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Kawasaki ZX-6RR Ninja : Ein scharfes Stück aus der grünen Hölle

  • -Aktualisiert am

Das Gift der Leistung: Die Kawasaki Ninja ZX-6RR fordert die Verantwortung Bild:

Der japanische Koch bedient sich der feinsten Ware aus dem Motorsport, schmeckt mit einer Prise Tauglichkeit für den öffentlichen Straßenverkehr ab und dekoriert alles mit straßentauglicher Beleuchtung zur Kawasaki ZX-6RR.

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          Die Zutaten sind von erlesener Qualität: Der japanische Koch bedient sich der feinsten und frischesten Ware aus dem Motorsport, schmeckt mit einer guten Prise Tauglichkeit für den öffentlichen Straßenverkehr ab, nimmt dem Ganzen mit verbesserter Schalldämpfung etwas von der ursprünglichen, aber schwer bekömmlichen Schärfe und dekoriert alles mit straßentauglicher Beleuchtung. Die Kawasaki ZX-6RR kommt gerade aus dem Fahrerlager der Motorrad-Grands-Prix und sticht in der giftgrünen Rennfarbe der Marke ins Herz der Klasse von Supersportlern. Für 10196 Euro gibt es das drehzahlgierige Reptil samt 86 kW (117 PS).

          Die Kawasaki mit dem schon traditionellen Beinamen Ninja macht aus ihrem Anspruch kein Hehl. Die niedrige Verkleidung hält den Wind genauso messerscharf ab, wie sie es verspricht, der zweigeteilte Scheinwerfer sitzt unter einem Lufteinlaß für den Ölkühler, und die geduckte Sitzposition des Fahrers führt zur innigen Umarmung, die aus der Haßliebe zur Ninja erwächst. Denn die nur 188 Kilogramm schwere Kawasaki ist die Geliebte des sehr sportlichen Fahrers, der freilich nicht zu den beliebtesten Motorreitern auf den Straßen gehört. Dabei lockt die bis zu 258 km/h schnelle ZX-6RR (das doppelte R bedeutet soviel wie Racing Replica) mit allerfeinster Technik und einem mechanischen Wunderwerk mit vier Zylindern, das seine höchste Leistung bei 13000 Umdrehungen in der Minute liefert und sein maximales Drehmoment von 65 Newtonmeter bei kaum weniger als 12000/min abgibt. Die Einspritzanlage des 0,6-Liter-Triebwerks arbeitet nach dem Kaltstart mit wohldosierter Zuteilung, die Warmlaufphase ist kurz, und bald signalisiert die Temperaturanzeige volle Leistungsbereitschaft. Dennoch spielt sich unterhalb von 4000/min wenig ab, der Motor läuft unrund und nimmt das Gas eher knurrig an. Williger zeigt sich die mit vier Ventilen in jedem Brennraum arbeitende Maschine bis 7500/min, dann erinnert ihr Klang an die Turbinen-Nähmaschine, das wahre Feuerwerk brennt der Ninja-Motor dann jenseits von 8000/min ab. Das Beschleunigungserlebnis erinnert an die Play-Station japanischer Hersteller von Unterhaltungselektronik, die kleine Ninja hat ohnehin viel Ähnlichkeit mit einem Computer. Ihr Leistungsvermögen wird von den meisten ihrer Besitzer wohl kaum zu mehr als 50 Prozent genutzt, in vielen Fällen ist das zumindest im öffentlichen Straßenverkehr auch besser so.

          3,2 Sekunden dauert die Beschleunigung von 0 auf 100 km/h, die wesentliche Aufgabe für den Fahrer ist dabei, das Vorderrad am Boden zu halten. Selbst beim Zwischenspurt, wenn der lässige Schlenker des rechten Handgelenks die Kawasaki in der Flüchtigkeit eines Augenblicks von 60 auf 120 km/h schnellen läßt, wird dem Renn-Bike leicht um den Vorbau. Dabei ist sein Fahrverhalten an Präzision kaum zu übertreffen. Mit bemerkenswerter Leichtigkeit spult die Ninja sich um die Kurven, mühelos läßt sie sich bei hohem Tempo dirigieren, und ihr Geradeauslauf ist mustergültig. Dämpfung und Federung lassen sich vorn wie hinten gefühlvoll einstellen, hart und überaus sportlich bleibt das Verhalten des Fahrwerks freilich immer. Die Bremsen kann man feinst dosieren und sie ermöglichen in Verbindung mit den Michelin Pilot Sport Reifen auf den dreispeichigen Leichtmetall-Rädern atemraubende Verzögerungswerte.

          Weniger leichtgängig ist die Schaltung. Das Sechsganggetriebe arbeitet spröde, das Finden des Leerlaufs gerät oft zum mühseligen Herumgestocher. Den Blick zurück erschweren zu eng stehende Spiegel, immerhin liefern sie verzerrungsfreie Bilder. Mit 18 Liter Spritvorrat im Tank kommt man etwa 250 Kilometer weit, der Durchschnittsverbrauch lag knapp unter sieben Liter Super auf 100 Kilometer. Die Anzeige des Drehzahlmessers über Flüssigkristallbalken ist nicht der Weisheit letzter Schluß, die Geschwindigkeit wird digital signalisiert.

          Diese Kawasaki ist selbst nach offiziell bestandener Verträglichkeitsprüfung für öffentliche Straßen ein Grenzgänger. Spaß macht sie, wenn man die Grenzen nach oben schiebt, ein Motorrad, das einfach nicht auf gemütliche Art zu fahren ist. Sie fordert den Kenner und Könner, der sich einzelne Rennstreckenrunden in der Gegend von Hockenheim oder Adenau kauft, vielleicht auch den technikverliebten Menschen, der sich von filigraner Mechanik und motorsportgerechter Literleistung faszinieren läßt.

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