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Land Rover Discovery : Benzin im Mut

Wo ein Wille ist: 25 Jahre Discovery, erster Benziner seit 2009 Bild: Hersteller

Land Rover meint, im Discovery müsse es nicht mehr nur Diesel sein. Der luxuriöse Geländewagen erscheint uns so begehrenswert wie seit 25 Jahren.

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          Jaguar und Land Rover sprühen nur so vor Ideen, und die versammelte deutsche Premiumgesellschaft tut sicherlich gut daran, das britische Geschwisterpaar mit indischen Eltern ernst zu nehmen. Im Trubel ständiger Neuerungen und der Fahrt in immer engere Nischen droht fast in Vergessenheit zu geraten, dass es Felsen in der Brandung gibt. Seit 25 Jahren bietet Land Rover sein Modell Discovery an. Es balanciert herrlich zeitlos auf einem Grat, der zwischen den Ruhestätten des Wasserbüffels, Pferdekoppeln und Villen im Westend verläuft. Ein neuer Schriftzug hier, ein paar frische Assistenzsysteme dort, tote Winkel vermisst der jüngste Jahrgang ebenso wie die Tiefe von zu durchwatenden Pfützen, ein simpleres Allradsystem steht zwecks Kostendämpfung zur Wahl - so nimmt der Discovery das Jahr 2014 vor den mächtigen Bug.

          Holger  Appel

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.

          Nicht so recht in die Zeit passt indes ein Achtzylinder-Benziner mit 510 PS (375 kW) und leichter Hand 18 Liter Super auf 100 Kilometer fordernd, den die Briten sich und ihrer Kundschaft zwar noch im über allen Dingen schwebenden Range Rover gönnen, nicht aber im lehmigeren Discovery. Aus dem wurde der V8 hierzulande im Herbst 2009 verbannt (ausgenommen Sonderbestellung), seither sind Diesel für angemessenen Vortrieb mit angemessenem Verbrauch zuständig.

          Schöner und harmonischer Durchzug vom Start weg

          Doch nun nimmt Land Rover neuen Anlauf. Nicht in ganz Europa ist der Preisunterschied zwischen den Kraftstoffsorten so groß wie in Deutschland, und die Laufruhe eines Benziners entwickelt auch im Geländewagen verführerischen Charme. Die Schweizer haben daran ganz besonders Freude, aber auch in Deutschland soll es noch immer Menschen geben, die partout keinen Diesel wollen. Land Rover hat sich für den auch den Jaguar F-Type befeuernden Dreiliter-V6 mit Kompressor entschieden, der 340 PS (250 kW) und 450 Nm Drehmoment entwickelt. Die im Haus bekannte Aluminiumbauweise kommt in diesem Motor ebenso zum Einsatz wie variable Ventilsteuerung und strahlgeführte Benzindirekteinspritzung. Der im V der Zylinderbänke angebrachte Kompressor wird von einem zwischengeschalteten Wasserkühler, der die Temperatur der komprimierten Ansaugluft senkt, zur Tätigkeit im optimalen Arbeitsbereich angehalten. Das Ergebnis ist ein schöner und harmonischer Durchzug vom Start weg bis in höhere Geschwindigkeitsbereiche. Allerdings klingt das Aggregat, wenn es kräftig gefordert wird, angestrengt, es heult wie eine Turbine, wir wünschten uns sonoreren Sound. Bei gewöhnlicher Autobahnfahrt freilich tritt das Motorgeräusch in den Hintergrund und trägt so zur Ruhe an Bord bei, obgleich der Discovery ob seiner Bauart natürlich nie flüsterleise durch den Wind gleitet.

          Gekoppelt ist das Triebwerk an ein sanft schaltendes Automatikgetriebe von ZF mit acht Stufen, das sich auch über Schaltwippen am Lenkrad bedienen lässt - wir halten die Paddel für Nonsens. Zum Charakter des bis zu sieben Personen auf opulentem Raum befördernden Discovery passt gewollte Sportlichkeit überhaupt nicht. Eine harmonischere Abstimmung könnte das Start-Stopp-System vertragen, es ruckelt vernehmlich. Seine kraftstoffsparenden Vorsätze in Ehren, aber mit dem letzten Tropfen darf der Discovery-Eigner ohnehin nicht rechnen müssen. Den Normverbrauch gibt Land Rover mit 11,5 Liter an, das gelang im Testverlauf nicht. Wir ermittelten Werte zwischen 12,6 und 16 Liter, im Durchschnitt waren es 14,3 Liter Super auf 100 Kilometer. 55 600 Euro beträgt der Grundpreis. Nach unserem Geschmack bleiben die Diesel erste Wahl, der Discovery selbst erscheint uns so begehrenswert wie seit 25 Jahren.

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