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Kommentar : Porsche-Kombi aus Zell?

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Als Mekka der Designer gilt Kalifornien, wo ziemlich jeder Autohersteller eine Gestaltungswerkstatt unterhält. Die Form von Porsches Flaggschiff Carrera GT beispielsweise ist nicht im schwäbischen Weissach, sondern im Porsche Design Studio in Huntington Beach entstanden.

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          Als Mekka der Designer gilt Kalifornien, wo ziemlich jeder Autohersteller eine Gestaltungswerkstatt unterhält. Die Form von Porsches Flaggschiff Carrera GT beispielsweise ist nicht im schwäbischen Weissach, sondern im Porsche Design Studio in Huntington Beach entstanden. Aber das wird bald Vergangenheit sein, wenn Porsche im Frühjahr kommenden Jahres seine amerikani-sche Dependance auflösen und diese Aktivitäten nach Österreich verlagern wird. Damit wird der Sportwagenhersteller wohl auch sein Design wieder mehr an den alten Grundsätzen von Ferdinand Alexander Porsche (F. A.), dem Schöpfer der Sportwagenikone 911, orientieren. Gewähr dafür bietet eine Personalie: Roland Heiler,bisher Chef in HuntingtonBeach, ist mit der Leitung des Porsche Design Studio in Zell am See im Salzburger Land betraut worden; diese Formenwerkstatt für Industriedesign, die F. A. 1974 dort gegründet und mehr als 30 Jahre erfolgreich geleitet hat, ist so etwas wie die Keimzelle einer streng funktionalen Formensprache, in der auch wieder Autos entwickelt werden sollen. Das wäre mit dem bisherigen Porsche-Design-Chef Harm Lagaay, der sich im vergangenen Monat in den Ruhestand verabschiedete, wohl kaum möglich gewesen. Denn Lagaay verstand zwar die reduzierte Form von F. A., war aber vor allem darauf bedacht, in etwas verspielten und manchmal schwer verständlichen Proportionen seine Handschrift erkennbar zu machen. Da verwunderte es wenig, daß Lagaay kürzlich in einem Gespräch mit dem Fachmagazin "auto motor und sport" seine Sympathie für den ebenfalls umstrittenen BMW-Chefstylisten Chris Bangle offenbarte. Lagaays verwaiste Position in Weissach wird im Herbst Michael Mauer einnehmen, der von Saab kommt und zuvor den Mercedes-Benz SLK gestaltete. Er wird wohl Roland Heiler in Zell am See machen lassen müssen. Heilers Biographie gestattet sogar eine Spekulation auf Porsches sogenannte vierte Baureihe, die zusammen mit dem 911, Boxster und dem Cayenne ein stabiles Wachstum sichern soll. Er hat in seiner ersten Zeit bei Porsche in Weissach den Audi RS2 - ein schnelles Avantmodell - entwickelt. Und als er 1997 als "Leiter Exterieur Design" zu Audi wechselte, beschäftigte er sich mit dem Audi A4, aus dieser Baureihe entstand später der flotte RS4. Da liegt die Vermutung nicht weit, daß der nächste Porsche ein üppig motorisierter Sport-Kombi werden könnte. Die Zusammenarbeit Porsche-Audi beim RS2 verhalf dieser oft als Gemüsekistentransporter verspotteten Fahrzeugvariante als Sportwagen zum Durchbruch. Jetzt verkaufen sämtliche Premiummarken diese schnellen Gefährte mit der auffälligen Heckklappe. Damit könnte Heiler in Zell am See sogar etwas gelingen, was dem Übervater F. A. mit seinem Zeller Entwurf des Cayenne bei dem eitlen Lagaay versagt blieb: Die reduzierte Porsche-Form nach dem 911 wieder zu einem Serien-Porsche zu machen. Das wäre nicht ohne Vorbild, denn der erste eigene Porsche Typ 356/1 kam 1948 auch aus Österreich. Porsche war wegen des Krieges vorübergehend nach Gmund umgezogen.

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