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Neuer Range Rover vorgestellt : Luftgefederter Allrad-Luxus

Der Range Rover Velar besitzt die flachsten Scheinwerfer, die Land Rover jemals gebaut hat. Bild: Hersteller

Land Rover erweitert seine Premiumlinie um ein viertes Modell: den Velar. Im Cockpit stecken große Bildschirme und der Antrieb passt sich automatisch an das Gelände an.

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          Neue Automodelle kommen in der Regel nicht von heute auf morgen. Das tut auch der Range Rover Velar nicht. Seit gut drei Jahren arbeitete das Entwicklungszentrum von Jaguar-Land-Rover im englischen Gaydon an dem SUV, nur sickerte darüber nichts nach draußen. Keine Neuheiten-Vorschau für 2017 hatte den Velar auf dem Radar.

          Boris Schmidt

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Jetzt ist der vierte Range Rover aber keine geheime Kommandosache mehr, im Gegenteil. Nach seiner Weltpremiere am Mittwochabend in London zeigt er sich gleich in der nächsten Woche dem ganz großen Publikum auf dem Genfer Automobilsalon (9. bis 19. März). Dort gehört der Velar zu den wichtigsten Neuheiten. Und schon im Sommer kommt er auf den Markt. Das 4,80 Meter lange, sehr ausdrucksstark geformte SUV ordnet sich zwischen Range Rover Evoque und dem nur unwesentlich größeren Range Rover Sport ein. Darüber thront dann der Range Rover.

          Mit seinem coupéartigen Design, der flachen Linie (Luftwiderstandsbeiwert nur 0,32), Details wie bündig versenkten Türgriffen und den flachsten Scheinwerfern (Voll-LED), die Land Rover jemals realisiert hat, setzt sich der Velar deutlich von den anderen drei Range Rovern ab. Auch der Innenraum ist eine kleine Revolution. Es gibt fast keine Hebel und Schalter mehr, sondern virtuelle Bedienelemente und Instrumente auf zwei zehn Zoll großen Bildschirmen. Dass nahezu alle gängigen Assistenzsysteme an Bord sind, versteht sich von selbst. Auch mit seinem modernen Infotainment ist der Velar à jour. Und selbst beim klassischen Innenraum-Layout geht Land Rover neue Wege. Da immer mehr Menschen kein Leder wollten (das es selbstverständlich auch weiterhin gibt), sind jetzt auf Wunsch besonders hochwertige Textilien des dänischen Herstellers Kvadrat zu haben. Zum Teil werden auch recycelte Plastikflaschen verarbeitet (für die Sitzflächen).

          56.400 Euro Basispreis

          Die Rückbank lässt sich 40/20/40 geteilt umlegen, eine dritte Sitzreihe ist nicht vorgesehen. Das Kofferraumvolumen von fast 700 Liter (mehr als 1700 Liter als Zweisitzer) dürfte für die meisten Ladefälle reichen. Die Anhängelast von 2,5 Tonnen ist jedoch für ein großes Land-Rover-Modell eher dürftig.

          Was es (noch) nicht gibt, sind alternative Antriebe. Fünf verschiedene Triebwerke stehen zum Marktstart zur Wahl, drei Diesel mit 180, 240 oder 300 PS, zwei Benziner mit 250 oder 380 Pferden. Die Basismotoren haben vier Zylinder und 2,0 Liter Hubraum, die Spitzenleistungen werden aus 3,0-Liter-V6-Maschinen geholt.

          Der 4,80 Meter lange, sehr ausdrucksstark geformte Velar ordnet sich zwischen Range Rover Evoque und dem nur unwesentlich größeren Range Rover Sport ein. Bilderstrecke

          Alle Velar haben eine Achtgang-Automatik von ZF, Allradantrieb, die V6-Modelle sind generell luftgefedert. Obwohl auf ein Untersetzungsgetriebe verzichtet wird, stünden alle Velar auch im Gelände den übrigen Land-Rover-Modellen in fast nichts nach, verspricht Land Rover. Das schlaue Terrain-Response-System, das über die Elektronik aus dem Antrieb je nach Untergrund das Beste herausholt, arbeitet jetzt vollautomatisch, als Option gibt es zudem eine Differentialsperre für die Hinterachse. Die maximale Wattiefe beträgt immerhin 65 Zentimeter, die maximale Bodenfreiheit mit Luftfederung 25 Zentimeter. Kleines Komfort-Detail am Rande: Die Luftfederung senkt sich nach dem Anhalten automatisch ab, damit man bequemer aussteigen kann. Der Basispreis des Velar beläuft sich auf 56.400 Euro, das Topmodell kostet 90.850 Euro. Eine vollgepackte First Edition wird für 108.750 Euro angeboten.

          Zwei Theorien zur Namenswahl

          Der vierte Range Rover ist von Grund auf neu entwickelt, er steht auf einer neuen Plattform, die Karosserie ist zu 80 Prozent aus Aluminium; mit rund 1900 Kilo Gewicht ist er deutlich schlanker als der etwas größere Range Rover Sport, der rund 2200 Kilo wiegt. Alle Velar schaffen in der Spitze mehr als 200 km/h, der Einsteigerdiesel kommt nach der Norm mit nur 5,4 Liter Diesel auf 100 Kilometer aus. Der starke V6-Benziner mit 380 PS braucht fast das Doppelte (9,4 Liter Super).

          Gebaut wird der Velar in Solihull bei Birmingham, dem klassischen Land-Rover-Standort. Dort wurde seit 1948 der Land Rover (Defender) gebaut, der im vergangenen Jahr nach gut 65 Jahren Produktionszeit und vier verschiedenen Generationen in Rente geschickt worden war. Auf einen direkten Nachfolger für den Defender, der diesen Namen bekam, als 1989 der Discovery als dritter Land Rover auf den Plan trat, muss wohl noch bis 2019 gewartet werden. Der Name Velar hat einen starken Bezug zur eben dieser Land-Rover-Geschichte. Als ein kleines Team Ende der sechziger Jahre an einem zweiten Modell arbeitete, gab man dem Prototypen des späteren Range Rover zur Tarnung diesen Namen. Velar stand groß und breit an den Fahrzeugen, die in der marokkanischen und algerischen Wüste auf Testfahrten waren. Der Name soll sich auf das italienische Wort für Verstecken beziehen. Registriert wurden die ersten Fahrzeuge auf die Velar Motor Company in London.

          Eine andere Erklärung, die in der Land-Rover-Literatur gern gegeben wird, ist die, dass Velar ein Akronym für V8-Land-Rover sei. Einerlei, die Velar-Badges verschwanden dann schnell von den Prototypen. Die Option, den neuen Wagen, der vom technischen Aufwand und der Motorleistung her dem schlichten Land Rover weit überlegen war, Land Rover Ranger zu nennen, wurde schnell verworfen. Der Range Rover war geboren. Er blieb dann von 1970 bis 1996 in der von Spen King, dem damaligen technischen Direktor, entworfenen Form auf dem Markt, davon zwei Jahre parallel mit seinem Nachfolger. Da war dann Range Rover längst eine Marke in der Marke. Weitere Modelle wie der Range Rover Sport (2005) und der Range Rover Evoque (2011) unterstrichen diese Entwicklung, der Velar setzt sie jetzt fort. Vier Range-Rover-Modelle stehen nun zwei Land-Rover-Modellen gegenüber – dem Discovery, ebenfalls brandneu, und dem Einsteigermodell, dem Discovery Sport.

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