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Kommentar : Japan gut, Deutschland schlecht?

Japanische Fahrzeuge sind inzwischen besser als deutsche. So formulierten es die Kollegen im Radio am Mittwoch abend, und am Donnerstag stürzte sich die Presse auf das Thema. Sind japanische Autos wirklich besser?

          Japanische Fahrzeuge sind inzwischen besser als deutsche. So formulierten es die Kollegen im Radio am Mittwoch abend, und am Donnerstag stürzte sich die Presse auf das Thema. Der ADAC hatte 38 500 Autofahrer befragen lassen, und siehe da, hinsichtlich der Zufriedenheit landen auf den ersten sieben Plätzen nur japanische Fabrikate: Toyota, Subaru, Honda, Mazda, Nissan, Mitsubishi und Suzuki. Dann kommen Porsche, Saab, Hyundai und BMW. Platz 31 und 32: Volkswagen und Mercedes-Benz (die Auto-Bild schlägt in ihrer neuesten Ausgabe in die gleiche Kerbe). Daß japanische Fahrzeuge in Sachen Dauerhaltbarkeit und Zuverlässigkeit ziemlich einsame Spitze sind, ist nicht erst seit gestern bekannt. Immer wieder landen Toyota und Co. in solchen Statistiken ganz vorne. Und wer sich im Bekanntenkreis umhört, wird kaum jemanden finden, der Negatives über sein japanisches Auto erzählt. Im Gegenteil. Fragt sich nur, warum japanische Autos nicht erfolgreicher im Markt sind. Zum einen durften sie es lange Jahre nicht, es gab mit der EU vereinbarte Höchstmengen, zum anderen darf man nicht vergessen, daß ein Auto ein emotionales Produkt ist, das sich eben nicht nur durch technische Qualitäten definiert. Trotz aller Bestnoten hinken die japanischen Marken beim Image immer noch meilenweit hinter den deutschen her. Und sie werden immer hintendran bleiben, sie haben eben kein Heimspiel. Doch es ist nicht nur das. Bei aller Unzufriedenheit der BMW-, Benz-, Audi- und VW-Fahrer, diese stellen höhere Ansprüche an ihr Fahrzeug. Sie bekommen sie zum Teil erfüllt, denn immer noch faßt sich ein neues deutsches Auto wertiger an als ein japanisches. Die Innenräume sind schöner und wohnlicher gestaltet, die Auswahl an Farben und Extras ist größer. Für jedes Modell gibt es etliche Antriebsalternativen, während es bei den japanische Wagen nur einige wenige sind, Dieselmotoren fehlten lange Zeit. Im Fahrvergleich Japan/Deutschland obsiegen die Deutschen meistens ebenfalls. Sie federn besser, haben die bessere Performance, das bessere Handling. Die Käufer japanischer Autos verlangen aber keine Perfektion auf diesen Feldern. Sie wollen ein Auto, das immer fährt, und das bekommen sie. Aussage eines Garantie-Versicherers für Gebrauchtwagen: "Japanische Autos sind für uns ein todsicheres Geschäft, die gehen nie kaputt." Der Großteil der Deutschen ist viel zu autoverliebt, als daß er sich mit den sachlichen und praktischen Japan-Autos anfreunden könnte. Da werden Nachteile sehenden Auges in Kauf genommen. Nicht umsonst blicken sie mitunter neidisch auf die Zuverlässigkeitsweltmeister und titulieren sie abwertend als Reisschüsseln. Und bei aller Aufregung: So unzufrieden sind die Deutsche-Autos-Fahrer auch wieder nicht: VW und Benz ganz hinten, aber mit Noten von 2,09 und 2,14. Wobei 2 immer noch zufrieden bedeutet. Die Noten der Japaner bewegen sich zwischen 1,18 und 1,52. Es ist ein bißchen wie mit der Schule: Nicht immer sind die Klassenbesten später im Leben die Erfolgreichsten, sondern oft die Hinterbänkler.

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