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Kulenkampffs Schiff „Marius IV“ : Kulis Verkehrtherumsegler

  • -Aktualisiert am

Segelnde Kuriosität: Viele Masten auf einem gar nicht mal so großen Boot Bild: Michael Amme

Was machen Männer in den besten Jahren, wenn plötzlich Geldregen einsetzt? Hans-Joachim Kulenkampff steckte 650.000 Mark in ein Schiff nach eigenem Gusto. Der ungewöhnliche Look brachte dem Boot bald den Spitznamen „Verkehrtherumsegler“ ein.

          6 Min.

          Als der Schauspieler und Showmaster Hans-Joachim Kulenkampff für die Tabakreklame „Feuer, Pfeife, Stanwell“ in den siebziger Jahren ein Vermögen bekam, machte er keine Dummheiten. Der passionierte Segler steckte die 650.000 Mark in ein Schiff nach eigenem Gusto, sein Traumschiff. Dessen Bau geriet zwar leider teurer als gedacht. Doch das haben Traumschiffe so an sich. Sonst wären es ja keine.

          Als verträglicher, das Leben überblickender und genießender Mensch trug Kulenkampff die Mehrkosten mit Fassung. Der Mann mit Format bezahlte den Schiffbauern an der Weser ihre Arbeit und bedankte sich später noch schriftlich für die ausgezeichnete Qualität.

          Von den ersten Skizzen des Konstrukteurs Horst Glacer über den Bau bei der Faßmer-Werft, der Probefahrt auf der Weser bis zu den alljährlichen Sommertörns hatte Kuli Freude an seinem Schiff. Später, im Jahr 1988, erklärte er in einer Talkshow einmal: „Es gibt ein paar Dinge, wo ich nicht zu beleidigen bin, das ist beim Segeln und beim Autofahren.“ Der umgängliche Kulenkampff, der als Theaterschauspieler für seine Tourneen ausgiebig reisen musste, fuhr gern Auto. Noch lieber ging er an Bord seiner „Marius IV“ segeln.

          Showmaster Hans-Joachim Kulenkampff wollte es genau so - und hatte gute Gründe dafür

          Bis zu ein Zentimeter dickes Aluminiumblech

          Der gebürtige Bremer verwirklichte mit der Sonderanfertigung den Traum von der komfortabel großen, soliden, einfach zu handhabenden Hochseeyacht. Im Alter von 53 ließ er sich einen rund 17 Meter langen, vier Meter breiten Segler zeichnen. Das war damals, Anfang der siebziger Jahre, richtig viel Schiff. Der 18-Tonnen-Schlitten bot reichlich Platz für eine ausgebaute Kajüte im Bug mit voller Stehhöhe und einen gescheiten Salon mit L-Sofa. Die Pantry dahinter erinnerte mit schwarz-grün marmorierten Kacheln und auch hinsichtlich ihrer Größe an die Kochnische eines zeitgenössischen Appartements. Die ringsum geschützte Mittelplicht mit fester Windschutzscheibe und dem massiven Steuerrad ließ eine Blauwasseryacht amerikanischen Zuschnitts vermuten. Die Achterkajüte bot separaten Lebensraum unter Deck. Natürlich hatte das Boot auch eine Heizung, allerdings keine in der bloß teuren und spaddeligen Yachtausführung, sondern eine mit Heizkörpern, wie man sie von zu Hause kennt. Die ockerfarbene Lackierung war dem Ausbau des Bootes in Eiche angepasst.

          Kulenkampff hätte mit seiner Aluarche ohne weiteres nach Grönland oder zu den Fidschi-Inseln ablegen können. Kulenkampffs persönliches Ultima Thule befand sich aber im Kattegat auf halber Strecke zwischen Dänemark und Schweden, etwa vier zügig absolvierte Segeltage von der Kiel-Holtenauer Schleuse des Nord-Ostsee-Kanals entfernt. Die Rede ist von der Insel Anholt.

          Anholt ist eine überwiegend flache Insel, die sich ähnlich wie ein echtes Südsee-Atoll recht spät über den Wogen zeigt und zwecks Vermeidung von Schiffbruch nur innerhalb eines bestimmten Winkels anzusteuern ist. Noch größer als die Hürde der Anreise über die offene See zur schmalen, bei Westwind exponierten Hafeneinfahrt war jene der Weiterreise in den steinigen Irrgarten der westschwedischen Schären rings um Göteborg. Oder die Rückreise gegen den frischen bis deftigen Westwind mit entsprechendem Seegang. Genau dafür, für viel von vorn, war die stäbige „Marius IV“gedacht. Gebaut war das Schiff aus bis zu einem Zentimeter dickem Aluminiumblech.

          Anpassung der Segelfläche ohne Vorsegelwechsel

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