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Škoda : Dem Exotendasein längst entwachsen

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Eine Ode an die Freude: Die Studie Joyster auf dem Automobilsalon 2006 in Paris Bild: Hersteller

Škoda hat sich zum international anerkannten Automobilhersteller entwickelt. Keine leichte Aufgabe. Aber am Ende siegten die Liebe zur Tradition und der Mut für morgen. Die Tschechen bewegen sich immer weiter nach oben auf der Erfolgsskala.

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          Böhmen und Mähren, Moldau und Smetana. Die Tschechische Republik weckt Gedanken an Bier, Knödel oder Oblaten, verschmitzt witzelt der Schwejk im Hintergrund, und am Ende sind alle doch irgendwie heiter-traurig. Aber die Nation kann mehr als Glaskunst und Eishockey.

          Škoda Auto - Nachfolge-Unternehmen der 1895 gegründeten Fahrradmanufaktur Laurin und Klement, die 1905 das erste Automobil auf die Räder stellte - pflegt dieses Erbe mit bravourösem Erfolg. Schon in der frühen Vergangenheit haben die Ingenieure am traditionellen Unternehmenssitz in Mlada Boleslav findige Lösungen für alltägliche Aufgaben gefunden. Einer der Werksleiter, Pavel Hridlicka, zeichnete einen Protoyp mit Heckantrieb, der dem Käfer sehr ähnelte. Nur eben einige Jahre bevor Ferdinand Porsche seine Idee skizzierte.

          Der Integration von Škoda in den VW-Konzern war jedoch nach der samtenen Revolution, wie die Tschechen liebevoll ihre Abkehr vom Sozialismus beschreiben, die größte, wenngleich nicht einzige Chance, die Herausforderungen der neuen Ära zu bestehen. Mit der modernen Autotechnik des Konzerns ist Škoda heute längst zum globalen Spieler geworden. Die Tschechen bauen Autos in China, Kasachstan, Indien, verkaufen zurzeit in Russland mehr Fahrzeuge als die Muttergesellschaft und bewegen sich immer weiter nach oben auf der Erfolgsskala des VW-Konzerns.

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          Adler allein in der Luft

          Dass der Adler in der Höhe gern allein fliegt, hatte der ehemalige Konzernchef Ferdinand Piëch bereits gewusst. Wohl auch, dass die Luft dort oben dünner ist. Mit steigenden Absatzzahlen - Škoda hat im ersten Halbjahr 2008 genau 366 666 Autos verkauft, das sind 17,9 Prozent mehr als im Vergleichszeitraum 2007 - wächst die Herausforderung, dem Kunden mehr zu bieten als das fast sprichwörtliche, ausgezeichnete Verhältnis von Preis zu Leistung. Die Marke ist noch lange nicht am Ende der Suche nach einer neuen Identität angekommen. Zwar markierte der Octavia, das erste selbständig entwickelte Auto, 1994 eine Zäsur in der Unternehmensgeschichte. Man sprach von einer Demokratisierung des Designs und auch von einer Konkurrenz im eigenen Stall gegen den Bestseller Golf, doch stehen die Zeichen klar auf einen Zugewinn an Variantenreichtum.

          Ein mutiger Versuch war die Studie Tudor, präsentiert 2002 auf dem Genfer Automobilsalon. Das Mittelklasse-Coupé auf Basis des Octavia war mit straffen Linien voller Zartheit gezeichnet. Allein, die Zeit war nicht reif, Exotisches wie ein Fahrzeug dieser Klasse unter dem Škoda-Markenzeichen wurde in Wolfsburg abgelehnt.

          Kaum weniger Beachtung gab es für den Joyster 2006 auf dem Automobilsalon in Paris. Angeschoben vom ehemaligen Designchef Thomas Ingenlath, zeigte der Joyster eindrucksvoll, wie jugendlich die Vernunftmarke Škoda plötzlich sein kann. Der Kompaktwagen mit einer Fülle von elektronischen Unterhaltungs- und Kommunikationsmöglichkeiten hatte die Gene eines Partyboys. Eine kräftige Audioanlage sowie eine zum Picknick im Freien einladende Sitzbank in der Heckklappe waren Visionen, die manch einer dem eher als bieder verschrienen Autobauer aus Tschechien nicht zugetraut hätte. Auch für den Joyster gab es keine Zukunft, zu nah am emotionsgeladenen Portfolio der Schwestermarke Seat sei er positioniert, kommentierten die Konzern-Insider.

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