als der neue Range Rover 2002 der Presse vorgestellt wurde. Seit dem 30. Juni 2000 war Land Rover offiziell von Rover getrennt, weil an Ford verkauft, wo Jaguar schon 1989 ein neues Zuhause gefunden hatte. Ford aber wird mit Jaguar und Land Rover nicht glücklich, 2008 übernimmt die indische Tata, und Land Rover blüht abermals auf.

          Neben dem Defender (dem Ur-Land-Rover, der seit 1990 so genannt wird), dem Discovery, dem Freelander (seit 1997) und dem Range Rover ist seit 2005 der Range Rover Sport im Programm. Er kam genau zur richtigen Zeit, denn die Nachfrage nach kleineren Geländewagen steigt seit 2006 stetig (um 113 Prozent in Europa). Und mit dem abermals kleineren Range Rover Evoque trifft man jetzt voll ins Schwarze. Die Nachfrage übertrifft alle Erwartungen. Und der Defender? Er ist immer noch da. Fast zwei Millionen Einheiten sind inzwischen gebaut worden. Und fürs neue Modelljahr bekam er sogar noch einen neuen Motor. Er wird erst 2014 mit 67 in Rente geschickt.

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