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LA Auto Show : Die Mobilität des Machbaren

  • -Aktualisiert am

Schauspielerin Paula Patton zeigt sich von ihrer besten Seite, und der BMW lächelt dem Publikum entgegen: Blick auf die Auto Show in Los Angeles Bild: REUTERS

Auf der Auto Show in Los Angeles herrscht gebremster Optimismus. Und die Hybrid-Technik gehört zum Alltag. Muskeln lässt man trotzdem spielen.

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          Die Scheinwerfer strahlen wieder. Pünktlich zur 2011-LA Auto Show im sonnigen Kalifornien ist jener Hauch von Optimismus in die Autowelt zurückgekehrt, der vor drei Jahren in der Krisen-Düsternis beinahe untergegangen war. Zurzeit laufen die Geschäfte mit der individuellen Mobilität wieder besser und die Gegenwart will nicht mehr über Endzeitstimmung diskutieren. Allerdings muss man mit dem Auto der Zukunft noch Geduld haben. Es tritt nämlich auf der Stelle. Aber mit durchdrehenden Antriebsrädern, und mitunter kann es vor Kraft kaum laufen.

          Das ist die Summe der ersten Eindrücke vom Besuch der wohl zukunftsträchtigsten Autoausstellung in den Vereinigten Staaten. Jonathan Browning, der Chef von VW of North America, ist sicher, dass die Messe in Kalifornien ihre Konkurrenten in Detroit (zurzeit noch die Nummer Eins), in Chicago und in New York bald überholt haben wird. Vielleicht ist Volkswagen auch deshalb gleich mit drei Premieren-Autos nach Kalifornien gereist: Von der kantigen Neuauflage des rundlich-harmlosen VW Beetle gibt es eine R-Powerversion, die mit etwa 260 PS und einem Tee-Tablett-großen Heckspoiler auf die Straßen kommt; und der eigens für Amerika konstruierte und gezeichnete Spezial-Passat wird im Segment der preiswerten Mittelklasseautos besonders in Stellung gebracht. Der noblere VW CC (mit chromlastiger Front- und elegant-muskulöser Heckpartie) firmiert künftig ohne den Namenszusatz Passat und soll als der kompakte Oberklasse-Volkswagen verkauft werden.

          Das Fahren ist ein Wunschkonzert: Lexus GS 350
          Das Fahren ist ein Wunschkonzert: Lexus GS 350 : Bild: Kirchberger

          Immer deutlicher wird die Bedeutung der Hybridtechnik. Wahrscheinlich verliert die Erwartung, sie sei nur ein Zwischenschritt auf dem Weg zu einem wahrhaft alternativen Antriebskonzept, an Boden. Die Kombination eines Verbrennungsmotors und eines Elektroantriebs mittels aufwendiger Elektronik hat sich in breiter Front durchgesetzt. Keine Marke aus dem Trio der drei „Großen“ (General Motors ist wieder zurück, wirkt aber irgendwie bescheidener; Ford war auch in der Krise nie wirklich unter Wasser und stärkt seine SUV-Abteilung mit einem neuen Escape; bei Chrysler weiß man derzeit nicht so recht, ob man nicht gleich besser als Fiat of North America firmieren sollte, und blättert eine Flut neuer Marken hin, die früher einfach Modellversionen waren) ist beim Hype um Hybrid nicht dabei. Hybrid ist schon Alltag, aber das in Europa favorisierte Elektroauto reift in Amerika noch viel zögerlicher heran.

          Das ist kein Wunder. Wer nach LA Downtown ins Büro muss, gerät aus einem der hügeligen Vororte beim Prüfen der verbleibenden Reichweite nach der Hälfte seiner Fahrtstrecke schnell in wenig vornehme Transpiration. Da muss die Speicherkapazität der Akkus noch besser werden. Oder unterwegs von der Tätigkeit des relativ kleinen Benziners wie im Chevrolet Volt profitieren, dessen Akkus unterwegs mit frischer Energie versorgt werden.

          Für die Vorfahrt der Technik: Ford Escape, Modelljahr 2013
          Für die Vorfahrt der Technik: Ford Escape, Modelljahr 2013 : Bild: Kirchberger

          Ein Wandel der Werte vom gurgelnden V8 hin zum schnurrenden Elektromobil wird den amerikanischen Autokäufer nicht von heute auf morgen wie eine fiebrige Erregung erfassen. Zwar rangieren auf der Autoschau die Pickup-Monster und die martialischen Geländegänger nicht mehr in den ersten Reihen. Wahrscheinlich wird ihre körperliche und energetische Dominanz doch als peinlich empfunden. Aber sie sind noch immer die Favoriten in den Verkaufslisten, und wer auf das Limousinen-Angebot der dominierenden Marken aus Amerika und Asien blickt, der versteht rasch, warum das so ist: Diese Autoform verliert sich in einem uniformen Brei des Verlustes von Eigenständigkeit, dessen Unterscheidungsmerkmale sich auf immer größere Scheinwerfer und immer aufdringlichere Chromschnuten beschränken.

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