https://www.faz.net/-gy9-nyqg

Kommentar : Bye-bye, BMW C1

Ohne Helm, aber mit Gurten: BMW C1 Bild:

Nicht alles, was BMW anpackt, gelingt. Der so innovative C1-Roller, der für einen Passagier dank seines Dachs nicht nur einen besseren Regenschutz, sondern eine für Zweiräder bis dato nicht gekannte passive Unfallsicherheit bietet, muß sterben.

          Nicht alles, was BMW anpackt, gelingt. Der so innovative C1-Roller, der für einen Passagier dank seines Dachs nicht nur einen besseren Regenschutz, sondern eine für Zweiräder bis dato nicht gekannte passive Unfallsicherheit bietet, muß sterben. Diese Woche ließ BMW verlauten, daß die im Dezember 2002 vorläufig eingestellte Produktion nicht mehr aufgenommen wird. Die Verkaufzahlen sind weit hinter den Erwartungen zurückgeblieben. 33500 Einheiten sind seit Frühjahr 2000 bei Bertone in Italien produziert worden, vermarktet wird der Roller aber noch bis Frühjahr 2004. So lange wird der Abverkauf der zuletzt auf Halde gebauten Vehikel dauern, schätzt BMW. Der Kunde darf sich auf entsprechende Rabatte freuen, auch die spätere Ersatzteilversorgung sei kein Problem, wird versprochen. Noch ist Zeit zur Kaufentscheidung, für den C1 spricht sein Status als das wohl sicherste Zweirad der Welt. Denn bisher sind BMWs Erwartungen an den Roller, bei dem der Fahrer angeschnallt (mit einem Fünfpunkt-Gurtsystem) und ohne Helm in einer Crashzelle sitzt, auch im realen Unfallgeschehen bestätigt worden. Immer wieder erreichen München Briefe mit Sätzen wie "Ihr Roller hat mir das Leben gerettet." Im Internet geht es auf zahlreichen Seiten um den C1, mehrfach wird seiner passiven Sicherheit gehuldigt (siehe zum Beispiel www.airklaus.de). Darauf darf BMW zu Recht stolz sein, das Gelernte will man künftig bei den Motorrädern in der einen oder anderen Form anwenden, vor allem das vordere Crash-Element des C1 könnte für ein Bike der Zukunft interessant sein. Gescheitert ist der C1 an einer Fülle von Problemen. Zunächst ist er definitiv ein Einpersonen-Fahrzeug. Der angebotene Notsitz außerhalb der Sicherheitszelle ist ein Konzept-Widerspruch und bleibt inakzeptabel. BMW hatte auch geprüft, ob man in der Sicherheitszelle Platz für einen weiteren Mitfahrer schaffen könnte. Das ginge nur mit einem riesigen Radstand und brächte zu viele Nachteile, glaubt man. Zweitens war der C1 im Konkurrenz-Vergleich einfach zu teuer. Mehr als 5000 Euro für einen Roller sind nur schwer zu vermitteln, wenn der Kunde nicht bereit ist, für die gebotene Sicherheit zu bezahlen. Drittens, und das ist wohl der größte Nachteil: Für den C1 braucht man in Deutschland einen Motorradführerschein. Nur Autofahrer, die vor dem 1. April 1980 ihre Prüfung abgelegt haben, dürfen auf - oder besser in - den 125er-C1. Die meisten Autofahrer, die jünger sind, bleiben außen vor oder müssen rund 1500 Euro (!) in den Biker-Schein investieren, von den übrigen Mühen abgesehen. Nur elf Prozent in der Zielgruppe 25 bis 39 Jahre haben den Zweirad-Schein. In anderen europäischen Ländern darf der 125er-C1 von jedem Autofahrer bewegt werden. Wäre das in Deutschland so, hätte BMW (und die Zweiradbranche) allein in dieser Altersgruppe 15 Millionen potentielle Kundenmehr. So aber geht der C1. BMW verdient Respekt für den Mut, ihn gebaut zu haben.

          Weitere Themen

          So wird die Schiene schlauer

          Deutsche Bahn : So wird die Schiene schlauer

          Die Bahn holt sich neue Ideen von außen in den Konzern. Vom Innovationsmanagement sollen auch Instandhaltung und Betrieb des 33.400 Kilometer langen Netzes profitieren.

          Nur die Ruhe

          Solar-Katamarane : Nur die Ruhe

          Die großen Solar-Katamarane von Silent Yachts sind ziemlich einzigartig. Nirgendwo sonst ist Luxus so elektrisch.

          Topmeldungen

          Miet- und Kaufpreise in Europa : Schlimmer geht immer

          Deutschland ächzt unter hohen Mieten und teuren Immobilien. Doch anderswo in Europa ist die Lage weitaus dramatischer – kein gutes Zeichen.

          Ich und das Klima : Du sollst verzichten

          Die Deutschen müssen ihr Leben ändern, sagen die einen. Was die Deutschen machen, ist der Welt egal, behaupten die anderen. Was kann der Einzelne wirklich bewirken?

          Umstrittener Backstop : Was will Boris Johnson?

          In einem Brief an EU-Ratspräsident Donald Tusk kritisiert der britische Premierminister die „Backstop“-Regelung zur irischen Grenze und schlägt „alternative Vereinbarungen“ vor. Er stößt jedoch auf wenig Gegenliebe.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.