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Kinderfahrräder : Kauft ihnen keine Räder beim Discounter

  • -Aktualisiert am

Jetzt gilt es: kleines echtes Mountainbike Bild: Pardey

Als Weihnachtsgeschenk ein Kinderfahrrad? Nicht so einfach, denn Eltern können einiges falsch machen: qualitativ genauso wie geschmacklich. Deshalb stellen wir schon mal welche vor. Damit ihr Kind an Weihnachten nicht heulen muss.

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          Wenn sie das hier mitbekämen, wären die Marketingstrategen von Kinder- und Jugendfahrzeug-Spezialist Puky aber ganz schön enttäuscht. Marike, sieben Jahre alt, würdigt das ihr zugedachte 24-Zoll-Rädchen „Skyride“ im Ausstellungsraum keines Blicks, sondern beharrt auf einem schwarz-silbernen Bike: „Das hier ist cool.“ Da hat man sich nun in Wülfrath für die jungen Damen unter anderem einen Tiefeinsteiger wahlweise in Champagner oder Schwarz lackiert mit floralem Zauberpferdchen-Dekor in Zartlila bis Aubergine einfallen lassen, und diese kleine Eva verweigert der punktgenau auf die Zielgruppe ausgerichteten Gestaltung ihre Zustimmung komplett. Da ist wohl nichts zu machen, Marike hat sich nun mal für das „Robo 2.4/7“ von Hercules entschieden.

          Oskar, acht Jahre alt, krallt sich sowieso seit einer Viertelstunde entschlossen an dem Haibike „Rookie Team 24“ fest: Das ist zwar „ohne Klingel, ohne Schutzblech, ohne Licht“ kein Rad für den Straßenverkehr respektive für den Schulweg wie das daneben stehende StVZO-konforme „Crusader“ von Puky. Aber mit dem kleinen Mountainbike in den Teamfarben Weiß und Blau, einem kindgerechten Sportgerät, donnert Oskar dann gleich gekonnt eine Treppe hinunter wie die Großen. Der Beobachter im Opa-Alter erinnert sich, was ihm auf der Fahrradmesse von den Herstellern zu ihren neuen Kinderrädern gesagt worden ist, und denkt sich sein Teil: Die Kinder wachsen eben nicht nur schneller auf 24-Zoll-Räder drauf als in der Vergangenheit, sie haben auch im Grundschulalter längst ihre eigenen Ansichten darüber, was sie wollen und was nicht.

          Als Binsenweisheit sei vorausgesetzt: Wer seinen Kindern wohl will, kauft ihnen keine Räder beim Discounter, sondern gibt für ein Qualitätsrad im Fachhandel mehr aus, als im Baumarkt ein Erwachsenen-Rad kostet. Das hat fern allen Marken-Prestigedenkens seine Richtigkeit. Kinderfahrräder sollten schon deshalb von besonders guter Qualität sein, weil sie mehr aushalten müssen, denn sie werden rücksichtsloser benutzt. Wer mehr investiert, hat Interesse daran, nicht jedes Jahr ein neues Kinderrad kaufen zu müssen. Qualitätsanbieter wie etwa Puky achten darauf, dass ihre Räder einen besonders großen Verstellspielraum haben. Ein Beispiel: Bei einem „Skyride“ mit 20-Zoll-Rädern, geeignet für Kinder ab etwa sechs Jahren, lässt sich der Lenker horizontal um etwa 5,5 Zentimeter vor und zurück und vertikal um sechs Zentimeter verstellen. Die Sitzhöhe ist zwischen 57,5 und 73 Zentimetern anpassbar, wobei der Sattel sich zwei Zentimeter vor- und zurückschieben lässt. So zahlt sich am Ende Qualität doch aus: Die Räder lassen sich länger nutzen, und sie sind sicherer von Anfang an.

          Für die junge Dame: Puky Skyride
          Für die junge Dame: Puky Skyride : Bild: Hersteller

          Für 100 Euro mehr gibt es dieses Rad auch mit Sieben-Gang-Nabe

          Ein ganz wesentlicher Punkt lässt sich am „Rookie“ von Haibike (rund 500 Euro) studieren: Dass der Rahmen aus Aluminium 6061 mit einer Federgabel (Suntour XCR), einer 24-Gang-Kettenschaltung (Mix aus Shimano Deore und Acera) und hydraulischen Scheibenbremsen (Tektro Auriga Comp) aufgebaut wird, ist alles nicht annähernd so entscheidend wie die zierlichen Bremsgriffe. Mit denen kann auch ein Achtjähriger wie Oskar den nötigen Bremsdruck aufbauen, um das knapp 13 Kilogramm wiegende Rädchen sicher zum Stehen zu bringen. Haibike empfiehlt für seine 24-Zoll-Modelle als Mindestalter etwa acht Jahre und eine Körpergröße von etwa 125 Zentimeter an. Wozu noch anzumerken wäre: Nicht jedes achtjährige Kind schafft, was manchem Erwachsenen Schwierigkeiten bereitet - zwischen 24 Gängen hin und her zu schalten.

          Diesbezüglich gefällt die Drei-Gang-Nabenschaltung mit Rücktritt (Shimano Nexus mit Drehgriff-Schalter) im „Robo 2.4/3“ von Hercules (rund 350 Euro) als wesentlich alltagstauglicher besser. Für 100 Euro mehr gibt es dieses Rad auch mit Sieben-Gang-Nabe. Der kräftige Alurahmen und die Federgabel verleihen ihm einen Hauch von Mountainbike, der sicherheitsbewusste Schenker sieht mit Wohlgefallen die Lichtanlage von Basso mit einem Nabendynamo: Endlich verschwindet am Kinderrad der Seitenläufer, der immer in die Speichen getreten wurde. Wer sehen möchte, wo Qualität und Mehrwert beim Markenrad für Kinder stecken, der sehe sich kritisch mal Kettenschutz, Gepäckträger, Seitenständer sowie die Schutzbleche und ihre Befestigung bei einem Rädchen aus dem Baumarkt und vergleichend am „Robo“ von Hercules oder an den Puky-Modellen „Skyride“ und „Crusader“ an (knapp 400 Euro mit 24-Gang-Kettenschaltung“Via“von Sram, als „Crusader 24-3“ mit Drei-Gang-Nabe rund 370 Euro). Bei dem letzten fällt das für große Jungs nicht so prickelnde, weil auch mit Kleinkinderrädern verbundene Markenzeichen am Steuerkopf kaum auf: „Ich habe gar nicht gesehen, dass das von Puky ist“, meint der achtjährige Kai. Das ist das größte Kompliment, das ein Angehöriger der Zielgruppe dem Marketing in Wülfrath machen kann.

          Zum guten Schluss: Nichts geht über eine Probefahrt, selbst wenn die Weihnachtsüberraschung darunter ein wenig leiden sollte - denn: La donna è mobile. Marike hat in Ruhe, das heißt ohne die Jungs dabei, sich die Rädchen noch einmal angeguckt und ist dann superglücklich mit Pukys pink-schwarzem „Skyride“, dem Mädchenrad, ums Haus gekurvt. Das wird der Weihnachtsmann ihr nun auch bringen.

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