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KTM 390 Duke : So klein und schon ein richtiges Motorrad

  • -Aktualisiert am

Auch mit der kleinen KTM macht die Tour über die Landstraße Freude Bild: Hersteller

Die aus Indien kommende KTM 390 Duke sollte man trotz nur 375 Kubikzentimeter Hubraum sehr ernst nehmen. Und der günstige Preis kommt nicht von ungefähr.

          Deutsche Motorradfahrer stehen auf Hubraum: Getreu der alten Ingenieurs-Erkenntnis, dass Hubraum durch nichts zu ersetzen sei. Kleinzeug ist nicht so beliebt: Nur 4,7 Prozent der gut 85.000 im vergangenen Jahr neu zugelassenen Krafträder fielen in die Klasse 250 bis 499 Kubikzentimeter - in absoluten Zahlen knapp 4000 Einheiten. Immerhin: Tendenz steigend. Die Chance, dass es noch mehr Schmal-Bikes werden, ist von sofort an gegeben: Denn KTM bringt für 4995 Euro jetzt die 390 Duke auf den Markt. Ein geradezu federleichtes Motorrad (139 Kilogramm trocken), das aber stramme 32 kW (44 PS) leistet und deshalb nicht schwachbrüstig wirkt.

          Der günstige Preis kommt nicht von ungefähr. Die KTM wird in Indien hergestellt, im Werk Pune des KTM-Teilhabers Bajaj. Erst kooperierte man, das war 2007, dann beteiligten sich die Inder an der KTM AG ein wenig, und in den schlimmsten Zeiten der Finanz- und Wirtschaftskrise retteten die Asiaten die schwächelnden Österreicher mit viel Geld. Inzwischen hält Bajaj rund 47 Prozent des Aktienkapitals und fertigt in Indien außer seinen eigenen rund 3,5 Millionen Motorrädern auch noch ein paar tausend KTM. Rund 15.000 waren es 2012, dieses Jahr sollen es deutlich mehr werden. Nicht zuletzt wegen der neuen 390.

          Autobahn-Richtgeschwindigkeit passt prima

          Mit den kleinen Dukes hat KTM einen netten Spielzeug-Baukasten entwickelt: Alle drei Versionen - die 125er von 2011, die 200er von 2012 und jetzt auch die neue 390er - verwenden den gleichen Gitterrohrrahmen als Rückgrat, werden mit identischen Lenkerarmaturen und vielen anderen Gleichteilen ausgerüstet. Im Fall der 390 kommen die meisten Zutaten, natürlich von KTM entwickelt, aus Indien, nur wenig muss aus Europa zugeliefert werden, weil indische Zulieferer eben so manches noch nicht draufhaben: Den Schmiedekolben liefert König aus dem österreichischen Vorarlberg, die Bremsleitungen stammen aus Italien und die Metzeler-Reifen aus dem Odenwald. Weil KTM auch bei besonders kostengünstiger Herstellung hohe Ansprüche stellt (statt schnöder Alugussteile finden sich an der Duke einige Alu-Schmiedeteile oder eine Nikasil-Beschichtung des Zylinders), ist die 390er trotz „Made in India“ kein billig wirkendes Motorrad. Das dokumentiert auch das serienmäßig verbaute Bosch-ABS, das vom selben Typ ist wie an so mancher BMW oder Ducati.

          Maximal ist sogar Tempo 165 drin

          Die 390 Duke weist zwar nur einen Effektiv-Hubraum von 375 Kubikzentimetern auf, doch wegen ihrer Handlichkeit lässt sich sehr flott und stressfrei mit ihr fahren. Das erfordert natürlich fleißiges Schalten, denn angesichts von 35 Newtonmeter Drehmoment ist der Durchzug des Einzylindermotors beschränkt. Dass die Maschine kleine, kurvige Straßen bevorzugt, ist klar, doch auch auf größeren (Bundes-)Straßen ist ihr Fahrer jederzeit in der Lage, das Tempo zu bestimmen. Selbst in aufrechter, zwischen 1,60 und 1,85 Meter Körpergröße durchaus entspannter Sitzposition schwingt sich das kleine Ding zu Tempo 165 auf, ohne dabei instabil zu werden. Autobahn-Richtgeschwindigkeit passt also prima. Funktional ist auch sonst fast alles gelungen; als etwas lästig empfanden wir lediglich das Ausklappen des etwas versteckt liegenden Seitenständers in sitzender Position.

          KTM wird zum Trendsetter

          Auch wenn die Hubraumklasse 250 bis 499 Kubikzentimeter in Deutschland künftig wachsen könnte: Deutschland ist nicht der wichtigste Absatzmarkt der 390 Duke. Viel bessere Chancen sieht KTM außerhalb Europas, in Indien, Malaysia, Kolumbien und vielen anderen aufstrebenden Ländern, in denen eine 390er KTM schon als etwas Exklusives gilt im Vergleich zu den Asia-Kracherl mit 200 oder 220 Kubik, die es in Indien schon für umgerechnet etwa 1300 Euro gibt. Die 200 Duke ABS kostet dort umgerechnet knapp 2100 Euro, die 390er 2665 Euro. Als erster KTM-Modell wird die 390er in allen 76 Märkten verkauft, in denen Kraushaar-Trunkenpolz aus Mattighofen überhaupt vertreten ist.

          Nicht ausgeschlossen, dass KTM mit seiner bisher anscheinend erfolgreichen Indien-Connection sogar Trendsetter ist. BMW wird mit dem indischen Motorradhersteller TVS Motor Company, ebenfalls einem Millionen-Hersteller, kooperieren und gemeinsam Motorräder mit weniger als 500 Kubikzentimetern entwickeln. Da grinsen die Österreicher, dass jetzt auch BMW auf den von ihnen vorgezeichneten Spuren wandelt.

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