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Kleine Transporter : Heimliche Helden des Alltags

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Kleine Transporter bieten viel Platz für wenig Geld: Hier der VW Caddy Bild: Hersteller

Egal ob Familienunternehmen oder Unternehmungen mit der Familie, für beides braucht man geräumige Transporter. Allem praktischen Anspruch zum Trotz sind solche Transportmobile heute aber alles andere als nüchterne Zweckfahrzeuge.

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          Die häufigste Betriebsform in Deutschland ist das Familienunternehmen. Dessen Führungsstruktur ist denkbar einfach: Es gibt an der Spitze zwei gleichberechtigte Partner, man nennt sie auch Eltern, und ihre abhängig Beschäftigten sind die Kinder. Dazu gesellen sich vierpfotige Haustiere, und zusammen sind Eltern, Kinder, Katz und Hund die vielleicht schwierigste Zielgruppe für jeden Autohersteller: Ihre Ansprüche ähneln sich zwar, sie fordern aber die Kreativität der Konstrukteure auf jene Art heraus, die man in den Chefetagen nicht so gern hört. Denn diese Familienunternehmen wollen (oder können) nicht viel investieren und wollen doch nur das Beste. Aus guten Gründen. Schließlich geht es doch um jenes Gut der Gesellschaft, das von den Politikern hoch gepriesen, aber nur unvollkommen unterstützt wird. Familien benötigen Autos mit Talenten.

          Dazu gehören immer häufiger jene mobilen Gesellen, die wir auf dieser Seite zusammengestellt haben. Die Idee dafür war - wie häufig - aus einer Laune der Leichtigkeit entstanden. Es sollte an einem ruhigen Wochenende mit Kind und Kegel eine halbwegs zivilisierte Transportfahrt zu einer entfernten Verwandten unternommen werden, die der nicht mehr ganz jungen Familie etliche Dinge der gemeinsamen Vergangenheit vor dem Umzug ins Seniorendomizil zu überlassen gedachte: mehrere gerahmte Gemälde, eine Kuckucksuhr, einen sehr schönen Hörnerschlitten, die gebundenen Jahrgänge von „ams“ aus den Anfängen bis zum Ende der achtziger Jahre, einen leidlich erhaltenen Tresor (der Schlüssel war längst verlegt), etwa tausend Bücher über die Beseitigung von Durchblutungsstörungen in den Extremitäten sowie eine mehrere Hundert Exemplare umfassende Sammlung alter Hörgeräte harrten der Abholung.

          Keineswegs nüchterne Zweckfahrzeuge

          Zudem standen diverses Steingut, Porzellan und einzelne Edel-Bouteillen zur Mitnahme bereit. Die Summe der Offerten grenzte die Fahrzeugauswahl in Kombination mit der Forderung nach einem noch zu spürenden Fahrkomfort deutlich ein. Beim Schürfen in den Produktlisten wurde dann doch eine ansehnliche Rotte besonderer Vehikel entdeckt, die sich gut für Transport und Touren eigneten. Alles heimliche Helden des Alltags.

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          Diese automobilen Lebenskünstler stammen zwar von verschiedenen Herstellern, aber ihr Charakter wird von gemeinsamen Merkmalen bestimmt. Sie sind in direkter Linie mit den jeweiligen Großserienmodellen ihrer Marken verzahnt, Komponenten wie Antriebseinheiten, Bodengruppen und Achsen sind ihnen zugewachsen. Das senkt die Kosten und verringert den Entwicklungsaufwand. Im Gegensatz zu früher sind diese Transportmobile keineswegs nüchtern konzipierte Zweckfahrzeuge. Im Gegenteil.

          Eher Robustheit als Rasse

          Sie haben sich von ihrer gewerblichen Vergangenheit längst verabschiedet und bieten alle Annehmlichkeiten (so man sie will und bezahlen kann) wie die anderen Versionen. Und auf breiter Front hat sich auch hier die Antriebskonfiguration durchgesetzt, die in dieser Klasse als Standard gilt: Die Vierzylindermotoren sitzen vorn, sie treiben die Vorderräder an, fünfgängige Getriebe sind Serie. Das bietet mehrere Vorzüge: Die daraus resultierenden Fahreigenschaften sind unproblematisch, untersteuerndes Fahrverhalten mit berechenbaren Kurveneigenschaften ist die Regel, und im Winter kommt man mit Frontantrieb und guten Winterreifen noch ausreichend zuverlässig voran. Alle Fahrzeuge dieser Kategorie kommen mit Servolenkung, ABS ist ebenfalls Serie, kleinere Unterschiede gibt es in der Zahl der Airbags, aber hier hilft nur das Studium der zum Teil recht umfänglichen Ausstattungslisten.

          Gemeinsam ist allen diesen Transportern des alltäglichen Lebens auch eine stilistische Eigenheit: Die Hersteller haben allesamt auf ein Design der Dynamik verzichtet. Denn dieses forderte Details, die hier von der angepeilten Kundschaft nicht gewünscht werden. Flach, breit und aggressiv: mit diesen Merkmalen definieren sich andere Fahrzeuggattungen, hier gibt es doch eine ganz andere Botschaft. Es sind die äußeren Formen der inneren Werte, die hier zum Ausdruck kommen: eher hoch als niedrig gebaut, man schätzt eher Robustheit als Rasse, und die Überlegenheit des Konzepts kommt nicht beim Überholprestige zum Ausdruck.

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