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Android Automotive : Künftig fährt Google in jedem neuen Volvo mit

Man meldet sich mit einem Google-Konto an und kann sofort auf persönliche Daten wie Kontaktverzeichnis und Kalender zugreifen. Bild: Hersteller

Wie gut ist das neue Google-Betriebssystem? Android Automotive ersetzt Sensus Connect und übernimmt das Infotainment.

          2 Min.

          Wer ein halbwegs neues Auto mit gehobener Kommunikationstechnik fährt, hat vermutlich Apples Carplay oder Googles Android Auto mit an Bord. Beide Systeme basieren auf der Idee, dass Daten vom Smartphone auf dem Bordmonitor des Fahrzeugs angezeigt werden. In der Regel ist das Handy per Kabel angeschlossen, und neuerdings gelingt dies sogar drahtlos. Ein reduziertes Menü auf dem Bildschirm zeigt ausgewählte Apps, und meist kommen Carplay oder Android Auto genau dann zum Einsatz, wenn es um die Navigation geht. Karte und Navi-Anweisungen gelangen über Mobilfunk ins Handy und werden dann auf den Monitor übertragen. Auf diese Weise ist ein fest eingebautes Navi entbehrlich, und zudem sieht man auf dem Bordmonitor auch seine Kalendereinträge oder neue Nachrichten.

          Michael Spehr
          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Beide Systeme sind ans Smartphone und an eine stabile Mobilfunkverbindung gebunden. So liegt der nächste Entwicklungsschritt nahe: Man verzichte auf das Smartphone und hole die Welt von Google oder Apple direkt ins Auto. Ein solches System ist das neue Android Automotive, ein vollwertiges Android-Betriebssystem mit Mobilfunk allein für den Einsatz im Fahrzeug. Als erste Hersteller implementieren es Volvo und Polestar. Wir haben Android Automo­tive im Volvo V90 ausprobiert. So gut wie alle neuen Volvos werden künftig mit Android Automotive fahren.

          Entscheidend ist, was in der Mitte spielt

          Auf den ersten Blick sieht der Bordmonitor so aus wie in jedem anderen Volvo: Die Anzeige mit einer Diagonale von 9 Zoll ist hochkant ausgerichtet, hat nur eine einzige physische Menütaste am unteren Rand, und das untere Zehntel des Bildschirms zeigt stets zwei virtuelle Tasten für weitere Menüs sowie die Einstellungen der Klimaanlage. Entscheidend ist, was in der Mitte spielt: die einzelnen Apps von Android Automo­tive mit Symbolen wie auf dem Smartphone.

          Man meldet sich mit einem Google-Konto an und kann sofort auf persönliche Daten wie Kontaktverzeichnis und Kalender zugreifen und per Sprachsteuerung genau jene Hey-Google-Befehle geben, wie man sie vom Handy oder von Google-Smarthome-Produkten kennt. Wird das Auto von verschiedenen Familienangehörigen genutzt, empfiehlt sich die Anlage eines neuen Google-Kontos, oder jeder Fahrer wechselt mit dem Einsteigen ins Fahrzeug das Konto. Wer keine Daten an Google senden will, meldet sich nicht mit einem Konto an, verzichtet damit auf den Play Store, kann aber die Navigation natürlich trotzdem nutzen.

          Android Automotive gehört in allen V90 zur Serienausstattung.
          Android Automotive gehört in allen V90 zur Serienausstattung. : Bild: Hersteller

          Apps kommen über den Play Store ins Auto, und hier stößt man gleich auf die erste Einschränkung: Jede App muss für Android Automotive angepasst werden. Derzeit findet man neben dem Google Assistant und Google Maps nur ein schmales Angebot: Spotify, Youtube Music, die ARD Audiothek, Amazon und Tidal Music, einige Radio-Apps sowie die Sygic-Navigation. Weitere Apps steuert Volvo bei, etwa für die Bluetooth-Musikwiedergabe vom Smartphone oder für Telefonie und Fahrzeugfunktionalität.

          Ein Smartphone muss man nicht mitbringen. Ist eines vorhanden, lässt es sich natürlich für Telefonie und Musikwiedergabe anbinden, auch ein iPhone. Die Google-Maps-Navigation funktioniert ordentlich, wenngleich der ruppige Tonfall der Ko-Pilotin nervt. Indes gibt es ein feines Detail: Die optischen Fahrhinweise werden sogar in das gegebenenfalls vorhandene Head-up-Display des Volvos eingespielt, das ist sehr überzeugend. Den Google Assistant startet man mit der Sprachbedienungstaste am Lenkrad.

          Konventionelles Infotainment „Sensus Connect“ ist Geschichte

          Mit der Google-Verzahnung gelingt dann auch die Steuerung von vernetzten Geräten zu Hause, direkt aus dem Auto heraus. Man kann also zum Beispiel bei der Annäherung ans Haus das Licht einschalten oder nach der Abfahrt den Staubsauger-Roboter aufwecken. Auch umgekehrt lassen sich Kommandos vom Frühstückstisch direkt ins Auto senden, etwa zum Vorheizen des Innenraums an kalten Wintertagen.

          Android Automotive gehört in allen V90 zur Serienausstattung. Das konventionelle Infotainment „Sensus Connect“ ist damit Geschichte. Es kostete bislang im V90 mehr als 3000 Euro. So gesehen, kann man diesen Fortschritt begrüßen. Man beachte allerdings, dass nach spätestens vier Jahren ein aufpreispflichtiger Datenvertrag fällig wird. Ein Pendant von Apple zu An­droid Automotive gibt es übrigens noch nicht.

          Google Maps ist immer dabei.
          Google Maps ist immer dabei. : Bild: Hersteller

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