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Lamborghini Huracán : Kampfjet mit Alcantara

  • -Aktualisiert am

Er trägt den Namen Huracán LP 610-4 und ist technisch mit dem Audi R8 verwandt Bild: Hersteller

V-Zehnzylinder mit 5,2 Liter Hubraum, 3,2 Sekunden auf 100 km/h, 325 km/h Spitzengeschwindigkeit: Der Lamborghini Huracán ist kein Auto zum Brötchen holen.

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          Lamborghini gehört zum VW-Konzern und hat die Aufgabe, ausschließlich Extrem-Sportwagen zu bauen. PS-Monster wie der Aventador oder der nur viermal gebaute Veneno beweisen das. Einzig der Gallardo passt nicht ganz ins Schema der Brutalo-Renner. Mit dem Erfolg, dass er in zehn Jahren immerhin gut 14.000 Käufer fand.

          Jetzt geht sein Nachfolger an den Start. Er trägt den Namen Huracán LP 610-4 und ist technisch mit dem Audi R8 verwandt. Huracán hieß 1879 ein unbesiegter Kampfstier in Alicante (Stiernamen haben Tradition bei Lamborghini), LP steht für longitudinal posteriore und weist auf den Längseinbau des Mittelmotors hin. 610 steht für die PS-Leistung, die 4 für den Allradantrieb. Für unbesiegbar wird sich auch der Huracán-Käufer halten, wenn er weitere Daten verinnerlicht: V-Zehnzylinder mit 5,2 Liter Hubraum, 3,2 Sekunden auf 100 km/h, 325 km/h Spitzengeschwindigkeit.

          Breites Heck mit vier Abgas-Endrohren

          Der größtenteils aus Kohlefaser- und Aluminiumteilen zusammengefügte Super-Sportwagen wiegt leer 1422 Kilogramm, was einem Leistungsgewicht von 2,33 kg/PS (3,16 kg/kW) entspricht. Wie der Gallardo kommt er ohne machohaftes Spoilerwerk aus, beeindruckt aber vorn und an den Seiten mit abgrundtiefen Luftschächten. Allein sein böser Blick könnte den Betrachter erschauern lassen: mit den zusammengekniffenen „Augen“, die Pupillen zu einem satanischen W gezackt. Auch das breite Heck mit den vier Abgas-Endrohren scheint zu signalisieren: „Komm mir besser nicht zu nah.“

          Unter dem nur 1,16 Meter hohen Dach fühlt man sich wie in einem mit Alcantara tapezierten Kampfjet. Nach vorn und durch die schmalen Seitenscheiben sieht man gerade so viel, wie man muss. Nach hinten ist die Sicht gleich null. Hinter einem fast eiförmigen Lenkrad sitzt ein Monitor, auf dem sich Fahrzeug- und Navigationsdaten digital abrufen lassen. Die Mittelkonsole ist mit einer Schalterbatterie belegt. Der Startknopf hat einen roten Entsicherungshebel und sieht aus, als könne man damit Raketen abschießen. Fehlt nur noch der Hinweis „Sie haben Feuererlaubnis.“

          Ein Auto zum Brötchenholen ist der Huracán gewiss nicht. Kehlig gurgelnd pendelt sich der direkt einspritzende V10, der auf Turbolader oder Kompressor verzichtet, in Leerlaufdrehzahl ein. Solange man das Gaspedal wie ein rohes Ei behandelt, ist alles unspektakulär. Doch schon ein kleiner Gasstoß löst einen heftigen Tritt ins Kreuz aus. Danach geht’s ruckfrei voran. Das Doppelkupplungsgetriebe mit sieben Gängen sorgt für gleichmäßigen Schub. Erst bei 6500/min gönnt sich der Zehnzylinder das maximale Drehmoment von 560 Nm. Für die Mobilisierung der 610 PS (449 kW) geht er gar bis 8250/min. Der digitale Tacho erreicht die 200-km/h-Marke früher, als man die bequemste Sitzposition gefunden hat - laut Werk in 9,9 Sekunden. Zum Glück packen die Carbon-Keramik-Bremsen so zu, als würde sich ein Bremsfallschirm öffnen.

          Ob der Huracán auch zum Flanieren taugt? Die Start-Stopp-Automatik spricht zumindest dafür. Sie sorgt an der Ampel für Ruhe und hilft auch, den Normverbrauch zu verschlanken. Der wird mit 12,5 Liter angegeben und ist für einen Käufer, der 201 705 Euro für einen Zweisitzer ausgibt, wahrscheinlich nicht wichtiger, als den Vorhang beim Duschen immer in der Badewanne und nicht davor hängen zu lassen.

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