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Land Rover Discovery V : Begegnung der fünften Art

Beim Design der fünften Discovery-Generation ließ Land Rover kaum einen Stein auf dem anderen. Bild: Land Rover

Im April kommt die fünfte Discovery-Generation von Land Rover auf den Markt. Während der Hersteller viel am Aussehen verändert hat, gibt es beim Motor kaum Überraschungen.

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          Das Jahr 1989 war auch ein Wendejahr für Land Rover. Der Land Rover, der noch nicht Defender hieß, pflügte seit 41 Jahren die Felder, der Range Rover ging in sein zwanzigstes Jahr, und die japanischen Hersteller hatten mit ihren frischeren Geländewagen wie dem Nissan Patrol oder dem Mitsubishi Pajero den Briten so ziemlich das Wasser abgegraben. Doch das Imperium schlug zurück, entdeckte den Discovery als goldene Mitte zwischen dem harten Arbeiter und dem feinen Landmann. 28 Jahre später sind 1,2 Millionen Einheiten von vier Discovery-Generationen verkauft, Land Rover geht es besser denn je, und vom 22. April an kommt nun die fünfte Generation des Geländewagens auf den Markt. Mehr als 20.000 Einheiten sind schon vorbestellt.

          Boris Schmidt

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Es wurde kaum ein Stein auf dem anderen gelassen. Der Neue trägt ein hübscheres, weniger kantiges Kleid, hat in den Maßen zugelegt und um bis zu 480 Kilo abgespeckt, ohne wirklich ein Leichtgewicht zu werden. Er bleibt ein wirklich geräumiger Geländewagen. Sieben Sitze, die alle für Erwachsene taugen, laden für alle Gelegenheiten ein, das aufwendige Allradsystem sowie eine erhöhte Bodenfreiheit sorgen dafür, dass fast alle Ziele erreicht werden können. Ein Untersetzungsgetriebe ist aber jetzt nicht mehr Grundausstattung. Selbstredend sind fast alle gängigen, modernen Assistenzsysteme zu haben, auch ein Head-up-Display, und sieben Passagiere können bis zu acht Endgeräte über einen Hotspot mit der Außenwelt verbinden. Es gibt sogar neun USB-Buchsen, aber nur sechs 12-Volt-Anschlüsse. Die elektrisch verstellbaren Sitze lassen sich über App steuern, so dass der spontane Kauf eines Ikea-Sofas mit dem Umfalten der Sitzreihen zwei und drei noch an der Kasse gekrönt werden kann.

          Keine Überraschung bei den Motoren

          Das maximale Ladevolumen ist mit 2400 Liter auf Lieferwagenniveau. Eine fünfköpfige Familie darf sich über gut 1100 Liter Volumen für das Reisegepäck freuen. Die dritte Reihe kostet üppige 1625 Euro Aufpreis, ohne sie kommt zum Ladevolumen noch ein 120-Liter-Staufach im Kofferraumboden dazu. Unters Heck passt ein vollwertiges Reserverad (550 Euro extra). Von der zweigeteilten Heckklappe hat man Abschied genommen, eine „innere Heckklappe“ fungiert als Sitzgelegenheit fürs Picknick. Viele Markenfans sehen das als ein Muss, die eigentliche Klappe ist jetzt auch elektrisch zu bedienen.

          Selbstredend sind fast alle gängigen, modernen Assistenzsysteme zu haben und die Passagiere können bis zu acht Endgeräte über einen Hotspot verbinden. Bilderstrecke

          So innovativ der neue Discovery in vielen Bereichen auch ist, bei den Motoren gibt es keine Überraschungen. Alternative Antriebe gibt es nicht. Oder noch nicht. Land Rover hält sich da bedeckt. Drei Turbodiesel und ein Benziner, der in Deutschland keine Rolle spielen wird, sind im Programm. Das Basismodell hat 2,0 Liter Hubraum aus vier Zylindern und 180 PS, eine stärkere Variante mit Doppelturbo bietet 240 PS. Dieser Motor ist neu bei Jaguar-Land-Rover, schon 180 PS werden wohl genügen, um den immer noch gut zwei Tonnen schweren Discovery angemessen zu bewegen. Immerhin liegt das maximale Drehmoment bei 430 Newtonmeter. Wir erinnern uns noch gut daran, wie das Überschreiten der 300-Nm-Marke im Discovery I Mitte der neunziger Jahre gefeiert wurde. Der stärkere Diesel bietet gar 500 Nm. Ein V6-Diesel holt aus 3,0 Liter Hubraum 258 PS und bis zu 600 Nm Drehmoment.

          Üppige Preise

          Dagegen ist der gleich große V6-Benziner mit 450 Nm eher schwach auf der Brust, und er muss sich auch mehr anstrengen. Fürs Maximum muss er die Maschine 3500 Mal in der Minute drehen, die Diesel schaffen das bei 1500 oder 1750/min. Kein Wunder, dass der Normverbrauch des Benziners 10,9 Liter beträgt. Die Selbstzünder glänzen mit 6,0, 6,3 oder 7,2 Liter. Wie wir alle wissen, sind das Laborwerte. Aber die für den Stadtverkehr treffen den Alltag meist genauer, hier liegen die Werte einerseits zwischen 7,1 und 8,3 Liter, während sich der Benziner mit 14,2 praktisch aus dem Spiel nimmt. Alle Motoren sind Direkteinspritzer, werden generell mit einer Achtgang-Automatik von ZF kombiniert und haben Start-Stopp-Automatik. Technisch ist der Discovery mit den großen Range Rovern verwandt, die Karosserie besteht zu rund 85 Prozent aus Aluminium.

          Auf ersten Probefahrten mit dem Td6 zeigten sich die Vorteile der Luftfederung (optional im Vierzylinder) und der Einzelradaufhängung. Alles geht kommod vonstatten. Das darf aber auch erwartet werden. Die Preise des jetzt 4,97 Meter langen Discovery sind ebenfalls üppig. Mit 50.500 Euro geht es los, die stärkeren Motoren und die besseren Ausstattungslevel treiben die Tarife weit jenseits der 70.000 Euro. Wie bisher gibt es die Level S, SE, HSE. Dazu kommt HSE Luxury, und die besonders gut ausgestattete „First Edition“ kostet als Td6 knapp 83.000 Euro. Das ist viel Geld für zugegeben viel Auto.

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