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Lamborghini Aventador : Vollgas und die Konkurrenz entschwindet

Der 6,5-Liter-Zwölfzylinder-Sauger im Heck Bild: Hersteller

Der neue Lamborghini Aventador ist wild und schnell, überraschend komfortabel und zahm. 1100 Kunden haben sich schon für ihn entschieden. Die Produktion ist somit 18 Monate lang ausgelastet. Eine erste Probefahrt.

          In Sant'Agata Bolognese gehen die Uhren anders. Dort baut Lamborghini in einem Jahr so viele Autos wie die Muttergesellschaft Audi an einem halben Vormittag. Und ein neuer Supersportwagen erblickt nur alle zehn Jahre das Licht der Welt. Der letzte hieß Murciélago, war von eher brachialer Natur und ist vor einiger Zeit wieder entschlafen. Doch auf einer Modellreihe kann selbst Lamborghini nicht stehen, und so stellen die Italiener nun dem kleinen Gallardo den großen Aventador zur Seite. Der hat seinen Namen von einem mutigen Stier, der 1993 in der Arena von Saragossa angetreten ist.

          Holger  Appel

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.

          Nach einer ersten Begegnung mit ihm in automobiler Form können wir sagen, besonderen Mut braucht es nicht, um den Aventador zu bewegen. Ein bisschen Leidenschaft schon. Etwas Respekt vor den 700 PS (515 kW). Ein paar locker sitzende Scheine. Und: Wir sind überrascht, der Stier ist nicht nur wild, er kann auch zahm sein.

          Das beginnt mit dem Start. Man mag die Tür nach oben schwingen, sich in den Schalensitz einfädeln, die rote Klappe in der Mittelkonsole öffnen, den darunter wartenden Knopf drücken und am Drehzahlmesser ablesen, dass der 6,5-Liter-Zwölfzylinder-Sauger im Heck zum Leben erwacht ist. Aber das macht nur halb so viel Spaß. Besser ist, man bittet eine vertrauenerweckende Begleiterin, die Prozedur durchzuführen - und stellt sich hinter das Auto. Mit kurzem Gebrüll auf knapp über 3000 Umdrehungen meldet sich das Triebwerk zum Dienst, der Brustkorb bebt, welch vielversprechende Ouvertüre. Zeit, das Volant zu übernehmen.

          Ein Zug an der Schaltwippe, kein Ruck aus dem Getriebe

          Der Gang müsste also drin sein

          Ein Zug an der Schaltwippe, kein Ruck aus dem Getriebe. In der kunterbunten, künstlich erzeugten TFT-Anzeigentafel erscheint die Ziffer 1. Der Gang müsste also drin sein. Fuß behende aufs Gas, der Lamborghini nimmt unspektakulär Fahrt auf. Aber dann! Ein Tritt auf den Akzelerator lässt die Herde los. Die 700 Pferde legen sich mit 690 Newtonmetern Drehmoment ins Zeug. Wer will, katapultiert das leer 1575 Kilogramm wiegende Auto aus dem Stand in 2,9 Sekunden auf 100 km/h, 200 liegen nach 8,9 Sekunden an, auch danach geht es mit kräftigem Schub voran. Erst bei 350 km/h ist Schluss. Wer so viel Vortrieb hat, tut gut daran, auch für dessen Vernichtung zu sorgen. Dafür sind mächtige Karbon-Bremsen zuständig. Man sollte, falls man es schafft, mit einem gewöhnlicheren Auto nicht zu dicht auffahren. Aus 100 km/h steht der Lamborghini schon nach 30 Metern.

          Das erstaunliche am Aventador ist indes nicht die reine Leistung, sondern die Art, wie er sie feilbietet. Außen klingt er wie ein Formel-1-Bolide, innen ist er leise, fast schon zu leise. Die Sitze sind bequem, und obwohl das Auto einem neben ihm stehenden Erwachsenen nur bis zum Bauchnabel reicht, finden Piloten bis zu 1,83 Meter Größe darin Platz, ohne an die Decke zu stoßen. Für die steife, leichte und sichere Karosserie ist ein erstmals eingesetztes Kohlefaser-Monocoque zuständig, das Lamborghini selbst backt. Die Radaufhängung ist liegend eingebaut, was ebenfalls an die Formel 1 erinnert, obwohl diese Italiener im Gegensatz zu Ferrari in der höchsten Rennsportklasse nicht vertreten sind. Alsbald - auch das eine Anleihe aus der Formel 1 - soll zudem zur weiteren Leistungsförderung ein mechanisches Energierückgewinnungssystem (KERS) entwickelt werden, und Amerika ruft nach einem Motor, der E-85-Kraftstoff verträgt.

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