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KTM : Orangerie des Motorsports

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Einer der Helden in der „Hall of Fame“ ist Fabrizio Meoni, 2001 erster Dakar-Sieger für KTM. Bild: Böhringer

KTM ist nach Stückzahlen inzwischen Spitzenreiter in Europa. Der Motorradhersteller aus Österreich hat viel vor und setzt sich mit der neuen Motohall ein Denkmal.

          Ende 1991 war der oberösterreichische Motorradhersteller KTM insolvent. Heute ist das Unternehmen mit dem Markenmotto „Ready to Race“ nach Stückzahlen gerechnet der größte Motorradhersteller Europas. Mehr als 261 000 Motorräder vom Sportminicycle bis zum 1300-Kubikzentimeter-Bigbike wurden vergangenes Jahr verkauft. Knapp 1,5 Milliarden Euro betrug der Umsatz. In Deutschland, einem der wichtigsten Märkte, erkämpften sich die Österreicher bei den Neuzulassungen nach den ersten vier Monaten dieses Jahres den dritten Platz, mit nur noch geringem Rückstand auf den Zweiten, Kawasaki, und ständig geringer werdendem Abstand zu Marktführer BMW.

          Angesichts des anhaltenden Erfolgs der orangefarbenen Marke scheint es nicht übertrieben, dass sich KTM dieser Tage mit der Eröffnung der Motohall mitten in Mattighofen ein Denkmal gesetzt hat. In dem heute 6500 Einwohner zählenden Städtchen befindet sich seit Anbeginn der Motorradproduktion im Jahr 1953 der Firmensitz. Die architektonisch anspruchsvolle Motohall, 35 Millionen Euro teuer, ist die neue Attraktion der Stadt und von hohem Erlebniswert für Besucher. Mehr als 50 000, so rechnet man bei KTM, sollen es schon dieses Jahr sein.

          Ihre Ursprünge hat die KTM-Erfolgsgeschichte in der 1934 erfolgten Gründung einer Schlosserwerkstätte durch Hans Trunkenpolz am Marktplatz des oberösterreichischen Orts Mattighofen mit damals 2850 Einwohnern. Drei Jahre später wurden dort auch DKW-Motorräder verkauft und repariert. 1952 kam der Gedanke an ein eigenes Motorrad auf; 1953 steuerte Ernst Kronreif Geist und Kapital sowie den ersten Buchstaben des Firmennamens bei: KTM stand nämlich für Kronreif & Trunkenpolz Mattighofen.

          R 100 hieß das erste Fahrzeug, es erschien 1953 und lief von 1954 an vom „Band“, in einer Auflage von drei Stück je Arbeitstag. Heute liegt die Maximalzahl bei 1200 Fahrzeugen in zwei Schichten. KTM entwickelte sich, kam aber Ende der achtziger Jahr bös ins Straucheln und musste wenige Tage vor Weihnachten 1991 Insolvenz anmelden. Der Betrieb, der zuvor unter anderem auch Fahrräder herstellte, wurde zerschlagen.

          Motohall in Mattighofen Bilderstrecke

          Wiedererweckt wurde KTM als Motorradhersteller schon wenige Wochen nach dem Aus durch den Unternehmer Stefan Pierer und seine Beteiligungsgesellschaft Cross Industries. Pierer formte die KTM-Sportmotorcycles GmbH, aus der schließlich 2005 die KTM AG mit Pierer als Vorstandsvorsitzendem wurde. Ein Zwischentief, ausgelöst durch die Wirtschafts- und Finanzkrise 2007, brachte mit dem indischen Fahrzeughersteller Bajaj Auto einen großen Anteilseigner ins Haus.

          Seit Ende 2014 gehören Bajaj knapp 48 Prozent der KTM-Anteile; Pierers Cross Industries AG ist Mehrheitsgesellschafter. Auch weil Bajaj seit 2011 Leichtkrafträder und seit 2012 leichte Motorräder für KTM fertigt, ist der Absatz seither rasant gestiegen: Zuletzt kamen rund 90 000 der 2018 mehr als eine Viertelmillion verkauften KTM aus Indien, alle anderen Fahrzeuge der Marken KTM und Husqvarna, seit 2013 Teil der KTM-Gruppe, werden in Mattighofen gebaut.

          Dort herrscht seit Jahren Aufbruchstimmung. So ist die Zahl der Mitarbeiter in der Fahrzeugentwicklung binnen weniger Jahre von rund 100 auf inzwischen gut 540 gestiegen, und man hat sogar ein im bayerischen Rosenheim angesiedeltes externes Entwicklungsbüro gegründet, weil rund um Mattighofen keine weiteren qualifizierten Mitarbeiter für diesen Bereich rekrutierbar waren. Sowohl 2017 wie 2018 stiegen Produktion, Mitarbeiterzahl, Umsatz und Ertrag jeweils zweistellig, und zwar ohne Firmenzukäufe.

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