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Kommentar : Was wird aus Mitsubishi?

Daimler-Chrysler hat Mitsubishi Motors im Regen stehen lassen. Doch die japanische Marke ist auch alleine stark genug, um zu überleben.

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          Als vor knapp drei Monaten im „Motormarkt“ der Frankfurter Allgemeinen Zeitung über Wohl und Wehe des japanischen Herstellers nachgedacht wurde, stand vieles zur Debatte, aber nicht wirklich ein Ausstieg von Daimler-Chrysler. Man schrieb zwar darüber, hielt es aber nicht für möglich. Jetzt ist es passiert, und die Frage ist dringender denn je. Zwar bleibt die Beteiligung von Daimler-Chrysler an Mitsubishi zunächst bestehen, und auch die gemeinsam begonnenen Projekte sollen weitergeführt werden, doch der Imageschaden, den der japanische Hersteller ertragen muß, ist immens. Ausbaden müssen diesen in erster Linie die deutschen Händler, die noch vor wenigen Wochen so optimistisch in die Zukunft geblickt hatten wie schon länger nicht mehr. Mit dem neuen Kompaktwagen Colt, der planmäßig zum 5.Juni eingeführt werden wird, und dem neuen, sportlichen Minivan Grandis, der bereits im Handel ist, hat man zweifelsfrei zwei sehr spitze Pfeile im Köcher, der zu lange nicht mehr aufgefrischt worden war. Doch wie reagiert der Kunde auf die neue Situation? Der ist verunsichert, wer will ihm das auch verdenken. So schön die neuen Modelle auch sein mögen, ihnen hängt jetzt zunächst dieses Odium des Ausstiegs an. Da müssen die Verkäufer den Kunden sehr gut zureden, wenn es zu Abschlüssen kommen soll. Keiner kauft gerne Autos von einer Marke mit schlechtem Image, sei es nun berechtigt oder unberechtigt. Man frage nur einmal einen Rover-Händler. Mitsubishi muß sich jetzt ganz schnell mit der neuen Situation anfreunden und offensiv positiv nach vorne schauen, wenn die Marke eine Zukunft haben soll. Schwarzmaler, die gleich das Schlimmste befürchten, haben sicher unrecht. So schwach ist Mitsu- bishi Motors nun auch wieder nicht, trotz aller finanziellen Probleme. Man ist nach wie vor Japans viertgrößter Autohersteller und baut rund 1,52 Millionen Autos im Jahr - das sind mehr als Mercedes-Benz. Außerdem ist man der älteste Autohersteller Japans (seit 1917), und vor dem Einstieg der Herren aus Stuttgart (im Jahr 2000) hat man ja nicht ohne Erfolg gearbeitet. Mi-tsubishis gewannen und gewinnen die härteste Rallye der Welt (die Rallye Dakar), der Pajero war lange Jahre

          Boris Schmidt

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          in Deutschland Marktführer bei den Geländewagen, die allgemeine Renaissance des direkteinspritzenden Ottomotors ist maßgeblich auf eine Initiative des Unternehmens zurückzuführen, und in Deutschland gehören die Autos mit den drei Diamanten zu den zuverlässigsten gleich hinter Toyota. Natürlich sind Fehler gemacht worden, womöglich hat man sich zu sehr auf die Gönner aus Deutschland verlassen. Der von Daimler-Chrysler entsandte Sanierer Eckrodt hat Anfang der Woche konsequenterweise seinen Hut genommen, jetzt muß man ohne deutsche Vorbeter zurechtkommen. Der eingeschlagene Kurs mit neuen, designorientierten Modellen muß weitergeführt werden. Gut möglich, daß aus dem Daimler-Ausstieg eine Jetzt-erst-recht-Mentalität wächst. Und die Japaner sind zähe Burschen. Sie werden 2017 mit Freude 100 Jahre Mitsubishi feiern.

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