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Kommentar : Billige Teile

Brüssel hat das Geschäft mit den Neuwagen rechtlich neu gestaltet. Das hat auch Auswirkunegn auf den Handel mit Ersatzteilen, die Hersteller verlieren ihr "Original-Teile"-Monopol.

          Die neue Gruppenfreistellungsverordnung (GVO), die zum 1.Oktober nach Ablauf der einjährigen Übergangsfrist endgültig ihr Wirken entfaltet, bringt nicht nur Änderungen für den Handel mit Neuwagen. Die Brüsseler Gesetzgeber, die mit der GVO die Spielregeln für den Autohandel in Europa ziemlich auf den Kopf stellten, haben auch dafür gesorgt, daß in den Service und den Handel mit Teilen Bewegung kommt. Bisher war das Ersatzteilgeschäft eine relativ sichere Bank für die Auto-Anbieter. Doch mittlerweile verstehen es immer mehr Autofahrer, preisgünstiger bei gleicher Qualität einzukaufen. Schon jeder siebte hat nach Erkenntnissen von Marktforschern Ersatzteile im Internet bestellt. Der jährliche Umsatz über diese Schiene wird auf eine Milliarde Euro geschätzt. In den herkömmlichen Handel kommt ebenfalls Bewegung. So wird sich die Carat GmbH aus Leinfelden-Echterdingen die Bestimmungen der neuen GVO zunutze machen. In den Fachmärkten "AUTO plus" gibt es von sofort an Original-Ersatzteile der Autohersteller. Schließlich kommen vier Fünftel eines Autos nicht aus dem Werk selbst, sondern von Zulieferern. Freie Teilehändler wie "AUTO plus" beziehen einen Großteil des Angebots vom selben Produktionsband, von dem auch VW, Opel, Mercedes-Benz und Co. ihre Fahrzeugteile bekommen. Bisher beanspruchten die Fahrzeughersteller für sich exklusiv das Recht, die von ihnen im Fahrzeugherstellerkarton verpackten Teile "Original-Teile" zu nennen. Jetzt dürfen auch qualitätsidentische Teile (bisher sogenannte Ident-Teile) als "Original" bezeichnet und verkauft werden. Und natürlich sind diese billiger als die vom Hersteller. So kostet das Blinkerrelais für einen Renault Kangoo 38 Euro, das "freie" Ersatzteil 28 Euro. Den Autoherstellern schmeckt das natürlich nicht. Erkleckliche Gewinne (Zahlen nennt niemand) gehen verloren. Mit Imagekampagnen in Publikumszeitschriften hält man dagegen. BMW zeigt zwei Dreier-Kabrios und fragt: "Einer hat die Kupplung vom Original BMW Service. Mit welchem würden Sie lieber durch Rom fahren?" Viele Kunden werden dennoch auf den Einkauf beim BMW-Service pfeifen, wenn der freie Handel die gleiche Qualität zu niedrigeren Preisen bieten kann. Und nach Auffassung der EU-Kommission darf die Verwendung von qualitätsidentischen Erstausrüstungsteilen keinen Einfluß auf die Garantiezusage des Fahrzeugherstellers haben. Doppeltes Pech für die Hersteller, neben dem schwindenden Gewinn müssen nach wie vor Garantiekosten eingeplant werden, ohne daß der Teileverkauf die Aufwendungen abfedert. Zwischen den Stühlen dürfte manches Mal der Vertragshändler sitzen, der einerseits die Teile vom Hersteller nehmen soll, andererseits vom Kunden mit Preisen konfrontiert wird, die der im Autoteile-Supermarkt gesehen hat. Mancher Händler setzt den neuen Wettbewerb schon par excellence um. Er macht von sich aus auf die Möglichkeit des günstigeren Teils aufmerksam, verkauft es gleich selbst und hält so den Kunden.

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