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Kleine Transporter : Heimliche Helden des Alltags

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Im Alltag mit Kind und Kegel zählen andere Eigenschaften. Da schätzt man rasch die große Ladeöffnung im Heck, man kann sich für eine nach oben schwingende Klappe (immer über Stehhöhe und als Schutz vor Regen dienend) oder für eine zweigeteilte Tür entscheiden. Immer dabei ist die niedrige Ladekante, und der Laderaum ist meist robust ausgekleidet, auf Haken zum Befestigen von Spanngurten ist zu achten. Die Rücksitzbank kann bei jedem dieser Mobile umgelegt werden, nicht immer kommt sie in geteilt klappbarer Form, ein Aufgeld ist hier aber gut angelegt.

Das komplette Herausnehmen der hinteren Sitzgelegenheiten gestaltet sich meist schwierig, vier starke Arme sind da gefragt. Angenehm sind kräftigere Kunststoffteile am Bug und am Heck oder auch an den Seitentüren. Diese können schon mal einen Stoß vertragen, ohne dass es gleich zu teuren Reparaturen kommt. Willkommen sind Schiebetüren hinten. Sie machen einen bequemen Weg frei, und beim Öffnen fordern sie nur eine Handbreit an Raum. Innen gibt es jede Menge phantasievoll plazierter Ablagefächer, in den Seiten, im Boden und im Dach. Mehr Plüschtiere mag man gar nicht einpacken.

Alle sind ihr Geld wert

Die pragmatische Ausrichtung dieser Autogattung hat neben ihren praktischen Talenten vor allem eine angenehme Konsequenz: Sie fördert beim Fahrer eine andere Kategorie des Verhaltens (wenn wir als Gegenpart mal einen Alfa Romeo GTA nehmen) und erlaubt es ihm, sich ohne Gesichtsverlust sämtlichen Rangeleien im Alltagsverkehr zu entziehen. Sein Pragmatismus-Vehikel signalisiert jedem: Hier sind andere Werte als Grenzgeschwindigkeiten in Kurven gefragt.

Und auf der Autobahn rollt man recht entspannt unterhalb der Richtgeschwindigkeit dahin. Die Annehmlichkeiten einer Absage an das Tempo münden direkt in den Abschied vom Auto als Objekt für Protz und Prestige. Man setzt sich einfach andere Ziele: Komfort ist wichtiger als Querbeschleunigung, Transport wird höher eingeschätzt als Tempotaten, und der Kaufpreis ist das entscheidende Kriterium. Billig sind sie alle nicht aus unserer kleinen Liste, aber es gibt keinen, der sein Geld nicht wert wäre.

Zwillinge von Peugeot und Citroën

Der in dieser Zusammenstellung teuerste Familientransporter ist der Ford Tourneo Connect. Seine Technik ist eine Verbindung von Nutztier (Ford Transit) und Normalauto (Focus/Mondeo), und er wird zur Zeit nur mit zwei verschiedenen Dieselmotoren angeboten. Ford hat den Tourneo jüngst renoviert, es gibt zwei Radstände, und er wirkt nüchtern, aber sehr modern, und er ist aus dem Vergleichsumfeld herausgewachsen. Mit langem Radstand sind acht Sitzplätze möglich.

Zwillinge sind der Partner von Peugeot und der Berlingo von Citroën: Sie stammen aus der französischen PSA-Familie, sind technisch kaum zu unterscheiden, und sie sind der Kern der Bewegung hin zum pragmatischen Auto. Sie bieten guten Federungskomfort, viel Raum und jene leicht wiegenden Bewegungen auf welliger Fahrbahn, die man mit Baguette und Baskenmütze gut übersteht.

Einfach Autos fürs Leben und zum Lieben

Als eigentlicher Nachfolger des R4 darf der Renault Kangoo gelten. Er ist vielleicht gerade wegen seiner unaufgeregt-nüchternen Art das Auto für Romantiker. Sein Preis ist günstig (nicht nur bei der Einsteigerversion), und weil er so unaufdringlich praktisch ist, regt er die Phantasie seiner Besatzung stark an. Der Fiat Doblò ist der Designerkasten auf Rädern und fährt deshalb alle gewohnten Formvorstellungen über den Haufen. Aber er ist ein Riese des Raumes, und im Alltag bewegt er sich mit römischer Nonchalance. Nicht ganz quadratisch, aber praktisch und gut sind die Beiträge von Opel und VW. Die Ausstrahlung des Opel Combo ist nahe an jener eines Nutzfahrzeugs für den Reparateur, und auch der VW Caddy dient eher dem Gelegenheitstransporteur. Aber diesen kann man auch mit sieben Sitzen haben, und sein Stauvolumen ist (wie jenes des Opel Combo, der mit einem ungewöhnlich reichlichen Radstand begabt ist) eine Freude für jeden Familienvorstand.

Die heimlichen Helden des Alltags bringen jene Eigenschaften mit, die zur Versöhnung mit dem Auto beitragen können. Denn sie platzen nicht vor Leistung, und ihre Vernunft ist kein Hindernis für Vergnügen. Dazu passt, dass sie nicht nur für die Familie da sind. Auch der aktive Single und der bewegliche Opa und die unverwüstliche Oma haben ihre Freude daran. Einfach Autos fürs Leben und zum Lieben. So fährt die Zukunft.

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