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KTM X-Bow R : Das elementare Kräftemessen

Dank der Tieferlegung von Motor und Getriebe um 19 Millimeter sackte der Gesamtschwerpunkt um 15 Millimeter Richtung Fahrbahn Bild: Hersteller

KTM hat es geschafft, ein radikales Auto noch radikaler zu machen. Der X-Bow R, nichts anderes als ein Rennwagen mit Straßenzulassung, hat im Vergleich zum Vorgänger noch mal an Leistung zugelegt.

          Das „Ready to Race“ ist nicht nur so ein Spruch. Bei KTM nehmen sie sich ihr Hausmotto streng zu Herzen und sorgen mit scharfem Design und spitzer Technik für Entzücken oder Erschrecken beim Publikum, je nach Sichtweise und Benzinpromille im Blut. So ist das traditionell mit den Motorrädern der Österreicher und seit 2008, dem Erscheinungsjahr des X-Bow, auch in Sachen Auto. Hängt KTM einem Modellnamen ein zusätzliches „R“ an, wird signalisiert: Achtung, jetzt noch radikaler. Noch mehr Racing. Und noch weniger Respekt vor den Erwägungen des Alltags.

          Walter Wille

          Redaktion „Technik und Motor“

          Als der X-Bow kam, dieser extreme Leichtgewichtsportwagen mit zweisitzigem Kohlefaser-Monocoque, hätte ihn der gerade lostobende Sturm der Finanzkrise beinahe sofort wieder weggefegt. 40 Millionen Euro Entwicklungskosten, eine eigene Produktionsstätte in Graz für das erste Automobil von KTM, geringere Stückzahlen als zunächst geplant - das Abenteuer führte sogleich an den Rand des Abgrunds. Doch sie haben durchgehalten, die Sache durchgezogen, und nach den Worten des Vorstandsvorsitzenden Stefan Pierer hat es sich gelohnt.

          Etwa 540 X-Bow wurden bisher ausgeliefert, derzeit sind es 120 bis 150 im Jahr. Eine Amateur-Rennserie („X-Bow-Battle“) hat sich etabliert, und vor allem hat sich KTM laut Pierer „Leichtbaukompetenz“ erworben. Die soll in die baldige Präsentation neuartiger Fahrzeuge für den städtischen Verkehr - auch in Partnerschaft mit Größen aus der Autoindustrie - münden. „Wir sehen uns in Zukunft als Gesamtfahrzeughersteller“, sagt Pierer. Der X-Bow hat somit, was gar nicht vorgesehen war, bei KTM den Anstoß für Projekte der urbanen Mobilität der Zukunft gegeben.

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          Aberwitzige Fliehkräfte

          Die jetzt vorgestellte R-Variante für 69.967 Euro indes ist nichts anderes als ein Rennwagen mit Straßenzulassung. Vom 7500 Euro günstigeren Basis-X-Bow unterscheidet er sich durch eine Leistungssteigerung um 25 Prozent bei nach wie vor lediglich knapp 800 Kilo Fahrzeugmasse. Der Wunsch kam aus der Hobbyracer-Szene. Dem Zweiliter-Vierzylinder-TFSI von Audi werden statt 177 kW (240 PS) nun 220 kW (300 PS) entlockt, das Drehmoment erreicht 400 Nm bei 3300 Umdrehungen (bisher 310 Nm). Der Audi-Motor (von den Ingolstädtern im S3 verwendet, dort mit bis zu 265 PS) bekam einen größeren Turbolader, ferner wurden unter anderem Einspritzanlage und Motorelektronik modifiziert. Der Normverbrauch des „R“ wird mit 8,3 Liter auf 100 Kilometer angegeben (189 g CO2 je km).

          Schon der bisherige X-Bow stürmte los wie von der Zwille abgeschossen. Hier wird die Dynamik abermals dramatisch gesteigert. Um den Leistungsschub in geordnete Bahnen zu lenken, wurden Fahrwerk und Aerodynamikteile angepasst, Verwindungssteifigkeit erhöht, das Ansprechverhalten der Lenkung verbessert. Dank der Tieferlegung von Motor und Getriebe um 19 Millimeter sackte der Gesamtschwerpunkt um 15 Millimeter Richtung Fahrbahn. Auf Höchstgeschwindigkeit (231 km/h, 0 bis 100 in 3,9 Sekunden) ist der kartartige, heckgetriebene 3,74-Meter-Wagen gar nicht ausgelegt, sondern auf maximale Kurvengeschwindigkeit und Querbeschleunigung. In der Tat sind auf der Rennstrecke geradezu aberwitzige, mit normalen Fahrzeugen undenkbare Fliehkräfte zu erfahren.

          Man kann allerdings auch einfach nur genüsslich durch die Gegend gleiten. Der X-Bow ist reiner, ungefilterter Fahrspaß und ein Verächter schnöder Transportaufgaben. Nach wie vor hat er nicht: Servolenkung, Bremskraftverstärker, ABS, ESP, Traktionskontrolle, Schaltautomatik, Kofferraum, Türen, Dach, Windschutz (man trägt Helm). Pierer kündigt für die nächsten Jahre weitere Varianten an, für 2012 ein „Touring“-Modell mit Windschutzscheibe, eventuell sogar elektronischen Assistenzsystemen. Das würde das puristische Konzept verwässern, aber den Kreis möglicher Kunden deutlich erweitern.

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